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Der Israelit · 1881-09-07 · Heft 36 (7.9.1881) · page 19

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Journal
Der Israelit
Volume
22 (1881)
Issue
Heft 36 (7.9.1881)
Date
1881-09-07
Page
– (sequence 19)
Language
German
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915 A«S Schlesien, 18. Aug. Vor einiger Zeit hatte ein Herr Winterfeld in Liegnitz und Hirschberg antisemitische Vorträge vor Handwerkern gehalten. Da sich die Kunde verbreitete, daß der konservativantisemitische Reiseapostel, dessen Vorträge unter der besonderen Protektion der konservativen Aristokratie stattfanden, Polizeibeamter in Breslau sei, so gewann seine Persönlichkeit ein größeres Interesse. Jetzt bringt nun ein Handwerker, aber ein konservativer, im „Hirschberger Boten" aktenmäßig beglaubigte Daten über den Reiseapostel, den die Konservativen Hirschbergs haben kommen lassen, damit er den goldenen Boden des Handwerks wieder aufsinde. Diese Angaben lauten: „Herr Winterfeldt war früher Registrator und ist jetzt als Hilfsarbeiter bei der Polizei mit 100 Mark monatl. Gehalt beschäftigt. Studien hat er weiter nicht gemacht, außer solchen, welche zum Bureau- und Kanzleidienste befähigen. Die ökonomische Literatur kennt er nicht. Mit den Gewerbetreibenden ist er nur soweit zusammengekommen, als seine geschäftlichen Beziehungen das nöthig machten. Am 8. April 1880 leistete er den ersten Manisestationseid. Am 15. Oktober 1880 ging er eine neue Wechselverbindlichkeit von 530 Mark gegen den Gewerbetreibenden Heinrich Gagen ein. Dieser Wechsel wurde am 17. Januar 1881 protestirt. Hierauf erfolgte Klage, vergebliche Exekution und Antrag aus Ableistung des Offcnbarungs- oder Manifestationseids, von dem mit Rücksicht auf den erst kürzlich geleisteten abgesehen wurde." Das ist, bemerkt dazu der Handwerker, der Mann, welcher sich berufen glaubt, dem Stande der Gewerbetreibenden wieder aufzuhelfen! Wer in einer so tiefen wirthschastlichen Zerrntung lebt, wie Herr Winterfeldt, der sollte sich doch um Gotteswillen nicht Andern zum Helfer aus den Nöthen darbieten! Und, ihr Gewerbetreibenden Hirschbergs, seid ihr nicht stolz darauf, was für einen Arzt uns unsere angeblichen Freunde, die Konservativen, auf den Hals i geschickt haben?" Trier. Am Sonntag, den 14. August, ver- ' starb hier eine Frau, die es verdient, in weiteren Kreisen genannt und gewürdigt zu werden. Frau i Fanny Oppenheim geb. Schloß ist es, deren Tod der tiefgebeugte Gatte, die trauernden Geschwister und die ganze Gemeinde schmerzlich beklagen. Obwohl 1 sie seit einigen Jahren leidend war, so war doch Nie-; mand auf ein so jähes Ende vorbereitet, was die Z allgemeine Theilnahme, die der schmerzliche Fall erf regte, noch erhöhte. , Die Verstorbene war eine jener jüdischen Frauen, I die leider in unsrer Zeit so selten geworden sind, Mund deren Verlust daher so schwer zu verschmerzen Mist. Was sie ihrem Gatten und ihren Geschwistern war, die ihr tiefbekümmert nachweinen, liegt außerhalb des Rahmens dieser Zeilen. Aber ihre seltene Charakterstärke, ihre echte, innige Frömmigkeit, die sie alltäglich in ihrem Gebete und besonders in den Psalmen Trost und Muth für jedes Ungemach suchen und finden ließ, ihr reger Sinn für Wohlthätigkeit, den sie durch ihre Theilnahme an allen wohlthätigen Vereinen und noch mehr durch die im Verborgenen geübten Liebeswerke bekundete, ihre aufrichtige Freude, wo sie eine Hebung und Förderung unsrer jüdischen Sache gewahrte, und ihr eben so aufrichtiger Schmerz, wo sie den Abfall von dem überkommenen Vätererbe um sich greifen sah, diese und ähnliche Tugenden waren es, welche die Verstorbene allen Denen, die ihr näher standen, so unaussprechlich theuer machten, und die eigehend zu schildern der noch so frische Schmerz nicht gestattet. An der Bahre gab Herr Rabbiner Dr. Ehrmann dem allgemeinen Schmerz durch einen Nachruf beredten Ausdrück, indem er in gedrungenen Zügen ein Lebensbild der Hingeschiedenen entwarf. — Die zahlreiche Theilnahme auch der Mitglieder der Synagogengemeinde bewies, wie die Bande treuer Freundschaft auch durch den Austritt der Verstorbenen aus der Gemeinde nichts von ihrer Innigkeit eingebüßt haben, und ist dies bei der hier noch immer herrschenden Spannung zwischen den beiden Gemeinden der schönste Beweis für die Hochachtung, welche die Verblichene von allen Seiten genoß. Köslin, 12. August. Im hiesigen „Gerneralanzeiger" liest man: „Für Alle welche Neigung haben, den Haß gegen einzelne Bevölkerungsklassen zu schüren, oder sich zu Excessen hinreißen zu lassen, bot sich heute Vormittag ein abschreckendes Bild. Es bot sich dasselbe, noch ehe an das wahrscheinlich zu einem Monstre-Prozeß anschwellende gerichtliche Verfahren gedacht werden kann, welches hier gegen die leider große Zahl von Excedenten zu erwarteu ist, die in Orten des hiesigen Gerichtsbezirkes sich zu verbrecherischen Ausschreitungen gegen die jüdischen Mitbürger verleiten ließen. Einundzwanzig Excedenten wurden unter militärischer Bedeckung aus Schivelbein hierher gebracht und ins Centralgefängniß geliefert. Wie wir vernehmen, geschah der militärische Eingriff aus Requisition des Bürgermeisters von Schivelbein, der gestern persönlich hierhergekommen sei, um bei der königlichen Regierung vorzustellen, daß die längere Gefangenhaltung der Excedenten an Ort und Stelle der Ausgangspunkt größerer Gefahren zu werden drohe, da die Befreiung derselben im Plane sei, ein Wegtransport ohne größere Machtentfaltung aber nicht möglich sei. Daraufhin ging heute Morgen um 6 Uhr ein Militär-Commando (50 Mann mit Tambour mit Pfeiffer

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