Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 22 (1881)
- Issue
- Heft 38 (21.9.1881)
- Date
- 1881-09-21
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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953 sich natürlich von einer solchen Übersiedlung goldne Berge versprechen zu können." Wir erhalten heute eine Zuschrift von Herrn Alter Winkler in Jerusalem, welche auf diese Bestrebungen ein sehr trauriges Licht wirft und wohl dazu angethan ist, zur größten Vorsicht zu mahnen. Herr Atter Winkler ist vor acht Jahren aus Galizien nach Jerusalem eingewandert und hatte ein ziemlich bedeutendes Vermögen mitgebracht. Mit einigen anderen begüterten Bewohnern der heiligen Stadt gründete er den Verein mpn nns, das Thor der Hoffnung, welcher in dem fruchtbarsten Theile des heiligen Landes, in der Nähe von Jaffa, Ländereim erkaufte, um dieselben selbst zu bebauen. Der Verein hat ein schreckliches Fiasco gemacht. Sämmtliche Mitglieder sind, nachdem sie ihr ganzes Vermögen verloren hatten, arm und elend nach Jerusalem zurückgekehrt. Des Ackerbaues unkundig, haben sie dem Boden keinen Ertrag abzugewinnen verstanden. Die ungewohnte Lebensweise, die Arbeit in der Sonnenhitze, hat ihnen schwere Krankheit zugezogen. Wilde Beduinen-Stämme haben sie überfallen, Alles geraubt und sogar die Häuser zerstört. „Und es ward uns", schreibt Herr Winkler, „das Thor der Hoffnung zum Thale der Betrübniß; krank, elend, dem Hunger preisgegeben, schweben wir zwischen dem Leben und dem Tode." Solche trübe Erfahrungen sind wohl nicht dazu angethan, zu einer Eolonisation des heiligen Landes durch jüdische Einwanderer zu ermuthigen. Noch scheint die Zeit nicht gekommen zu sein, und wir können nur dazu rathen, derartigen Bestrebungen, die ja an und für sich ganz gut und löblich sind, mit größter Vorsicht beizutreten. — Wir benützen diese Gelegenheit, die flehentliche Bitte des Herrn Alter Winkler um Unterstützung bei wohlthätigen Glaubensgenossen zu befürworten. Cßweiler bei Kaiserslautern, 4. Sept. Hr. Simon Wolf aus Amerika, Generalconsul und diplomatischer Vertreter der amerikanischen Regierung in Kairo, ist aus dem 3/i Stunden von hier gelegenen Orte Hülzweiler, gebürtig. Derselbe ist vor 32 Jahren mit seinen Ettern und Geschwistern im Alter von 11 Jahren nach Amerika ausgewandert. Die Familie war damals in kümmerlichen Verhältnissen und ist fast ganz mittellos von da weggezogen. In diesem Orte wohnten früher 10—12 jüdischen Familien, welche sämmtlich ausgewandert sind. Jetzt wohnt kein nrp mehr dort. — Am 22. v. M besuchte Herr S. Wolf feinen Geburtsort. Als er sich zu erkennen gab, wurden ihm von den dortigen Bewohnern die herzlichsten Begrüßungen zu Theil und eine freudige Stimmung herrschte seinetwegen im ganzen Orte. Er selbst war sehr gerührt, als er seinen Geburtsort wieder sah und mit Thränen in den Augen erkannte er noch viele dortige Lente aus seinen Kinderjahren. An seinem Geburtshäuschen ließ er durch den jetzigen Besitzer eine Gedenktafel mit feinem Namen als Andenken an den jetzigen Besnch anbringen. Auch besuchte er das dicht am Orte liegende nrop-i rr:, welches von der hiesigen Cultusgemeinde als Eigenthum benutzt wird. Der dortige Gesangverein brachte ihm ein Ständchen. W. ertheilte unter Bedürftige, sowie unter die Schuljugend vieles Geld. In Offenbach a. Gl. traf er mehrere ihm noch bekannte dhcp und sogar seinen Gevatter, einen alten Mann, Namens Moses Roos, den er Arm in Arm durch den Ort führte. Auch hielt er dort eine sehr schöne, gediegene Anrede an das versammelte Publikum, in welcher er besonders die jetzigen Kundgebungen der Antisemiten in Deutschland aufs Kräftigste tadelte. Auch hob er hervor, daß er im Jahre 1870 in Amerika Ehrenpäsident mehrerer Vereine gewesen und durch seine Vermittelung 30,000 Mark gesammelt sind, welche nach Deutschland für die verwundeten Krieger übersandt wurden. S. Michel, Lehrer in Eßweiler. Rumänien. Bukarest, 12. Sept. Ende voriger Woche fand sich eine Deputation moldauischer Israeliten in Bukarest ein, um bei dem Minister des Innern darüber Klage zu führen, daß von Seite niancher Präfekten auch solche israelitische Familien als Vagabunden behandelt und ans dem Lande gewiesen werden, welche schon seit Generationen hier seßhaft, eben hierdurch auch allen Anspruch auf die Anerkennung der Heimathsberechtigung erworben haben. E. A. Rosetti, welcher bezüglich der Judenfrage einen streng vertragsmäßigen und den humanen Grundsätzen unseres Jahrhunderts entsprechenden Standpunkt einnimmt, nahm die Deputation in freundlichster Weise auf und erklärte sich sofort bereit, die geigneten Maßregeln zur Abschaffung des beklagten Unrechts zu ergreifen. Zu diesem Behufe schlug er der Deputation vor, die Einsetzung von gemischten, zur Hälfte aus Juden, zur Hälfte aus Christen bestehender! Commissionen in Erwägung zu ziehen, welche in zweifelhaften Fällen die Frage der Heimathsberechtigung zu untersuchen und zu entscheiden hätten Nach längerer Berathung über diesen Vorschlag sprachen sich die Mitglieder der Deputation deßhalb gegen das ministerielle Project ans, weil ihrer Ansicht nach die jüdischen Mitglieder der gemischten Commission, welche sich gegen die Heimathsberechtigung eines Israeliten anssprechen würden, unter ihren eigenen Glaubensgenossen sozusagen des Lebens nicht 'mehr sicher wären. Anstatt dessen wurde dem Minister ein Antrag unterbreitet, die Bildung israelitischer Glaubensgemeinden zu gestatten und letztere mit der Entscheidung der Zuständigkeitsfragen zu betrauen. J