Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 22 (1881)
- Issue
- Heft 36 (7.9.1881)
- Date
- 1881-09-07
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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899 lebhafte Debatten, an welchen sich auch die anwesenden Gäste betheiligten. Zum Schlüsse der fast vierstündigen Sitzung wurde die Versammlung durch eine erhebende Ansprache des Herrn Rabb. Bamberg er von Kissingen begrüßt, die zu fernerem einträchtigen Streben nach allseitiger Vervollkommnung ermuntert. Ein solennes Mahl vereinigte hierauf alle Theilnehmer in fröhlicher Tafelrunde, bei welcher von Anfang bis zum Schluß die gehobenste Stimmung herrschte. Ernste und heitere Reden, Toaste, Poesie und Prosa wechselten in bunter Reihe. Der erste Toast, welchen der Vorsitzende, Herr Schuldirektor Ludwig Stern aus Würzburg ausbrachte, galt unserem allverehrten König. „Dürften wir," so führte Redner aus, „schon als Bayern zu beglückwünschen sein, daß wir unter dem Scepter eines so mit allen Herrscher-Tugenden ausgezeichneten Monarchen leben, der sich insbesondere als mächtiger Förderer aller idealen Bestrebungen erweise, so müßten wir als Israeliten dieses Glück doppelt zu schätzen wissen. Während in einem Theile unsres deutschen Vaterlandes die mittelalterliche Verfolgungssucht gegen unseren Stamm sich auszubreiten drohe, erfreuten wir uns in unserem lieben Bayerlande kraft der allerhöchsten wahrhaft königlichen Gesinnung einer Ruhe und Sicherheit, um die unsere Glaubensgenossen andrer Länder uns beneiden. Bezeichnend sei es hiefür, daß in unserer Landeshauptstadt eine hervorragende gelehrte und politische Größe in bedeutungsvoller Stunde und an hervorragendem Orte inhaltsschwere und begeisterte Worte zu Gunsten unserer Glaubensgenossen konnte vernehmen lassen in der Ueberzeugung, daß sie der echte Widerhall der königlichen Gesinnungen sind. Diese Worte, die nun der Geschichte angehörten, seien sicher nach weiten Fernen gedrungen und würden edle Früchte reifen." Zündend wirkten die schönen Worte des Redners, in dessen Hoch die Anwesenden jubelnd einstimmten. Die wenigen noch übrig gebliebenen Nachmittagsstunden wurden der Besichtigung der Sehenswürdigkeiten der Stadt und deren Ümgebung gewidmet; nur zu bald schlug die Abschiedsstunde. Wirschließen mit oem Wunsche, daß der junge Verein, der die Fortbildung der Lehrer, sowie namentlich die Unterstützung hilfsbedürftiger Berufsgenossen und deren Angehörigen zum Zwecke hat, und der seit den zwei Jahren seines Bestehens schon recht ansehnliche Erfolge zu verzeichnen im Stande ist, blühen und gedeihen möge, und daß namentlich die Gemeinden, sowie Private dem edlen Zwecke, den der Verein verfolgt, ihre thatkräftige Unterstützung zuwcnden mögen. Berlin, 23. August. Die „Post" veröffentlicht einen Artikel: „Der Kanzler und die Judenhetze": „Es ist in fortschrittlichen Blättern vielfach bemerkt worden, daß Fürst Bismarck sich noch nicht über die Judenfrage geäußert habe. Nach unserer Ansicht lag dazu keine Veranlassung vor. Die amtliche Stellung des Reichskanzlers der Judenftage gegenüber ist durch Reichsgesetz vom 3. Juli 1869 definirt, welches den Genuß der bürgerlichen oder staatsbürgerlichen Rechte auch den Juden einräumt. So lange dies Gesetz in Kraft ist, kann Verleumdung allein die Behauptung aufstellen, daß die Judenhetze vom Reichskanzler gefordert werde. In jüngster Zeit hätte außerdem das Einschreiten der Regierung gegen die pommer'schen Excedenten genügen sollen, um die Verleumder zum Schweigen zu bringen; aber sie haben sich in ihrem unsauberen Handwerk nicht stören lassen und betreiben es sogar mit erneuerter Energie. Es liegt in der menschlichen Natur, für Wohlwollen wiederum Wohlwollen zurückzugeben, auf Haß und Verleumdung aber mit thatsächlichem Uebelwollen oder stiller Verachtunb zu antworten Nun mag es ein Zufall sein, aber jedenfalls ist es eine Thatsache, daß alle Bezeugungen von Vertrauen, die während der letzten Jahre ihm zugegangen sind, von christlich germanischen Elementen der Bevölkerung herrührten, während die gehässigsten Angriffe gegen seinen persönlichen Charakter aus jüdischen Quellen stoßen. In der ganzen deutschen Presse kennen wir nicht eine einzige von Inden redigirte Zeitung — und nicht allein in Deutschland, sondern auch in Oesterreich —, die nicht dem Fürsten Bismarck feindlich geaenüberstände, die nicht anscheinend mit Freuden jede Gelegenheit ergriffe, um ihn zu verdächtigen und zu kränken. Wer Wind sät, wird Sturm ernten. Die jüdische Presse, in der allein der Reichskanzler den Ausdruck der Stimmung der Juden ihm gegenüber suchen kann, hat seit Jahr und Tag auch nicht das kleinste Körnchen von Sympathie für den Mann gesät, unter dessen Ministerium die Juden überhaupt erst thatsächlich emanzipirt worden sind. Haß und Groll, Mißtrauen und Verachtung allein haben jüdische Publizisten und Redner gepflanzt, und wenn nun ein Bauin emporgewachsen ist, der bittere Früchte trägt, so haben sie allein es sich zuzu schreiben. Wenn die jüdische Presse und die jüdischen Redner aushören, den Fürsten Bismarck in seiner persönlichen Ehre anzugreifen, oder wenn die jüdische Bevölkerung endlich zu erkennen gibt, daß sie sich nicht fernerhin mit der jüdischen Börsen- und Reporterpresse identifizirt, dann wird die seit Entstehung der Bismarckhetze aufgeworfene Frage, wie Fürst Bismarck sich persönlich zur Judenhetze stelle, gar nicht mehr existiren und auf diese Weise eine befriedigende Lösung gefunden haben. Die amtliche Stellung des Reichskanzlers der Judensrage gegenüber wird aber nach wie vor durch Gesetz allein und ohne J