Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 22 (1881)
- Issue
- Heft 40-41 (5.10.1881)
- Date
- 1881-10-05
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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1014 Menschen Holz und Stein mit seinem Namen benennen?" Auch diesmal blieb Rabbi Akiba der Sieger, und Hadrian stimmte ihm zu. Die Dekrete, welche den Juden befahlen, den Standbildern des Kaisers göttliche Ehre zu erweisen und den Antinousdienst in ihren Städten und Dörfern einzuführen, wurden aufgehoben. Ganz zerknirscht kam Tinius Rufus in seine Wohnung, wo seine Gemahlin Rufina nicht wenig über sein Aussehen erschrak. Sie war eine Römerin von vornehmer Geburt und eine der schönsten ihres Geschlechtes. Strahlend in Jugend und Schönheit ging sie ihrem Gatten entgegen, fuhr aber bei seinem Anblicke zurück. „„Mein Rufus,"" rief sie, „„was ist Dir? List Du beim Kaiser in Ungnade gefallen? Hat Hadrian Dich zum Tode verurtheilt? Dein Aussehen erschreckt mich. Sprich, mein Gatte, laß mich hören, was sich Schlimmes zugetragen!"" „Dieser Jude," rief Rufus, „dieser. Akiba ärgert mich zu Tode! Was ich sage, widerlegt er siegreich und der Kaiser stimmt ihm zu. Ich möchte mir den Tod geben! Es vergebt kein Tag, an welchen! er mich nicht auf das Tiefste beschämt"*). „„Ich will Dich von ihm befreien,"" sagte Rufina. „Du?„ fragte erstaunt ihr Gatte. „„Höre mich an, Rufus. Mau sagt, daß ich schön sei, schöner als Andere meines Geschlechts. Das Volk der Juden ist nicht unenipfänglich für Frauenschönheit, und selbst int Alter noch tritt bei ihnen häufig die Leidenschaft zu Tage. Angethan mit meinem schönsten Schmucke werde ich mich zu diesem Rabbi begeben, werde sein altes Herz in Flammen setzen, die uni so verzehrender sein werden, je dürrer der Stamm, an welchem sie emporzüngeln. Ich will nicht Rufina heißen, wenn es mir nicht gelingen wird, den Alten zu einem vollständig verliebten Narren zu machen, so daß er Alles thut, was ich mit süßem Lächeln oder unter heißen Thränen von ihm erlange. So werde ich ihn zu Thatcn verführen, die ihn lächerlich machen vor den Augen des Kaisers, der Römer und seines eigenen Volkes' dann wird er unschädlich sein, und Du wirst über ihn triumphireu."" „Das möchte Dir doch bei diesem Manne schwer gelingen. Er ist ein Weiser, ein Philosoph und tugendhaft gar sehr." *> Oiebarint 50a. 3,icf)c den ('.oramtiuav des Nabbenu Mssim. „„Gab es einen weiseren Mann, einen größeren Philosophen, als Aristoteles? Einst hatte sein Schüler, der junge Alexander, ein Verhältniß angeknüpft mit einer schönen Äthenerin. Aristoteles machte seinem Schüler bittere Vorwürfe und suchte ihn seiner schönen Freundin zu entfremden. Da klagte es Alexander der Hetäre. Diese aber tröstete den Freund und sprach: Laß mich nur machen, ich werde bewirken, daß dein weiser weherer anderes Lünnes wird. — Sie suchte den Weisen von Stagyra auf und blickte ihn an mit verzehrender Glnth. Anfangs verhielt sich der große Philosoph abwehrend; bald aber gelang es ihr, sein kaltes Herz zu entflammen. Er scherzte und koste mit ihr, bis sie das Verlangen stellte, auf seinem Rücken zu reiten. Und siehe da, sie wußte ihren Willen durchzusetzen. Der große Philosoph ließ sich auf alte Viere nieder und trug gleich einem Lastthicre das verführerische Mädchen durch das Gemach, während sie mit einen! Stückchen den größten Weisen aller Zeiten zu immer rascherer Gangart antrieb. Ta kam Alexander herbei und sah zu seinem Erstaunen, wie sein weiser Lehrer zum Narren eines Weibes geworden. Aristoteles war tief beschämt und wagte es nicht mehr, das Liebespaar zu trennen."" „In der That, das ist eine heitere Geschichte! Freilich, weiser als Aristoteles ist kein Mensch auf Erden. So versuche Dein Glück und mache diesen tugendhaften Rabbi lächerlich vor der ganzen Welt." Rabbi Akiba war allein, als die schöne 'Gemahlin des Statthalters reich geschmückt zu ihm iu's Ziinmer trat. Rabbi Akiba sah sie an, tiefe Trauer umflorte seinen Blick, Thränen entstürzten seinen Augen. „„Bist Du der große ^Rabbi der Juden?"" fragte Rufina betroffen, „„sprich, warum weinst Du'?"" „Ich weine," sprach Rabbi Akiba, „weil ein so schönes Geschöpf wie Du, den Zweck seines Lebens verfehlt. Siehe, als ein Meisterwerk bist Du hervorgegangen ans der Hand des Schöpfers. An Dir hat der allmächtige Gott gezeigt, wie viel Schönheit Er aus einem Nichts zu bilden vermag, und dieses Meisterwerk Gottes lebt ein Leben voll Eitelkeit und Tand. Dereinst wird kommen der Tag, da diese j Schönheit verschwinden wird. Dann wird der! Glanz dieser Augen erloschen sein, die edle Gestalt I wird verfallen, ein Raub der Flaunueu oder ein z Fraß der Würmer werden. Und Deine unsterbliche! Seele wird hinabsahren in den Abgrund der Hölle,; ewigen Qualen preisgegebeu, denn'Du thust nichts ' während Deines Lebens, dein Zwecke der Schöpfung j zu genügen, um bester, weiser und vollkommener zu werden."