Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 22 (1881)
- Issue
- Heft 40-41 (5.10.1881)
- Date
- 1881-10-05
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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1013 r zunächst 1000 Rubel, setzte dann zu ihrer Unterstützung eine Summe von 75 R. pro Tag ein und versorgte sie obenein mit Naturalien. Das empörte die Bauern auf's Heftigste und sie suchten sich in der üblichen Weise der Brandstiftung an dem Grafen zu rächen. Eine diesem gehörige Zuckerfabrik wurde angezündet, zwei Flügel derselben brannten ab und das verursachte einen Schaden von 80,000 R., während das Hauptgebäude und das Wohnhaus gerettet wurden. Als man das letztere bei der Ankunft des Grafen genau untersuchte, entdeckte man eine Mine, die drei Pfund Dynamit enthielt. Petersburg. Das Central - Comittz der Alliance Israölite Universelle hat ein Rundschreiben an diejenigen Judengemeinden in Rußland, welche unter Verfolgungen gelitten haben, gesendet, worin es heißt, daß es vorbereitet sei, der Auswanderung von Juden nach Amerika Vorschub zu leisten. Die Auswanderer müssen im Alter von 18 bis 38 Jahren stehen, gesund, kräftig und fleißige Handwerker sein. Die Alliance will deren Reisekosten (250 Francs für Erwachsene und 150 Francs für Kinder) nach New-Aork oder anderen Städten in den Vereinigten Staaten bestreiten. Nach ihrer Ankunft auf amerikanischem Boden soll den neuen Ankömmlingen weitere Hilfe zn Theil werden. Jeder Familie werden in den Vereinigten Staaten etwa 23 Hectaren Land überwiesen werden. Der Auswanderungsplan der Alliance ist in kleinem Maßstabe, da das Comit6 bis jetzt nur Vorkehrungen für die Absendung von 200 Personen getroffen hat. In New-Aork sind indeß Einwände selbst gegen diese beschränkte Anzahl erhoben worden, da bereits viele Hunderte von jüdischen Familien aus Rußland, von allen Mitteln gänzlich enblößt, angekommen sind. 194 jüdische Flüchtlinge aus Rußland verließen jüngst Brody (Galizien) mit der Absicht, sich nach Amerika zu begeben. Seitdem haben 50 russische Juden Antwerpen verlassen und 15 sich in Bremen ebenfalls eingeschifft. Petersburg. Wie die Petersburger „Nowoja Wremja" versichert, hat es sich jetzt herausgestellt, daß bei den meisten Judenkrawallen in Südrußland die Polizei aktiv als Provokateur, Unruhestifter und Plünderer betheiligt war. In Folge dessen hat das russische Justizministerium eine Reihe Untersuchungen angeordnet, welche nun geradezu unglaubliche Resultate zu Tage fördern. Einige dieser Untersuchungen ergaben, daß die Polizeibeamten in mehreren Orten den Pöbel persönlich zum Angriff gegen die Juden und zum Zerstören und Plündern des jüdischen Hab und Gutes aufforderten. Erst als das Militär eingeschritten war, verschwanden die Polizisten aus den Reihen der Excedenten, deren Anführer sie bis dahin gewesen. Feuilleton. U k i ö a. XXXXI. Wiederum waren Rabbi Akiba und Tinius Rufus vor dem Kaiser erschienen, der erstere als Vertheidiger, der letztere als Ankläger der Juden. „Es gibt kein Volk der Erde," nahm Tinius Rufus das Wort, „welches so unduldsam ist wie die Juden. Ein jedes Volk verehrt seine Götter und lächelt wohl über den Götzendienst der anderen Völker, der ihm als Aberglauben erscheint. Die Juden aber hassen die anderen Götter und lehren, daß ihr Gott den Götzendienst hasse. Der Gott der Juden haßt die Römer, die Griechen, die Aegypter, die Parier und alle Geschlechter der Erde, weil sie andere Götter anbeten außer ihm"*). „„Wie kannst Du Dich."" fragte der Kaiser, „„gegen diesen schwerwiegenden Vorwurf vertheidigen, Judäer?"" „Gestatte mir," sprach Rabbi Akiba, „daß ich Dir einen Traum erzähle, der mich in voriger Nacht beunruhigt hat. Ein Freund schenkte mir, so kam es mir vor in meinem Traume, einen Hund und eine Hündin, den Hund nannte ich Rufus und die Hündin Rusina." Tinius Rufus wurde bei diesen Worten des Rabbi dunkelroth vor Zorn, während Hadrian unmäßig lachte. „„Elender Jude"", rief der Statthalter von Judäa, „„Du verdienst zu Tode gepeitscht zu werden. Selbst in Deinen Träumen zeigt sich Dein böser, aufrührischer Geist. Wie kannst Du Dich erfrechen, meinen Namen und den meiner Gemahlin Deinen Hunden zu geben!"" „Und das verdrießt Dich so sehr!" rief Rabbi Akiba. „Ist denn ein so großer Unterschied zwischen Dir und einem Hunde? Du issest und trinkest, und der Hund ißt und trinkt; Du schläfst und der Hund schläft; Du stirbst und der Hund stirbt. Und trotzdem zürnest Du, weil ich in meinem Traume einen Hund mit Deinem Namen benannt habe! Und der Heilige, gelobt sei Er, der da die Himmel ausgespannt und die Erde gegründet, der Ewiglebende, der Unendliche, sollte nicht zürnen, wenn thörichte ‘) Midrasch Tanchuma, Paraschath Terumah.