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Der Israelit · 1881-09-28 · Heft 39 (28.9.1881) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
22 (1881)
Issue
Heft 39 (28.9.1881)
Date
1881-09-28
Page
– (sequence 18)
Language
German
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994 Karlsgymnasiums hier 771 und darunter 634 Evangelische, 73 Israeliten, 57 Katholische, 5 Methodisten und 2 Wiedertäufer. Die Zahl der Auswärtigen betrug 239. — Die Gesammtschülerzahl der K. Realanftalt betrug am Schlüsse des genannten Schuljahres 422 und darunter Evangelische 326, Israelitische 66, Katholische 27, Methodisten 2 und Menuonit 1. Die Zahl der Auswärtigen 127. — Beide höhere Lehranstalten haben hienach 139, d. i. ca. 13*77 °/0 jüdische Zöglinge. — Beim Schlußakte konnten viele Israeliten durch Prämien und Belobungen ausgezeichnet werden. — Auch unter den Ausstellern der Württemberger Landesgewerbe- Ausstellung von 1881 befand sich eine respectable Zahl israelitischer Firmen, vielen derselben hat das K. Ministerium des Innern Preise zuerkannt, bestehend in Ehrendiplomen, goldenen, silbernen und broncenen Medaillen und öffentlichen Belobungen. Auch mehrere hiesige israelitische Inhaber von Fabriken und Manufacturen wurden dabei ausgezeichnet. Diese statistischen Ergebnisse beweisen factisch, wie lügen- und boshaft die Anklagen der Antisemiten sind, welche behaupten, die Israeliten widmen sich nicht den bürgerlichen Geschäften und Gewerben. Berlin, 16. Sept. In einem von den Herren Kögel, Baur und Frommel herausgegebenen Jahrbuche, genannt „Christoterpe", hat sich jetzt auch ein preußischer General-Superintendent, Dr. Geß in Posen, über die „Judenfrage" vernehmen lassen. Er spricht sehr salbungs- und liebevoll, aber der Kern seiner Ausführung ist doch Folgendes: „Das Naturgemäße ist für die zerrissenen Glieder eines Volkes, das unter allen Völkern zerstreut, vor den Augen des Weltregenten dennoch ein Volk bleibt, das Gastrecht unter den anderen Völkern, nicht das Bürgerrecht. Weil die Juden sich fühlen und immer fühlen werden als Volk und doch sich zerstreut sehen durch alle Länder der Welt, so werden sie allezeit instinktmäßig hinarbeiten auf die Zerstörung der Eigenthümlichkeir jedes Volkes, unter welchem sie wohnen, allermeist aber auf der Völker Entchristlichung. Sie zur Betheilung an der Gesetzgebung und Regierung des Staates berechtigen, heißt ihnen zu dieser üntergrabungsarbeit die stärksten Werkzeuge liefern." Wenn das ein General-Superintendent lehrt, so darf man sich nicht wundern, daß die ihm unterstellte Geistlichkeit weitergehende Conseguenzen daraus zieht, meint die „Voss. Ztg." Breslau. Mit Vergnügen bringen wir die Nachricht, daß die langjährige renommirte Gold-, Silber- und Seiden - Kunststickerei (Specialität Synagogale Stickereien) von Isidor u. Rosalie Reiter in Breslau, Unterbär Nr. 1 für ihre hervorragende und kunstvolle Leistungenaufder Breslauer u.Colberger Gewerbe- und Industrie-Ausstellung, mit Medaillen preisgekrönt wurde. Danzig, 13. Sept. Die Strafkammer des hiesigen Landgerichts verhandelte gestern, wie die „D. Z." schreibt, einen Preßprozeß wegen Beleidigung des Fürsten Bismarck. In einem der Klausner'schen Korrespondenz entnommenen Leitartikel hatte die „Danziger Volkszeitung" am 21. Februar d. I. die bekannte Affaire Bismarck-Camphansen im Herrenhause, die Judenhetze rc. besprochen. Ju den Ausführungen dieses Artikels, die sich auf Urtheile des Reichskanzlers über Camphausen's Thätigkeit und auf die Stellung des Fürsten Bismarck zur antisemitischen Bewegung bezogen, erblickte die königliche Staatsanwaltschaft eine Beleidigung des Reichskanzlers und erhob deshalb, nachdem der Kanzler den Strafantrag gestellt hatte, gegen den Redakteur der genannten Zeitung, Hrn. Franz Haarbrücker, Anklage. In dem gestrigen Verhandlungstermine beantragte der Vertreter der Staatsanwaltschaft eine Gefängnißstrafe von 3 Monaten. Der Gerichtshof verurtheilte Herrn Haarbrücker zu 6 Wochen Gefängnis;, indem er die Beleidigung für eine ziemlich schwerwiegende erachtete. Rußland. Aus Petersburg schreibt man uns: In den 50er Jahren stiftete der damalige erbliche Ehrenbürger I. Günzbur g ein Legat im Betrage von 10,000 Rubel, aus dessen Zinsen alljährlich jüdischen Colonisten, die sich in ihren Landarbeiten auszeichnen, eine Prämie ausgezahlt werden soll. Nun wurde aber, auf allerhöchsten Befehl vom 2. Juni 1856, die Zahlung dieser Prämien sistirt und das qu. Capital, das seitdem ein Theil der Specialmittel des Ackerbaudepartements bildet, ward in Folge der hinzugekommenen Zinsen bedeutend vergrößert. Jetzt soll nun dieses Legat, wie die „Nowosti" erfahren haben, eine andere Bestimmung erhalten, nämlich zur Errichtung einer Centralackerbauschule, verbunden mir einer Landwirthschaftsfarm, allwo den jüdischen Colonistenkindern der Ackerbau sowohl theoretisch als auch practisch gelehrt werden soll. Dieses Institut soll in einer der jüdischen Colonien im Gouvernem. Chersson errichtet werden. Die Initiative in dieser Angelegenheit ergriff der Herr Baron H. Günzburg (der Sohn des verewigten Spenders), welcher es, und zwar mit vollem Rechte, ganz rationell findet, das erwähnte Legat auf diese Weise zur ersprießlichen Verwendung zu bringen. Ist doch die s. Z. von der Regierung unternommene „Umwandlung" der Handel-

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