Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 22 (1881)
- Issue
- Heft 39 (28.9.1881)
- Date
- 1881-09-28
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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978 mächtige Fluthen, Er möge segnen, behüten rc. unsren Herrn den Kaiser (König, Großherzog rc.). Es liegt die Frage nahe, warum in diesem Gebete erwähnt wird, daß Gott einen Weg durch das Meer und einen Pfad durch die mächtigen Fluthen führt; dieser Hinweis scheint gar nicht hierher zu! gehören, und es könnten ganz andere Attribute der j göttlichen Allmacht hier angeführt werden. Bei genauerer Prüfung ergibt sich jedoch, daß dieser Passus wohlweislich ist gewählt worden. — Beim jüngsten Kriege Deutschlands gegen Frankreich haben wir ■ deutsche Juden zu Gott um den Sieg der deutschen Waffen gefleht; die französischen Juden haben in ihren Synagogen in heißer Andacht von Gott Erfolge für die französischen Heere erbeten. Achnliche Gegensätze finden sich bei den Seefahrern. Die nach Westen segeln, beten um Westwind; die nach Osten steuern, flehen zu Gott, daß der Wind von Osten her wehe. Und Gott in seiner Allmacht und Weisheit fügt es, daß Allen geholfen wird. Sende du nur dein Gebet zu Ihm. empor, dem Allmächtigen. Er, der trotz entgegengesetzter Wünsche den Weg führt durch das gewaltige Meer und den Pfad durch die mächtigen Fluthen, Er wird auch die Völker führen durch die Wogen der Weltereigniffe seinen großen weisen Plänen gemäß. Ja, wir Juden sind Sein Volk, dazu bestimmt, die Völker über die kleinlichen Vorurtheile der Stammesangehörigkeit hinwegzuführen und die Abgeschlossenheit und Feindseligkeit der Nationen gegen einander zu brechen, die feindlichen Brüder miteinander zu versöhnen und das hohe Ziel zu erstreben, daß die ganze Menschheit einer großen Familie gleiche, die in Gott ihren gemeinsamen Vater erkenne, verehre und liebe. Das ist die historische Weltstellung der Juden. Das Ziel ist ein überaus großes und scheint noch in weiter Ferne zu liegen. Noch stehen die Völker sich feindlich und mißtrauisch gegenüber. Die großen Heere, welche die Nationen ständig unter den Waffen halten, beweisen nur zu deutlich, wie sehr ein Volk dem anderen mißtraut. Bis zur Erreichung jenes erhabenen Zieles sind die deutschen Juden Deutsche, die französischen Juden Franzosen, die englischen Juden Engländer, und so fort, mit Leib und Seele bereit, für das Vaterland Gut und Blut zu opfern, für sein Wohlergehen zu leben und zu sterben. Selbst in jenen Ländern, in welchen unsre Glaubensgenossen noch immer die volle Gleichstellung nicht erlangt haben, stehen sie in Bezug auf Vaterlandsliebe Niemandem nach. Wir werden uns auch nicht beirren lassen durch das Geschrei der Judenfeinde und werden unter göttlichem Beistände getreue Söhne unsres Vaterlandes bleiben, mag man uns noch so sehr und noch so oft als Fremde be- , zeichnen. Wir wandeln mit froher Zuversicht die Wege, welche die göttliche Vorsehung uns vorzeichnet. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Correfpondenzen. Deutschland. Carlsruhe, 22. Sept. Die feierliche Einweihung der neuen Synagoge der orthodoxen israelitischen Religionsgesellschaft fand gestern Abend 1/aB Uhr statt. Die neue Synagoge in der Karl-Friedrichstraße, die nach den Entwürfen des Herrn Architekten Ziegler vom Maurermeister Gerhard erbaut wurde, ist von einfacher, aber überaus prächtiger Schönheit. In Frührenaissanccstil erbaut, gewährt das Innere derselben einen imposanten Anblick. Ein fein gearbeiteter Plafond mit Oberlicht, dessen prächtige Glasmalereien vom Glasmaler Herrn Drinneberg angesertigt sind, vervollständigt den guten Eindruck, den die ganze Synagoge nmcht. Zu erwähnen ist noch der rothsammetne Vorhang mit einer ausgezeichneten Goldstickerei, die geschmackvoll ausgeführten Gaslüstres von Herrn Installateur Metzger und das hübsche Geländer rings um die Gallerte von Herrn Schlossermeister Hammer. Die Einweihung selbst war eine äußerst feierliche, die Festpredigt hielt der Rabbiner, Herr Dr. Goitein. Der Einweihung wohnte eine große Anzahl eingeladener Gäste bei. 8. Frankfurt <*♦ M., 23. Sept. Gestellt Abend fand in der Synagoge der israel. Religions- Gesellschaft die Einweihung des neuen ssnp” :~x statt. Durch freiwillige Spenden seitens der Mitglieder der Religionsgesellschast ist dieselbe in den Besitz eines 'pn gelangt, welcher als imposantes Kunstwerk die Bewunderung Aller erregt. Derselbe ist ans weißem Marmor und von so seiner Arbeit, daß er sicherlich zu den schönsten seiner Art gezählt werden kann. Die Feierlichkeit war erhebend. Mit dem Gesänge w'v ns wurde sie eingeleitet und begrüßt von dem Gesang «an ina, trugen Mitglieder der Verwaltung, worunter auch solche, t die früher derselben angehört haben, die schön geschmückten nso min in die in allen Räumen gefüllte Synagoge. Nach einem einmaligen Umgänge um den Almemor wurde unter den üblichen Gesängen die □’-'ed „eingehoben", und Herr Rabb. pirsch 'nj bestieg die Kanzel, um die Festrede zu-halten. An den bereits vorher recitirten Ps. 132 ^knüpfend, lenkte der Redner die Aufmerksamkeit der Zuhörer auf 30 Jahre zurück, wie unter schwierigen Umständen die Reli-