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Der Israelit · 1881-09-07 · Heft 36 (7.9.1881) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
22 (1881)
Issue
Heft 36 (7.9.1881)
Date
1881-09-07
Page
– (sequence 2)
Language
German
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898 soren an der Berliner Universität v. Treitschke und Adolph Wagner. Welchen Anklang gerade in gebildeten Kreisen die antisemitische Bewegung gefunden, das beweist die „Deutsche Literaturgeschichte" von Robert König, die, meistens wegen ihrer judenfeindlichen Haltung, binnen zwei Jahren 9 Auflagen erlebt hat. Da strotzt es von antisemitischen Phrasen und Unwahrheiten. — Wohl traten auch hervorragende und bedeutende Männer als Bertheidiger der Juden auf; dock hatte diese Vertheidigung fast immer einen bitteren Beigeschmack; wir erinnern nur an Professor Mommsen, der am Schluffe seiner Vertheidigung den vom modernen Geiste durchdrungenen Juden den Rath gibt — sich taufen zu lassen. So konnte es denn nicht fehlen, daß bald die niederen Leidenschaften der großen Masse erregt wurden. Männer wie Förster, Henrici, Ruppel rc. suchten die Gemüther zu erregen. Welches sind eigentlich die Ziele der Antisemiten und Judenhetzer? Die „Frankfurter Zeitung" hat vor einigen Tagen auf diese Frage eine treffende Antwort gegeben, von der wir hier Einiges reproduciren wollen: „Ihr Ziel," sagt sie, „mag es sich tausendmal national nennen, ist jeder Idee, jeder humanen Tendenz bar. Die Judenhetze richtet sich gegen die Gleichberechtigung der Bürger, gegen das Prinzip der Menschenrechte, das den Grundstein des Baues der modernen Gesellschaft bildet. Sie ist brutal nicht nur in ihren Äußerlichkeiten, sondern in ihrem Wesen, ein Auflehnen gegen das stille, aber rastlose Wirken der Cultur, gegen Recht und Vernunft. So ist sie in ihrem Kern unmoralisch und vernunftwidrig und kann, um Erfolg zu erzielen, sich lediglich an die rohesten Leidenschaften, an Glaubensfanatismus, Neid und Eigennutz wenden. Vergebens sagen die Stöcker und Genossen: So war es nicht gemeint; was wir wollen, findet sich in der bekannten Petition an den Reichskanzler, nicht die rohe Vergewaltigung der jüdischen Bürger, sondern der christliche Staat ist unser Begehr! So fragt doch mal bei den Hinterpommern an, was sie mit Steinen und Knüppeln bewaffnet hat? Sie haben weder an den jüdischen Landgerichtsrath noch an den jüdischen Gymnasial- Lehrer gedacht, sondern stürmten die jüdischen Läden, vergriffen sich an jüdischem Eigenthum oder zerstörten dasselbe. Es war die pure Bestialität, die sich in Neustettin, Polsnow und wie die Ortschaften alle heißen mögen, offenbarte und zwar eine Bestialität, die nicht etwa als Ausartung einer an sich berechtigten Bewegung angesehen werden kann, sondern als die Consequenz einer rechts- und vernunftwidrigen Hetze gelten muß. Und fast will es scheinen, als sei auch den Hetzern diese Consequenz die einzig erwünschte, denn was kann ein Ruppel Anderes wollen, wenn er in einer von Hunderten besuchten Versammlung auf die Frage, wo die Milliarden der französischen Kriegsentschädigung geblieben seien, die Antwort gibt: „Seht Euch in der Thiergartenstraße die Billen der Juden an, da sind sie!" Damit wendet sich die Agitation an die Bestie im Menschen, an die Rohheit, von der, wie ein deutscher Minister vor Jahren gesagt hat, noch immer ein großer Fond im Volke vorhanden ist, und wie diese sich bethätigt, das hat man jetzt in Pommern erlebt. Wir haben vor Monaten einmal an dieser Stelle gesagt, es fei Unrecht, eine Bewegung nach den Excessen, die sie im Gefolge hat, zu beurtheilen, denn auch die edelsten und segensreichsten seien davon nicht frei gewesen, aber wir fügten gleich hinzu, die Judenhetze sei als eine Auflehnung gegen Recht und Vernunft an sich unmoralisch und verwerflich und könne darum nur Böses gebären. Brutalitäten und Verbrechen in ihrem Gefolge find darum nicht etwas Zufälliges, sondern ergeben sich mit logischer Nothwendigkeit aus ihrer Natur. Der Pöbel faßt den Begriff des „christlichen Staates" gar nicht, er denkt nur an den jüdischen Besitz; auf diesen stürzt er sich und glaubt damit das, was man ihm als Judenfrage bezeichnet hat, gelöst zu haben." Da also die Judenhetze jeder Idee und jeder humanen Tendenz bar ist, so müssen wir annehmen, daß der allgütige Gott sie deßhalb zuläßt, damit wir an unsre Ohnmacht erinnert werden und stets beherzigen den Ausspruch der heiligen Schrift: „Und du sollst erkennen, daß der Ewige, dein Gott, der allmächtige Gott ist, der Gott der Treue, der da bewahrt den Bund und die Gnade denen, die ihn lieben und die seine Gebote halten bis zum tausendsten Geschlecht." (5. B. M. Cap. 7, V! 9.) (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Correfpondenzen. Deutschland. Kisstngen, 17. Aug. Heute tagte dahier der isr. Lehrerverein für die drei fränkische Kreise Bayerns zu seiner zweiten ordentlichen Generalversammlung, welche trotz ungünstigster Witterung verhältnißmäßig zahlreich besucht war. Auch eine Anzahl Ehrengäste, darunter solche von bedeutendem Ruf, ehrten durch ihre Anwesenheit die Versammlung. Nach Erledigung des geschäftlichen Theiles wurden mehrere Vorträge gehalten, theils die gesetzliche Stellung der bayr. isr. Religionsschulen und deren Lehrer, theils pädagogische Fragen über Ertheilung des Religionsunterrichts betreffend, daran knüpften sich eingehende,

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