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Der Israelit · 1881-10-05 · Heft 40-41 (5.10.1881) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
22 (1881)
Issue
Heft 40-41 (5.10.1881)
Date
1881-10-05
Page
– (sequence 3)
Language
German
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1003 Mucken und sich dadurch in Gefahr bringen kann, so heißt es auch im Talmud Babli Abodah Sarah f. 12 b: „Es soll Niemand ans Strömen und Teichen direkt mit dem Munde oder durch Vermittlung nur einer Hand trinken; er könnte sonst in Gefahr gerathen, eine Alnkah (Blutegel) zu verschlingen, was sein Leben gefährden würde." — lieber einen derartigen Fall berichtet der Kommnnalarzt Tr. Brünnich in Seestadt (Böhmen): „Der Ziegeldecker E. litt seit einiger Zeit an cigenthümlichen Magenbeschwerden, er klagte über Appetitlosigkeit, 'Magendrücken, 'Nagen, ja „sogar Fressen", wie sich der Patient ansdrückte, und oft fühlte er, daß sich im Magen etwas bewege. Bei der ärztlichen Eonsultation gab er ferner an, daß er zn Pfingsten dieses Jahres schon die ersten Symptome verspürt habe, nachdem er einigemale Flilßwasser ohne Ellas getrunken hatte. Diese Symptome steigerten sich besonders nach dem Eisen; blos nach Genuß von 'Milch war Alles beruhigt. Ich gab ihm ein Brechmittel; nach .'NF Stunden stellte sich Erbrechen ein und zum Schrecken und znr Frendc des Patienten sah er eine Eidechse, , (Zentimeter lang, vor sich liegen, welche noch zwei As drei Minuten lebte. Als ich selbe erhielt, war das Thier schon todt. Ter Patient befindet sich seitdem wohl." Ddainz, den 4. Detober. Herr Polizeipräsident von Wnrmb zu Wiesbaden war von einem Herrn Eckart-Fon Id wegen Beleidigung verklagt u'orden, weil er diesen als „jüdischen Wucherer und Halsabschneider" bezeichnet hatte. Herr von Wurmb wurde sreigesprochen, da das Gericht annahm, daß derselbe nur berechtigte Interessen vertreten habe.— In der „Fransnrter Zeitung" vom 1. October wird mitgetheilt, daß Herr Eckart-Fould weder Jude ist, noch jemals war, daß er vielmehr von nrgermanischer stace stammt, wie in seinem Geburtsorte Sachsenbaitfeu männiglich bekannt sei." Bei der jetzigen Zeirströmnng ist es besonders wichtig, ans derartige \ Irrthümer aufmerksam zu machen. ' j Slolp, 29. September. Auch in der heutigen! Sitzung des Schöffengerichts wurde u. a. ein -pheilj .ehrner an den hier Anfangs dieses Monats statt- - Zchabten antisemitischen Unruhen verurtheilt. Der - Arbeiter Karl Lossin von hier, welcher sich seit dem i •>. September Abends in Haft befindet, erhielt wegen i Widerstandes gegen die Staatsgewalt, da er sich trotz i Hr dreimal erfolgten Aufforderung sowohl seitens j des Bürgermeisters Stößell als auch seitens des! Dberstlieutenants v. Krause nicht vom Marktplatz i ■üitemt und außerdem durch „Hepp! Hcpp"!-Rufen d-ioben Unfug verübt hatte, eine Strafe von! Mo-! nat Gefängniß und 14 Tage Haft. Der 'Amtsanwalt! hatte 3 Monate Gefängniß beantragt. Der Gerichts-! Hof milderte jedoch die Strafe, „da die Schuld weniger! den Angeklagten, als vielmehr die gewissenlosen Hetzer, welche den Auflauf provocirt hätten, treffe."' Bei dem Angeklagten war bei seiner Verhaftung ein mit Pulver und Zündhütchen geladenes Terzerol gefunden worden. 2 ch w e i z. St. Gallen, 23. Sept. Berslossenen Mittwoch fand die Einweihung der hiesigen, neuerbauten Synagoge statt. Herr Rabbiner Dr. Engelbert hielt die Festrede und fand nicht nur bei den jüdischen, sondern auch bei den zahlreich erschienenen nichtisrael. Zuhörern, großen Beifall. Am Schluffe der Feier fand eine Eolleete zum Besten der Unglücklichen von Elm statt, welche die erkleckliche Summe von 1265 Franken ergab. „Die hiesige isr. Gemeinde," schreib: das Tagblar: von St. Gallen, „hat hierdurch ein Zeugniß davon abgelegt, daß sie weitherzig und opferfreudig ihrer christlichen Brüder gedenkt und die Lehren ihrer Religion in einer Weise in's praktische Leben überträgt, die auch den Bekennern des christlichen Glaubens ungetheilte Sympathie abringen muß. Am Abende desselben Tages wurden bei einem Bankette gar sonderbare Toaste ausgcbracht. Herr Rabbiner Dr. Kisch ans Zürich erwarb sich'die Sympathien seiner nichtjüdischen Hörer durch begeisterte Worte über den Stifter der christlichen Religion. Wir wollen hier nicht wiederholen, was Herr Kisch nach dem Berichte des Tagblatts von st. Gallen Alles gesagt haben soll; nur das wollen wir hervorheben, daß der Berichterstatter des genannten Blattes sich unwillkürlich oft fragen mußte: „Lind das Juden oder Christen?" — Roch schlimmer trieb es Herr Dr. Gut mann, Rabbiner zu Höherem s. Er sprach gegen die alten Formen und Satzungen des Indenthums und forderte dazu auf, die talmudische Auslegung zu verwerfen, von der mosaischen Gesetzgebung üur die ewigen Wahrheiten festzuhalten, die Formen zu zerbrechen und die Schalen wegznwerfen zc. rc. schöne Rabbinen! Destcrr. - Ungar. Monarchie. Wien. In einem jener großen Spitäler, wo man so oft das Grab zerschlagenen Erdenglückes finden kann, hat vor einiger Zeit ein Leben geender, in welchem romanhaft die buntesten Gegensätze von Freude und Trauer gespielt. Der Held desselben war ein junger Franzose; er war nach einem aben- V

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