Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 22 (1881)
- Issue
- Heft 40-41 (5.10.1881)
- Date
- 1881-10-05
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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1006 Landes, sondern auf Ausbeutung der Stammeinwohner, besonders der ärmeren Klassen der Bevölkerung richteten, wodurch sie eben von Seiten der letzteren Proteste hervorriefen, die sich in so bedauerlicher Form und Gewalthätigkeiten äußerten. Nachdem die Regierung die vorgefallenen Cxcessen und Eigenmächtigkeiten energisch unterdrückt und die Juden gegen Gewalthätigkeiten zu schützen gesucht hat, findet sie es nicht weniger für geboten, unverweilt nachdrückliche Maßnahmen zu ergreifen, um die zwischen Juden und Stammeinwvhnern bestehenden abnormen Verhältnisse zu beseitigen und die Bevölkerung vor der schädlichen Thätigkeit der Juden zu wahren, die nach den lokalen Berichten die Unruhen Hervorriesen. In Folge meines allernnterthänigsten Vortrages und um die allergenaueste Kenntniß über die ökonomische Thätigkeit' der Juden zu erlangen, da eine Zusammenstellung solcher Daten, deren allseitige Beleuchtung an Ort und stelle, wie Vorschläge zu Maßregeln zur Inschutznahme der Majorität der Bevölkerung vor dem ihr durch Inden verursachten Schaden nicht nur sehr wünschenswerth wäre, sondern auch der Regierung zugleich als reichhaltiges Material dienen würde, geruhte Se. Majestät der Kaiser am 22. d. M. Allerhöchst zu befehlen, in dem Ihrer Verwaltung anvertrauten Gouvernement, wo die Juden einen bedeutenden Proeentsatz der Bevölkerung bilden, für die Judenfrage unter Ihrem Präsidium eine lokale Commission bestehend aus Repräsentanten verschiedener Stände und Corvorationen, unter Zulassung von Inden, eiilznberusen, der es obliegen soll, Gutachten und Vorschläge zu formuliren und dem Ministerium vorzulegen, hauptsächlich über folgende Fragen: _ 1) Welche Seiten der ökonomischen Thätigkeit der Juden wirken besonders schädlich ans das Leben der Stammbevölkerung der betreffenden Oertlichkeit? 2) Welche Hindernisse stören in der Praxis die strikte Anwendung der bestehenden Gesetze für Inden in Betreff von Ankauf und Pacht von Ländereien, Spiritusausschank und Wucher? 3) Welche Aenderungen der bestehenden Verordnungen, Aushebung oder Ergänzung wären geboten, um das Umgehen der Gesetze seitens der Juden zu verhindern, und welche legislative und administrative Maßregeln wären zu ergreifen, um den schädlichen Einfluß der Juden in denjenigen Zweigen der ökonomischen Thätigkeit zu paralhsiren, aus welche die Commisson hindenten wird. 4) Bei Vorlage der ansgearbeiteten Vorschläge gleichzeitig über Folgendes zu reseriren a. lieber das Procentverhältuiß der Juden zu den Christen in den Städten, Flecken und Dörfern, b. lieber die Schauklokale, die von Juden persönlich oder sictiv durch Christen gehalten werden, o. lieber die Zahl der christlichen Dienstboten bei Juden oder der Gehilfen im Geschäfte, d. lieber den Umfang der von Inden gekünsten und gepachteten Ländereien, und 6. über die Zahl der jüdischen Grundbesitzer. Indem ich Sie von obigem Allerhöchsten Willen in Kenntniß setze, erachte ich es für nöthig, noch daraus hinzuweisen, daß oben bezeichnetes Programm welches diejenigen Momente enthält, deren genaue Kenntniß zn wünschen wäre, durchaus nicht die Commission in ihrer Thätigkeit beengen darf, sondern je nach den lokalen Bedürfnissen in der Weise erweitert werden kann, wie es Ew. Cxcellenz und die Commissionsmitglieder für zweckmäßig erachten werden, sonach können außer oben angeführten Fragen auch alle anderen Momente, die irgend wie ans die örtlichen Lebensbedingnngen und die Thätigkeit der Inden Bezug haben, mit in den Kreis ihrer Berathungen gezogen und dem Ministerium unterbreitet werden. Zur Einreichung obiger Berichterstattung iß eine zweimonatliche Frist festgesetzt. (Man sieht, daß dieses Circular bemüht ist, alle Schuld der jüngsten traurigen Ereignisse ans die Juden zu wälzen; wenn schon von oben her ein solcher Ton angeschlagen wird, wie gehässig werden da die Berichte'der Connniffionen lauten! Glücklicher Weise ist Aussicht vorhanden, daß mit der Entfernung des Grasen Jgnatieff ailch in Bezug ans die Juden andere Bahnen eingeschlagen werden.) Feuilleton. Ukilia. xxxx. Kaiser Hadrian hatte nach dem Tode seines Lieblings Antinous den Bitten seiner Gemahlin nachgegebeu und den Prätor Lucius Aurelins Berus als Sohn adoptirt. nber nicht er war dazu bestimmt den Purpur der Cäsaren zu tragen, erst sein sohn, der ibin viele Jahre später geboren wurde, Marcus Aurelius, mit den Beinamen Antoninus, sollte das römische Weltreich beherrschen, und auch in die Geschicke des jüdischen Volkes tief eingreifen, wie wir noch später erzählen werden. Der Aufenthalt in Aegypten war bem Kaiser durch den Tod seines Lieblings verleidet worden; er begab sich nach Antiochia. Hier erschien vor ihm Tinius Nufus, der Statthalter von Palästina, um seinen kaiserlichen Herrn zu begrüßen. Zu gleicher Zeit wurde von den Juden eine Deputation, an deren Spitze Rabbi Akiba stand, au den Kaiser geschickt, um sich über die unerträglichen Verfolgungen und Bedrückungen zu beklagen.