Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 22 (1881)
- Issue
- Heft 38 (21.9.1881)
- Date
- 1881-09-21
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
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967 juden! Gehens in die Stadt hinein und kaufens dort billige Hühner, wenn Ihnen meine zu theuer sein!" Das kronprinzliche Paar lachte natürlich hell auf bei dieser Aeußerung der Bäuerin. Endlich sagte der Kronprinz zur Bäuerin: „Gut, gut! Sein's nur nicht so ärgerlich! Bringend die Hühner in die Villa Swoboda, dort werden Sie den verlangten Preis erhalten!" Als die Bäuerin das Wort „Pilla Swoboda hörte, welche bekanntlich der Aufenthalts- I ort des kronprinzlichen Paares ist, ging ihr erst ein Licht auf, rnit wem sie es zu thun habe. Sie stammelte zitternd eine Entschuldigung, daß sie das kronprinzliche Paar als Juden bezeichnet hatte. Doch der Kronprinz sagte lächelnd: „Machen Sie sich hierüber keine Sorgen, liebe Frau, Sie haben uns nicht beleidigt, denn Jude sein ist keine Schande." Frankreich. Paris, 31. Aug. Die neue Deputirtenkammer zählt 4 Israeliten: Bischossheim, Ferdinand Dreyfus, Alfred Nagnet und Naynal, welcher Letztere Unterstaatssekretär im Ministerium der öffentlichen Arbeiten ist. England. I London, 12. Aug. Herrn S. Jacobs, Vorstandsmitglied der „Hambro Synagogue" wurde am vergangenen Sonntag von den Mitgliedern der Gemeinde ein Anerkennungsschreiben nebst einem silbernen Becher und einer silbernen Gewürzbüchse überreicht. Die Adresse bezeugt, daß diese Anerkennung Herrn Jacobs gegeben wurde als ein Zeichen der Hochachtung für sein eifriges und energisches Wirken als Vorstandsmitglied der „Hambro Synagogue" während eines Zeitraumes der größten Schwierigkeiten, als die Synagoge in Gefahr stand, geschlossen pi werden. Er hat durch seine Thätigkeit in Verbindung mit seinen College» die Befriedigung, die Gemeinde wieder neu gekräftigt zu sehen. N u ß l a n d. Petersburg, 31. Aug. Die jüngst stattgehabten Judenverfolgungen sind der Gegenstand der Berathung einer außerordentlichen Kommission, der die Ausgabe geworden ist, die Ursachen der letzten llnruhen zu erforschen und besonders ihre Aufmerkamkeit daraus zu richten, welchen Zusammenhang dieselben mit der ökonomischen Lage des Landes laben. Feuilleton. Geschichte der Juden in Trier, v. Aus dem 15. Jahrhundert sind außer den bisherigen Angaben keinerlei Mittheilungen über die Juden im Drier'schen Lande bekannt. Man kann daraus wohl folgern, daß sie nach der Ausweisung im Jahre 1418, und der ihnen dann gestatteten Rückkehr, nicht die bisherige bedeutende Stellung wieder eingenommen haben. Dagegen scheint in der zweitgrößten Stadt des Drier'schen Landes, in Coblenz, den Juden gerade ein volles Jahrhundert, von 1418 bis 1518, der Aufenthalt gänzlich versagt gewesen zu sein. Die positiven Nachrichten über Ansiedelung von Juden in Coblenz reichen ebenfalls bis zur Zeit der Kreuzzüge zurück. H Bei der erwähnten Austreibung der Juden aus dem Erzstift Trier im Jahre 1418 theilte die Gemeinde zu Coblenz nicht nur das Schicksal der Schwestergemeinden, sondern der Erzbischof Otto v. Ziegenhcim ließ, als wenn die an den Lebenden verübte Vergewaltigung noch nicht genügt hätte, auch noch den jüdischen Friedhof vernichten. Z Hundert Jahre nach diesen an den Coblenzer Juden verübten Gräueln beabsichtigte der Churfürst Richard von Greiffenclau, kraft seiner von Kaiser Maximilian I. erhaltenen Bestätigung des Rechts, Juden im Erzstift aufzunehmen, fünf jüdischen Familien in Coblenz Niederlassung zu gewähren. Bürgermeister und Rath beschwerten sich aber über dieses Vorhaben, da auch sie die von den Juden zu erlegenden Schutzgelder der Stadt und nicht dem Churfnrsten zugewandt wissen wollten. Es gelang jedoch den churfürstlichen Räthen die Herren von Coblenz zu überzeugen, daß die Stadt selber den größten Vortheil durch die Aufnahme der Juden habe, und daß alle zu befürchtende Nachtheile ferngehalten würden, worauf sich Bügermeister und Rath dann dazu bereit finden ließen. Die Unkunde, welche die Bedingungen und Beschränkungen enthält, unter welchen den fünf Familien die Niederlassung gewährt wurde, ist für die Verhältnisse der Inden des Erzstifts Trier im 16. 1) Drisch, Geschichte der Juden von tzöln, 2. 38 n. 2. 86. — Günth er, Codex diplomat. rheno-mosellanu.s Dd. II, Nr. 212 enthält einen Revers über eine vom Erzbischos Heinricü von Trier im Jahre 1265 den Juden zu Coblenz erthcilte Dergüustigung. 2> Rheinischer Anti qua rius von Chr. v. 2tramberg. Abth. II, Bd. II, 2. 41.