Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 22 (1881)
- Issue
- Heft 40-41 (5.10.1881)
- Date
- 1881-10-05
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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1008 len; es will sie vielmehr in den Schranken halten, die der Allerheilige für das Hell nnd das Glück der Menschen angemessen erachtet. Das ist der Zweck nnd das Ziel des Bnndes, den Gott mit nnseren Vorältern geschlossen, nnd deßhalb vollziehen wir die Beschneidnng, nm selbst das Meisterwerk der Schöpfung, um des Menschen hohe Gaben zu entwickeln und zur Vollendung zu bringen. Du fragst, o Rnfus, ob wir das Werk Gottes verbessern wollen? Gewiß wollen wir das; aber wir thun es im Sinne und im Geiste und nach dem Willen des allmächtigen, allweisen Gottes." „„Du hast,"" sagte der Kaiser, „„Euren Gebrauch, den mir Tinins Rufns als einen thörichten und abergläubischen dargestellt hatte, sehr gut erklärt und vertheidigt. Von heute an soll das Verbot der Beschneidnng aufgehoben sein."" „Ich danke Dir, erhabener Kaiser," sagte Rabbi Akiba. „Füge Deiner Gnade auch noch die andere hinzu, daß Du uns gestattest, den Sabbat zu heiligen." „„Warum,"" fragte Rufns, „„feiert Ihr gerade den siebenten Tag der Woche? Könnt Ihr nicht eben so gut jeden andern Tag feiern?""*) „Warum," fragte Rabbi Akiba dagegen, „hat der Kaiser den Tinins Rufns zum Statthalter von Palästina eingesetzt? Hätte er nicht ebensogut jeden andern Mann zum Statthalter einsetzen können?" „„Mich wollte der Kaiser vor allen andern Männern ehren."" „Und den siebenten Tag der Woche wollte der König aller Könige, gelobt sei Er, vor allen andern ehren." „„Wenn Gott den siebenten Tag wirklich ehren wollte, so sollte er ihn auch vor den andern Wochentagen auszeichneu. Aber es fällt der Regen nnd der Than am Sabbat wie an den andern Wochentagen; es weht der Wind, Menschen werden geboren und Menschen sterben am Sabbat wie an den andern Wochentagen."" „Als Gott," antwortete Rabbi Akiba, „unsere Voreltern von der egyptischen Sclaverei befreite und sie, um Israel zum Gottesvolke zu erziehen, durch die Wüste wandern ließ vierzig Jahre lang, da versorgte er sie mit Speise und Trank in jenen Gegenden, in welcher es weder Aussaat noch Ernte gibt. Und Er ließ ihnen das Manna vom Himmel hernnterregnen in jeder Woche an sechs Tagen. Am sechsten Tage gab Gott ihnen für zwei Tage Brod. Da hat er den siebenten Tag ausgezeichnet, so daß die Israeliten nicht nöthig hatten, am Sabbat das Manna zu sammeln." „„Was kümmern mich,"" sagte Tinins Rufus, „„Eure Erzählungen, von Dingen, die schon vor vielen Jahrhunderten sich ereignet haben sollen, wie kannst Du mich von der Wahrheit derselben überzeugen? Kannst Du mir glaubwürdige Menschen stellen, die es gesehen und miterlebt haben? Schweige mir von längstvergangenen Dingen und gib mir Beweise, die ich selbst zu prüfen vermag."" „In Indien," antwortete Rabbi Akiba, „gibt es einen Fluß, Sambattion heißt er; dieser wälzt sein Wasser mit ungeheurer Gewalt, mächtiges Gestein vor sich hertreibend, sechs Tage lang; aber am siebenten ruht er; da kräuselt keine Welle, da wälzt sich kein Stein in seinem Bette. Den Fluß Sambattion hat Gott als Zeichen eingesetzt, daß der siebente Wochentag, ein Tag der Ruhe ist." „„Du bist klug,"" antwortete Rnfus, „„daß Du Dein Zeugniß in die Ferne rückst! Sollen wir etwa hingehen und in Indien den Fluß Sambattion suchen? Wenn Du nns nicht in der Nähe einen Beweis für Deine Behauptung beibringft, so müssen wir die Feier des Sabbats für einen schädlichen Aberglauben erklären, der das Volk von der Arbeit zurückhält und zum Müsstggange verleitet."" Da betete Rabbi Akiba in seinem Herzen: „Allmächtiger Gott, der Du so oft schon Wunder gethan Deinen Frommen, zeige auch uns Deine Allgewalt, damit dieser Böfewicht beschämt werde!" Und er sprach: „Befindet sich doch das Grab Deines Vaters, o Rufns, hier in Antiochia. Dein Vater hat jetzt den Lohn seiner üblen Thaten auf Erden in der jenseitigen Welt zu empfangen. Während der sechs Tage der Woche haben die Verdammten die Onalen der Hölle zu erleiden; aber am Sabbat dürfen sie ruhen. Schicke hin und laß das Grab Deines Vaters beobachten. Sechs Tage lang steigt Rauch ans demselben hervor; aber am siebenten Tag darf selbst Dein Vater ausruhen von den Qualen der Hölle, und kein Ranch steigt aus seinem Grabe auf." Da schickte der Kaiser hin und ließ jenes Grab beobachten, und es geschah also, wie Rabbi Akiba es gesagt hatte. Da ließ Hadrian auch die Gesetze gegen die Sabbatfeier aufheben. Tinins Rnfus aber war tief beschämt. (Siehe die Fortsetzung in der ersten Beilage.) Hierzu sechs Beilagen. DM- Unsrer heutigen Nummer liegt ein Prospekt des „Hamadrich" von Herrn Bez.-Rabb. Abraham Singer in V. Palota bei, woraus wir unsre geehrten Leser aufmerksam zu machen uns erlauben. *) Midrasch Tanchuma, Paraschath Ki Sissa. Verantwortliche Redaction: Dr. Lehmann in Mainz. — Verlag und Expedition des „Israelit" große Bleiche 4L. I. Gottsleben's Buchdruckerei (Mainzer Anzeiger).