Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 22 (1881)
- Issue
- Heft 36 (7.9.1881)
- Date
- 1881-09-07
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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XXH. Jahrgang. 3«. Der Israelit. Ein Central-Organ für das orthodoxe Judenthum. Herausgegeben von Dr. Lehmann in Mainz. Mittwoch, den 7. September 5641 (1881). Diese Zeitung erscheint wöchentlich einmal, Mittwochs, in mindestens 2 Bogen. Preis des Jahrgangs 18 Reichs-Mark. Man abonnirr ganziährig, halbjährig oder vierteljährig. Alle Buchhandlrmgen und Postämter nehmen Bestellungen an. — Inserate 25 Pfennige die dreigespaltene Petitzeile oder deren Raum. — ^österreichische Banknoten laut Cours. — Directe Francozusendung unter Ltreisband pro Jahrgang 12 Reichs-Mark oder 7 fl. österr. an die Expedition franco einzusenden. Inhalt. Leitender Artikel: Die historische Weltstellung der Inden. — Zeitungsnachrichten und Eorrespondenzen: Deutschland: Kissingen. Berlin. Berlin. Berlin. Reuenburg. — Rußland. — Feuilleton: Akiba. Inhalt der ersten Beilage: Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Mergentheim. Berlin. Köln. Feuilleton: Geschichte der Juden in Trier. Inhalt der zweiten Beilage: Zeitungsnachrichten und Correspondenze«: Deutschland: Würzburg. Berlin. Berlin. Berlin. Ans Lchlesien. Trier. Köslin. Köslin. Frankfurt a. M. Inhalt der dritten Beilage: Zeitungsnachrichten und Correspondenzen: Deutschland: Aus LÜddeutschland. Berlin. — Frankreich: Paris. — Leitender Artikel. Pie historische Wellstestung der Juden. V. Mja i nz, 31. August. „Nicht weil Ihr zahlreicher seid als alle Völker, hat der Ewige, Euer Gott, Wohlgesallcn an Euch gefunden und Euch erwählt. Denn Ihr seid an der Zahl die geringsten unter allen Völkern." (5. B. M. Eap. 7, V. 7.) Es liegt in den weisen Plänen der göttlichen Weltlenkung, daß Israel niemalZ.,ein großes, mächtißeL^chLMlchendes Volk hat werdell^ürftN7"'Die Größe, Macht und Herrschaft hätten die idealen Güter, welche Israel anstreben soll, mit Vernichtung bedroht. Nicht auf eigene Macht dürfen die Bekenner des einzigen Gottes vertrauen; sie müssen vielmehr stets und immer Hilfe, Beistand, Schutz einzig und allein von Ihm erwarten. Israel hat keinen größeren Feind als den Wahn, daß es selbständig für sich bestehen und des göttlichen Beistandes entrathen könne. Dieser Wahn war in jüngster Zeit in unsrer Mitte stark und mächtig geworden. Man glaubte, das Mittelalter sei überwunden. Man pochte auf sein Recht und hielt es für unmöglich, daß in unsrer vorgeschrittenen Zeit eine Verfolgung aus religiöser Unduldsamkeit oder gar aus Racenhaß zu Tage treten könnte. Man glaubte, daß diese finsteren Gespenster nur noch bei Nationen auf niederer Eulturstufe ihr Unwesen zu treiben vermöchten. Da geschah das Unglaubliche. Den Reigen eröffnete ein hervorragender Künstler, ein genialer Meister der Musik, der berühmte, angebetete Richard Wagner. Von ganz entgegengesetzter Seite erhielt er bald Succurs; der Demokrat Wilhelm Marr ließ seine Brandschriften gegen Inden und Judenthum los; nun fing auch die gesummte ultramontane Presse an, in das Horn des Judenhasses und der Judenhetze zu stoßen; sie suchte eben für ihre Leiden im Kulturkämpfe einen Prügeljungen. Die Lorbeeren der Ultramontanen ließen die protestantischen Pietisten nicht schlafen; ein neuer Apostel des Judenhasses und der Judenhetze trat in dem Hofprediger Stöcker auf, um den sich die große Menge seiner Glaubens¬ und Gesinnungsgenossen schaarte. Wie groß dieser Anhang ist, das hat dieser Tage die in Berlin abgehaltene Augustconferenz bewiesen. Auch die deutsche Wissenschaft, sonst so stolz auf ihr objectives Forschen und Denken, hat ihre Vertreter in den Reihen der Hetzer und Verfolger; wir nennen nur die Profef-