Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 22 (1881)
- Issue
- Heft 40-41 (5.10.1881)
- Date
- 1881-10-05
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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1002 Da fallt die Revolution von 1789 und proclaluirte die allgemeinen Menschenrechte: die Freiheit des Individuums und die Gleichheit aller Menschen vor dem Gesetze. Siegreich brachen sich die erhabenen Ideen Bahn und umwandelten die Völker. Zwar trat 1815 eine Reaction ein; aber sie konnte sich auf die Dauer nicht halten. 1830 1848, 1859, 1806, 18 0, das sind die Daten, welche, nach und nach vollendeten, was 1789 ist angebahut worden. Frankreich, Deutschland, Oesterreich haben die großen Ideen von 1789 zu den Grundlagen ihres Staatswescns gemacht. Die kleinen Staaten Europa's sind theils früher, thcils später dem Beispiele derselben gefolgt. Holland, Belgien, Dänemark, Norwegen und Schweden, Italien, Spanien, Portugal, die Schweiz — sie alle haben sich zu freiheitlichen Rechtsstaaten entwickelt. Zu den unterdrückten, verfolgten und beraubten Gesellschaftsklassen gehörten die Juden. Auch ihnen hat der Sieg der Ideen von 1789 die individuelle Freiheit und die Gleichheit vor dem Gesetze gebracht. Was Wunder, daß jeder Jude ein geborener Vertheidiger jener großen Gedanken ist? Diese großen Gedanken können eben so gut in einer Monarchie wie in einer Republik rcälisirt werden. Unsere heilige Religion gebietet uns Treue gegen das Vaterland und den Landesherrn; „Fürchte Gott, mein Sohn, und den König!" ruft die heilige Schrift jedem Israeliten zu. Aber innerhalb der gesetzlichen Grenzen für die Freiheit und die Gleichheit vor dem Gesetze zu streben, ist uns ebenfalls heilige Pflicht. Das Jndenthum kennt keine Rechtsungleichheit, keine Kastennnterschiedc, keine Bevorzugung einzelner Gesellschaftsklassen. Der Jude ist von Natur couservativ, ein Feind des Umsturzes und der Anarchie; Treue und Anhänglichkeit für Fürst und Vaterland sind oie Grundzüge seines Nationalcharakters; aber es wäre eine selbstmörderische Zumuthung, wenn man von ihm verlangen würde, den Ideen entgegen zu arbeiten, j die ihm eine menschenwürdige Stellung geschafft! haben. Danken wir Gott dafür, daß es uns verj gönnt ist, die freiheitliche Entwickelung der mensch-! Itcfjen Gesellschaft befördern zu helfen. Auch hierin! zeigt's sich, daß die historische Weltftellnng der Juj den der menschlichen (Gesellschaft lediglich zum Segen! gereicht. (Fortsetzung folgt.1 : Literarischer ZSericht. Von dem Prachtwerk „Palästina", herausgcgebeu von Ebers und Guthe, Druck und Verlag? von Eduard Hallberger in Stuttgart und! Leipzigs sind die 4., 5. und 6. Lieferung erschienen. Dieselben zeichnen sich wiederum durch Reichhaltigkeit des Inhalts und durch Schönheit der bildlichen Darstellungen aus. Aus dem 4. Hefte heben wir die Abbildungen und Beschreibungen der in die Felsen hineingebauten Moschee hervor, von der aus, wie die sage erzählt. Muhamed gen Himmel gefahren sein soll. Aus der merkwürdigen Inschrift iheilcn wir die nachfolgende Stelle mit: „Im Namen Gottes, des Barmherzigen, des Mitleidigen! Der Diener Gottes, Abdallah, der Befehlshaber aller Gläubigen, erbaute diesen Dom un Jahre 72 (691 nach der gewöhnlichen Zeitrechnung r Möge Gott ihn mit seinen Händen annehmen und zufrieden mit ihm sein, Amen! Es gibt keinen Gore, außer Allah! Gr hat keinen Genossen. Sprich: Gr ist der einzige Gott, der Ewige, er zeugt nicht und wurde nicht erzeugt, und Keiner ist ihm gleich. Gs gibt keinen Gott außer Allah allein. Ehre sei ihm, der keinen Sohn angenommen hat, der keinen Theilhaber haben kann in seinem Reiche, und dessen Schutz- Herr kein geringeres Wesen sein kann, als er selbst ist; verherrliche ihn! O, ihr, die ihr die „Schrift" erhalten habt, überschreitet nicht die Grenzen eurer Religion und sprechet nichts über Gott als die lautere 'Wahrheit. Gott ist nur Einer. Es gibt keinen Gott außer ihm, dem Mächtigen, dein Weisen." Diese Inschrift ist augenscheinlich gegen das Ghrisienthum gerichtet, scheint aber auch gegen die Juden, „das Volk, welches die Schrift erhalten har/' eine Mahnung ausznsprechen.^— Hier soll sich auch nach einer Sage das Grab Salomo's befinden. Auch die fünfte Lieferung enthält wundervolle Abbildungen und die entsprechenden Schilderungen. Wir beben die Beschreibung des heiligen Tempels, wie ihn Herodes, der Große, im achtzehnten Jahr, seiner Regierung erbauen ließ, hervor. Die sechste Lieferung führt uns in die Umgegend von Jerusalem. Die Steinbrüche am Damaskusthor, die Ieremiasgrotte, das .Kideronthal, der Oelberg, das Dorf Siloa, das Thal Hinnom, die Felsengräber werden dem Leser in Bild und Wort vorgeftihrk. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Mainz, den 4. October. Im Schulchau Arnch Joreh Deal) c. 116 S 4 und G Höschen Mischpat e. 427 8 9 wird vorgeschrieben, daß man bei den: Trinken aus Flüssen, Teichen rc. sehr vorsichtig sein, soll, weil man sonst leicht ein kleines Thier mitvcr-