Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 22 (1881)
- Issue
- Heft 39 (28.9.1881)
- Date
- 1881-09-28
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2446951-2447850-2447886--18031-2474058- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
984 Hofstaat umgeben, die Propheten und heiligen Väter aus den verschiedenen Tempeln des Nilthals zu empfangen, sich von ihnen als Sohn des Sonnengottes huldigen ju lassen und sie, so wie die von ihnen gehütete Religion, seiner Gnade zu versichern. Ihrer Bäte, die Tempel der Himmlischen, denen sie dienten, durch seinen Besuch zu weiyen und zu beglücken, schenkte er Gewährung. Dann überreichte der Oberpriester von Memphis das kostbare mit Gold und Edelsteinen ausgelegte Kästchen, welches das Ehrengeschenk enthielt. Hadrian nahm es gütig entgegen und freute sich der reichen Gabe. Da plötzlich stürzte Mastor in die Halle. Sein Haar war zerzaust, auf seinem Antlitze lagen Angst und Schrecken. „Cäsar," rief er, „Dein Antinous „„Was ist, was ist?"" fragte der Kaiser voll Angst. „Er hat sich den Tod gegeben." Da sprang der Kaiser vom Throne, riß den Purpur von seiner Schulter und zerfetzte ihn und lief wie wahnsinnig in der Halle umher. Das Kästchen ergriff er und schleuderte es mit übermenschlicher Kraft durch das Fenster in das Meer, welches die Lochias umbrauste. Ein furchtbarer Sturm hatte sich erhoben, der die Wellen vor sich herpeitschte; sie trugen das Kästchen bis an das Ufer von Jaffa zu den Füßen der römischen Matrone Paulla Veturia. Eine Nacht und die Hälfte eines Tages war nach dem Tode des Bithyniers vergangen. Boote und Schiffe aus allen Theilen des Gaues hatten sich vor Besä zusammengefunden, um nach der Leiche des ertrunkenen Jünglings zu suchen, die Ufer wimmelten von Menschen; Pechpfannen und Fackeln auf dem Strome und dem Lande hatten in der Nacht den Glanz des Mondes mit ihrem Lichte verdunkelt; aber noch war es rächt gelungen, den schönen Leichnam zu finden. Ohne zu essen und zu trinken brütete der Kaiser vor sich hin. Ein Heer von Menschen drängte sich nach der Lochias, aber er hatte streng befohlen, Keinen, auch nicht seine Gattin, zu ihm zu lassen. Der Trost der Thränen war ihm versagt, aber der Schmerz schnürte ihm das Herz zusammen, umdüsterte seinen Geist und machte ihn so empfindlich, daß jede Stimme eines Bekannten, wenn er sie auch nur von fern hörte, ihn beunruhigte und in Zorn versetzte. Er blickte starr in's Leere und murmelte vor sich hin: „Die ganze Menschheit soll mit mir klagen!" Bei diesen Worten erhob er sich und sagte fest und entschieden: „Jetzt strecke ich die Hand aus, und Ihr Himmlischen hört mich: Jede Stadt im Reiche soll Antinous einen Altar errichten: Den Freund, den Ihr mir raubtet, geb ich Euch nun zum Gefährten. Nehmt ihn freundlich auf, Ihr unsterblichen Leiter der Welt! Wer von Euch darf sich rühmen, schöner u sein, als er war? und wer von Euch hätte mir o viel Güte und Treue erwiesen als Euer neuer Genosse?" Dieses Gelübde schien Hadrian wohlgethan zu haben. Mit festem Schritte ging er wohl eine halbe Stunde auf und nieder. Dann befahl er, den Geheimschreiber Heliodor zu rufen. Der Grieche brachte zu Papier, was sein Herr ihm diktirte. Es war nicht Geringeres, als daß die Welt von nun an in Antinous einen neuen Gott zu verehren habe. Dem Gegenstände der widernatürlichen Lüste des Kaisers sollten Tempel errichtet, sollten Opfer dargebracht werden, zu ihm sollte die geknechtete und thörichte Menschheit ihre Gebete emporsenden! Und so geschah es in der That. Die ersten Künstler des Reiches wetteiferten in der Herstellung der Antinous-Bilder, die in den neuerbauten Antinous-Tempeln aufgestellt wurden. Einige Wochen nach den erzählten Ereignissen genas Rabbi Akiba von seiner schweren Krankheit. Er beeilte sich, zu Paulla Veturia zu gehen, und seine Schuld zu bezahlen. „Verzeihe," sprach er, „daß ich den Verfalltag nicht eingehalten; schwere Krankheit hatte mich aufs Lager geworfen." Bei diesen Worten ließ er durch zwei seiner Schüler die schuldige Summe ihr überreichen. Sie aber wies das Geld zurück und sprach: „Dies Geld gehört Dir, Dein Bürge hat bereits Deine Schuld bezahlt." Und sie erzählte ihm Alles, was sich ereignet hatte*). (Fortsetzung folgt.) *) Nedarim 50 a. nach Raschi; siehe auch Rabbenu Nissim und Rabbenu Ascher zur Stelle. Hierzu drei Beilagen. BeramworUiche RÄnretion: Dr. Lehmann in Mainz. — Verlag uno Expedition des »Israelit" große Bleiche 45. Z. GottSleben'S Buchdrucker« (Mainzer Anzeiger).