Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 22 (1881)
- Issue
- Heft 40-41 (5.10.1881)
- Date
- 1881-10-05
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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1011 sich seit längerer Zeit zur Aufgabe gemacht haben, auch hier die verschiedenen Volksklassen aneinander zu Hetzen und aufzureizen, können bereits mit Befriedigung auf ihre Thätigkeit zurückblicken, denn die Judenhetze ist nun auch bei uns in vollem Gange. Bereits am 11. d. Mts. sah die Polizeiverwaltung sich veranlaßt, die friedliebenden Bürger öffentlich aufznfordern, sie bei der Unterdrückung der Anfreizungen zu Gewaltthätigkeiten gegen die Juden und namentlich der Bekämpfung der Abends stattfindenden Ausschreitungen zu unterstützen, auf die W 125, 126 und 50 des Str.-G.-B. aufmerksam zu machen und die Schließung der Lokale um 10 Uhr Abends, sowie das Fortbleiben der Gesellen, Lehrlinge rc. von der Straße um 9 Uhr Abends ab anzuordnen. Nachdem bald darauf wegen Ausschreitungen gegen die Juden ein Schuhmachergeselle verhaftet werden mußte, ist in vergangener Wocke das Haus eines jüdischen Fleischcrmcisters in gemeiner Weise beschmutzt und mit blauer Kreide daran geschrieben worden: „Hepp, hepp, Juden heraus nach Palästina, Roßschlächterei n. s. w" Außerdem war diesem Fleischer noch ein mit Schmutz gefülltes Rinder- Eingeweide vor die Thüre gehängt. Man ist den Thätern auf der Spur und einer derselben ist bereits aus Anordnung des Amtsgerichts gefänglich eingezogen. In der Nacht vom '20. zum 21. sind nun in der Stadt Plakate ausgestreut worden, in denen die Bürgerschaft ausgefordert wird, ,,die Juden Ul verfolgen, sie zu schlagen und von den Faulenzern und Stänkern nichts zu kaufen, da sie sich ja nur von dem Schweiße der Christen mästen; dann werden sie von selbst nach Palästina gehen." Aehnliche Plakate sind an verschiedene jüdische Kaufleute adressirt worden. Diese werden zur Auswanderung nach Palästina aufgefordert, widrigenfalls es ihnen hier nicht gut ergehen würde, auch wird der Bürgermeister darin aufgefordert, ihnen voranzureiten. Schirrhofen (Elsaß), 21. Sept. Eine höchst seltene Feier fand heute dahier statt. Die isr. Gemeinde, welche bisher keinen eignen Friedhof besaß, weihte ihren neuerbauten Begräbnißplatz ein. An der Feier nahmen die höchsten Behörden Theil, Banguier Schwartz als Vertreter des isr. Eonsistoriums von Straßburg, ferner Herr Scheidt, Präsident der isr. Gemeinde von Hagenau und noch viele Herren aus allen Eonfessionen; ebenso verdient die Betheilignng der christlichen Bevölkerung aus den naheliegenden Ortschaften besonders erwähnt zu werden. Ans dem Friedhofe wurden, nachdem die üblichen Psalmen citirt worden waren, von den Herren Ober- Rabbiner Aron aus Straßburg und Rabbiner Simon Levi von hier Reden gehalten, welche allgemeinen Beifall ernteten, so daß die ganze Versammlung von den inhaltsreichen und der Feier entsprechenden Worten gerührt war. Oesterr. - Ungar. Monarchie. Pesth, 28. Sept. Ministerpräsident Tisza empfing gestern als Minister des Innern eine Deputation der Inden-Gemeinde Paszta und erwiederte auf die Ansprache des Führers derselben: „Die unangenehme Nachricht hat mich tief ergriffen; ich werde sofort die strengsten Maßregeln ergreifen; seien Sie ruhig." Hierauf reichte der Minister den einzelnen Mitgliedern der Deputation die Hand und entließ dieselben. Der „Pesti Naplo" veröffentlicht einen Brief aus Paszta über die dortigen Judenhetzeu, welchen! wir Folgendes entnehmen: Am Ostersonntag erschienen Plakate, welche die Juden zur Auswanderung und die Bürger zur Riedermetzelnng der Juden auffordcrten. Der Vorstand der Judengemcinde erstattete dem Stuhlrichter hierüber eine Anzeige; derselbe antwortete: ich kann nichts thnn. Hierauf petitionirte die Jndengemeinde beim Ministerium des Innern, welches durch den Vicegespan sofort eine Untersuchung anordnete; allein die Untersuchung, welche der Stuhlrichter Ladislaus Horvath leitete, eonsratirte blos eine „unschuldige Hetze", einige Gassenjungen hätten Plakate verbreitet. Vor einiger Zeit wurde vor den Häusern zweier anständiger Bürger um Mitternacht ein fürchterliches Gebrülle veränsialtet; andern Tages erfolgte die Anzeige beim Stuhlrichter, der ein Protokoll hierüber ausnahm. Vor zehn Tagen füllte der Stuhlrichter den Bescheid, daß er kein Urtheil schöpfen könne; es liege lediglich eine Ehrenbeleidigung vor, die ihn nichts angehe. In derselben Nacht eiferte der Stationschef Moriz Kövary gegen die Juden. Drei Tage später übergoß der Notar Franz Fiezek einen Juden Namens Berthold Keszler mit siedendem Thee und schimpfte dabei auf die Juden. Die Mitglieder der Judengerueinde verhielten sich trotzdem still und vermieden jeden Zusammenstoß. Allein jetzt ist die höchste Zeit, etwas zu thun, denn für die Nacht des jüdischen „Versöhnungstages", der binnen Kurzem ekntritt, soll eine allgemeine Metzelei geplant sein. Ein Herr Adorjahn Plathy zog Freitag, von Gassenjungen begleitet, singend durch die Straßen und rief, man müsse den Juden den Feiertag verderben." Plathy postirte sich dem jüdischen Tempel gegenüber und schrie: Hepp! Hepp! sang Jstoczn-Lieder, beschimpfte die Juden in jeder erdenklichen Weise und störte ihren Gottesdienst. Die jüngeren Juden antworteten ihm, und als Plathy einen Wagen bestieg, um sie niederzufahren, saßten sie ihn und prügelten ihn fürchterlich. Plathy ging heim, lud drei Gewehre, und bestieg wieder den Wagen. Ihm nach lief die