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Der Israelit · 1881-09-21 · Heft 38 (21.9.1881) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
22 (1881)
Issue
Heft 38 (21.9.1881)
Date
1881-09-21
Page
– (sequence 6)
Language
German
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954 Deuts ch l a n d- Berlin, 14. Sept. Im Anschlüsse an den Orientalisten - Kongreß hielt heute die Deutsche Gesellschaft zur Erforschung Palästinas ihre General- Versammlung, wobei der von dem Vereine tiach Palästina gesendete Lieentiat Guthe über das hochinterressan'te Resultat der Ausgrabungen berichtete, welche derselbe von Mitte März bis August dieses Jahres aus dein Boden des alten Jerusalem anstellte. Es gelang ihm nämlich, im Süden der Stadt, unweit vom heutigen Heiligthume der Moslim, Spuren und bedeutende Reste der alten Stadtmauer Jerusalems und innerhalbrdeselben trefflich ansgemauerte Bassins und alte Wafferanlagen zu entdecken. Es sind dies Partien der Stadt, die schon vom Propheten Rchemias erwähnt sind. Guthe hält die Wafferbassins für die eigentliche.stelle des Siloah-Teiches, und die Mauerreste hat er ziemlich sicher als jene Stelle bestimmt, wo die Burg der Jebusiter bestand, durch deren Eroberung König David sich in Jerusalem festsetzte und von wo aus er seine Herrschaft über das Land ausbreitete. R u ß l a n d. Petersburg, 14. Sept. Ter „Regierungsbote" und der „ Kurier" theilt mit, daß in Folge der Vorstellung des Ministers des Innern über die nicht normalen Beziehungen zwischen der einheimischen Bevölkerung und den Inden in den einzelnen Gouvernements durch einen Ukas des Kaisers vom 3. September die Einsetzung einer Lokalkommission zur Berathung der Judenfrage in solchen Gouvernements, wo die Juden einen bedeutenden heil der Bevölkerung ausmachen, anbesohlen sei. Tie KomMission besteht aus den Vertretern verschiedener Zünfte und Gesellschaften unter dem Vorsitz des Gouverneurs. Dieselbe soll aus eigener Anschauung Fakta sammeln und dem Minister des Innern diejenigen Zweige ökonomischer Thätigkeit der Juden bezeichnen, welche auf die Existenz der Stammbevölkerung schädlich einwirken und innerhalb zweier Monate Vorschläge zur Abhilfe machen. Das Eircular des Ministers des Innern macht obigen Ukas den Gouverneuren von Kiew, Wilna, Eharkow, Odessa, Minsk, Mohilew und Wirebsk bekannt. Türkei. Aus Konstantirropel wird Reuter's Bureau unterm 16. d. gemeldet: Said Pascha ordnete gestern die Prüfung der Vorschläge einiger englischen und deutschen Unterthanen an, welche die Üeberweisung von Ländereien in Syrien an diejenigen Juden, die aus Rußland und Rumänien einznwandern wünschen, zum Zweck haben. Der Sultan und Said Pascha — so heißt es — begünstigen diesen Plan. Die Juden in Konstantinopel entwerfen eine Denkschrift an die Pforte, worin darauf hingewiesen wird, daß die Annahme des Projekts im Einklänge mit der von der ottomanischcn vtegierung verfolgter: traditionellen Politik religiöser Toleranz, insbesondere gegenüber den Juden, stehen würde. Feuilleton. U k i b a. XXXVIII. Es war im December des Jahres 129 der gewöhnlichen Zeitrechnung, als Kaiser Hadrian nach Alexandria zog; dortbin begleitete ihn sein ganzer Hofstaat; seine Gemahlin Sabina war ihm vorausgezogen und hatte im Cäsareum, dem prächtigen Palaste der ägyptischen Hauptstadt, Wohnung genommen. Hier waren auch die Zimmer für den Kaiser in Stand gesetzt, dessen «nkunft täglich erwartet wurde. Sabina saß ans einem großen mehr einem Bette als einem Stuhle gleichenden Ruhesitze. Ihre Füße waren tief in dem zottigen Felle eines Auerftiers vergraben und ihre herniederhängendeu Beine rings mit seidenen Federkissen umgeben. Ihr Kopf war steil in die Höhe gerichtet. Man begriff kaum, wie ihr dünner Hals ihn und die Perlenschnüre und Edelsteinketten, welche durch das hohe Gebäu ihrer blondrothen, in langen Eylindern dicht aneinander gereihten Locken geflochten waren, zu tragen vermochte. Das hagere Gesicht der Kaiserin erschien besonders klein unter der Menge des natürlichen und künstlichen Schmuckes, der ihre Stirne und ihren Scheitel bedeckte. Die völlig wimperlosen Augen erschienen trotz der dunklen Pinselstriche an ihren Rändern winzig klein. Schön war Sabina niemals gewesen, und Hadrian hatte sie nie geliebt. Er hatte sie geheirathet, weil sie die Nichte Kaiser Trazans gewesen, weil seine Gönnerin, die Kaiserin Plotina es gewünscht und weil er dadurch die Anwartschaft auf den kaiserlichen Purpur zu erlangen gehofft. Seitdem Hadrian den schönen Antinous in Bithynien aufgelesen, den er abgöttisch liebte, war das Verhältnis; zwischen den beiden Ehegatten ein sehr schlimmes geworden. Hadrian und Sabina hatten keine Kinder. Ihre ganze Liebe widmete die Kaiserin ihrem Neffen, den: Prätor Lucius Aurelius Verus. Wie einst Plotina ihrem Neffen Hadrian die Kaiserkrone verschafft hatte, so gedachte Sabina den Verus zu erheben. Dieser war ein äußerst liebenswürdiger, seingebildeter Manu; aber er war im höchsten

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