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Der Israelit · 1881-09-28 · Heft 39 (28.9.1881) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
22 (1881)
Issue
Heft 39 (28.9.1881)
Date
1881-09-28
Page
– (sequence 10)
Language
German
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986 abhängt. Wir wollen aber nicht verfehlen zu bemerken, daß in den Vereinigten Staaten eine gewisse Rücksichtnahme auf den Sabbat in Uebung ist,* indem die Volksschulen auch am Sabbat geschlossen sind, ohne daß das Judenthum das Ehristenthum verdrängt hat. Die andern schauerlichen Dinge, daß Inden die christliche Geistlichkeit zu Synagogeneinweihungen einladen, daß auf einem christlichen Friedhof ein jüdischer Abgeordneter gesprochen hat, daß Juden Christen in ihren Diensten haben, daß jüdische Aerzte Christen behandeln — übergehen wir für's Erste. Der Einfluß der Juden müsse also beseitigt, namentlich müßten die Universitäten vor denselben geschützt werden. „Allerdings müsse die Möglichkeit bleiben, daß begabte Juden durch wissenschaftliche Leistungen dem deutschen Volke den Dank abstatteten, den die Inden ihm für das gewährte gastliche Wohnen schuldig seien." Welch' ein Edelmuth, den Inden, nachdem ihnen alle Rechte genommen sind, — denn das soll ja in erster Linie angestrebt werden — zu gestatten, ihre wissenschaftliche Befähigung in den Dienst des Staates zu stellen zum Dank für ihnen gewährte Luft und Licht, welche außerdem durch eine fette Steuer die so sehr zum Dank verpflichteten Juden zu vergüten nicht ermangeln werden. Edler Plath! traurig, daß Du ein Spätgeborener bist; waren das doch noch schöne Zeiten, als man die Juden in die Ghetti's gepfercht hatte und man noch einen in Silber ausgesprochenen Dank beanspruchen durfte für die Gnade, die man ihnen erwies, des Kaisers Kammerknechte sein und sich mit der gelben Kokarde schmücken zu dürfen! Warum lebte Herr Plath nicht auch in jenen gemüthlichen Zeiten? Doch genug vom Herrn Referenten; wir haben noch dem Cörrcferate und der Resolution einigeAufmerksamkeit zu schenken, und das soll im nächsten Artikel geschehen. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. f Wiesbaden, im August. Bei der jüngsten Preisbewerbung erhielt von 81 Königl. Baumeistern Herr Emil Seligmann aus Cöln a. Rh. den von der Königl. Käiserl. deutschen Regierung ausgeschriebenen Preis von Mk. 1800. — Herr Seligmann wird im Aufträge der Königl. Regierung eine Studienreise nach Italien unternehmen. 21. 21. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Wien. Dem Jahresbericht des Vereines zur Unterstützung armer kranker Israeliten in Wien (zweite Verwaltungsperiode 1880) entnehmen wir: Mit vieler Befriedigung constatirt der Vereins- Vorstand in erster Linie die unter unseren Glaubensgenossen allerseits rege Theilnahme und Opferwilligkeit für diesen Verein und seine humane Tendenz so zwar, daß sich dessen Mitgliederzahl im abgelaufenen Jahre ansehnlich vermehrte und seine Einkünfte aus den ordentlichen Jahresbeiträgen um nahezu 1200 fl. — Zunahmen, also fast verdoppelten, sowie auch die Einnahmen an freiwilligen Spenden der Vereinsmitglieder und ungenannt sein wollenden Wohlthäter, im Vergleiche zu den diesbezüglichen Revenüen im ersten Vercinsjahre, ein ansehnliches Plus ausweisen. Wiewohl die Einnahmen des Vereines auf allen Gebieten eine reichliche Erhöhung gegenüber dem ersten Jahre seines Bestehens erfuhren, befindet sich der Vereinsvorstand dennoch in der traurigen Lage, inclusive der crstjährigen Mehrausgabe ein Gesammtdefizit von fl. 1061.71 constatiren zu müssen; und es hätte die Frage, weshalb es die Cassa-Leitung nicht verstand zwischen Einnahmen und Ausgaben des Vereines richtig Maß zu halten, scheinbar Berechtigung. Doch ist hiebei zu bedenken, daß es im hiesigen allg. Krankenhause soviel und so dringend der Hilfe bedürftiges Elend unter unseren Glaubensgenossen gibt, daß wir Folien füllen könnten, wollten wir es versuchen, eingehend zu schildern, in welcher Form und wie häufig an unseren Verein die unabweisliche Pflicht herantritt, zu helfen. Oder wäre es mit dem humanen Ziele unseres Vereines irgendwie vereinbar, wäre es nicht beschämend für uns, wenn wir solchen Glaubensgenossen unsere Hilfe entziehen wollten, welche krank und elend darniederliegend lieber zu Grunde gehen wollen, ehe sie unrituell zubereitete Spitals-Kost genießen wollten? Dies konnten wir bei aller Erwägung der financiellen Lage des Vereines nicht, und wir mußten gerechten, unabweislichen Anforderungen entsprechen. Wir bitten alle Mitglieder des Vereins diesem von reinster Nächstenliebe getragenen Werke ihr Wohlwollen nicht nur auch ferner zu erhalten, sondern dem Vereine ihre Anerkennung auch darin zu Theil werden zu lassen, daß jeder Einzelne von ihnen durch Fürsprache in seinem Kreise zur Stärkung desselben beitrage.

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