Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 22 (1881)
- Issue
- Heft 36 (7.9.1881)
- Date
- 1881-09-07
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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904 Wolkensäule, sie zu führen auf dem Wege, und in , der Nacht mit einer Feuersäule, um ihnen zu leuchten, auf daß sie ihres Weges ziehen konnten bei Tag und bei Nacht. — Dieser Volksstamm, das sind! die Juden, denen ich mich angeschlossen habe, und weil ich mich ihnen angeschloffen habe, will mich mein Oheim, der Kaiser, mit dem Tode bestrafen.! — Und wie der allmächtige Gott einst den Juden voranleuchtete, als sie vor mehr als tausend Jahren - aus Aegypten zogen, so leuchtet er ihnen noch heute! voran in jeder dunklen Nacht. Er hat sich diesem! Volke offenbart, hat ihm seine heilige Lehre gegeben und zeigt ihnen den Weg, den sie wandeln sollen bei Tag und bei Nacht. Und mit dem Tode ist das Leben des Juden nicht zu Ende, Gott hat uns ein schöneres, besseres Leben bereitet für die zukünftige Welt, für das Leben nach dem Tode. Dann gehen wir ein in Seinen heiligen Palast, wo das ewige Licht ist und die ewige Seligkeit." Die Soldaten waren von dem Gehörten tief ergriffen. „O," sprach der Anführer, „möchten doch auch wir Theil haben an dieser ewigen Seligkeit!" „„Ihr könnt's,"" sprach Aquila, „„wenn Ihr Euch gleich mir, dem Judenthum anschließt. Kehrt zurück mit mir nach Uschah; ich will Euch in mein Haus aufnehmen und Euch in der Lehre Gottes unterrichten."" Und sie kehrten mit ihm nach Uschah zurück; Aquila ward ihr Lehrer, und der Anführer und alle Soldaten ließen sich beschneiden und wurden fromme, eifrige Juden. Die Freunde Aquila's riethen ihm, zu entfliehen und sich verborgen zu halten, da voraussichtlich der Kaiser aufs Neue Befehl zu seiner Gefangennehmung geben würde. Aquila aber sprach: „Gott kann mich hier so gut wie anderswo schützen. Liegt es in seinem heiligen Rathschluß, daß der Kaiser mich tödten läßt, so werden die Häscher aus dem verborgensten Versteck mich hervorziehen. Will aber der allmächtige Gott mich schützen, so bin ich in meinem Hause zu Uschah so sicher wie in einer Felsenkluft, im unzugänglichen Gebirge." Als Hadrian erfuhr, daß die Gefangennehmung seines Neffen mißglückt und daß die mit seiner Gefangennahme betrauten Soldaten zum Judenthume übergegangen waren, kannte seine Wuth keine Grenzen. Er befahl aufs Neue, Häscher gegen Aquila auszusenden und denselben bei Todesstrafe zu verbieten, sich mit dem Gefangenen in ein Gespräch einzulassen. Tinius Rufus schärfte den Soldaten den Befehl des Kaisers ein und stellte einen seiner besten und vertrautesten Officiere an die Spitze der Expedition. Auch sie kamen bei Nacht nach Uschah, umstellten Aquilas Haus, drangen in dasselbe ein und befahlen dem aus dem Schlafe Geweckten aufzustehen, sich anzukleiden und ihnen zu folgen. Aquila that, wie ihm geheißen war. Als er die Thürschwelle seines Hauses überschritt, legte er die Hand an die Mesusah und küßte sie. „Was machst Du da?" fragte der Anführer der Soldaten. „„Ich küsse die Mesusah,"" antwortete Aquila. „Was bedeutet das?" „„Seht, jeder König weilt im Innern seines Palastes, vor seiner Thüre wachen die Wächter mit gezücktem Schwerte, um das Haupt, um das Leben des Königs zu schützen. Nicht also unser König, der König aller Könige, der ewige Gott Israels, der Heilige gelobt sei Er. Seine Diener ruhen friedlich in ihren Häusern und pflegen des stärkenden Schlafes. Er aber schläft und schlummert nicht, der Hüter Israels. Er hat befohlen, daß wir .seinen Namen schreiben an die Pforten unseres.Muses; dann schützt und behütet er uns."" „Und steht weiter Nichts als der Name Gottes in dieser Kapsel?" „„Es steht auch darin, daß wir den einzigen Gott lieben sollen mit unserem ganzen Herzen, mit unserer ganzen Seele und mit all unserem Vermögen, daß wir Seine Lehre bewahren sollen bei Tag und bei Nacht."" „Welchen Lohn gibt Euch Euer Gott dafür?" „„Er gewährt uns Seinen allmächtigen Schutz, so lange wir hier auf Erden leben, und nach dem Tode führt Er unsere unsterblichen Seelen in die wonnereichen Gefilde des ewigen Heils."" Staunend lauschten die Legionäre den Worten Aquila's. „Sei Du unser Lehrer und Führer," sagte der Hauptmann, „damit auch wir dereinst Antheil erhalten an dem ewigen Leben, welches Gott seinen Frommen verheißen." Und so geschah es, der Anführer sowohl als die Soldaten ließen sich beschneiden und traten zum Judenthume über. Kaiser Hadrian gab es auf, seinen Schwestersohn gefangen nehmen zu lassen. Von da an und weiter blieb Aquila unbehelligt. (Fortsetzung folgt.) Hierzu vier Beilagen. Verantwortliche Redaction: vr. Lehmann in Mamz. — Verlag und Expedition des „Israelit" große Bleiche 45. I. Gottsleben's Buchdruckerei (Mainzer Anzeiger).