Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 22 (1881)
- Issue
- Heft 35 (31.8.1881)
- Date
- 1881-08-31
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/2446951-2447850-2447883--17950-2473974- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
878 Es trauert um den großenfTodten eine dankbare Gemeinde, eine 91jährige Wittwe (2. Ehe, vor 75 Jahre geschlossen), 6 Töchter und Schwiegersöhne und nahe an 120 Enkel und Urenkel Adolf Schön, Hauptschullehrer. England. London. Dem Parlament ist der Schriftwechsel über die Ausweisung des Herrn Lewisohn aus St. Petersburg vorgelegt worden. Derselbe deckt einen Zeitraum von acht Monaten, scheint aber noch keinen Abschluß gefunden zu haben. Die Schriftstücke beginnen mit einer Zuschrift des Herrn Lewisohn an Lord Granville, worin er die näheren Umstände seines Besuches in Rußland im vorigen Sommer und seiner summarischen Ausweisung aus der Hauptstadt mittheilt. Der Minister für auswärtige Angelegenheiten setzte sich hierauf mit der britischen Botschaft in St. Petersburg in Verbindung, erbat sich Information über den Gegenstand und unterbreitete schließlich der russischen Regierung ein Gesuch des Herrn Lewisohn, daß ihm gestattet werden möge, Rußland auf's Reue zu besuchen, um gewisse wichtige Geschäfte erledigen zu können. Dieses Gesuch wurde seitens des St. Petersburger Polizei- Departements abschläglich beschieden. Lord Granville holte sodann von dein legalen Rathgeber der britischen Botschaft in St. Petersburg ein Gutachten über die auf russische und ausländische Juden anwendbaren Gesetze ein und informirte nach Erwägung aller der Umstände des Falles den britischen Geschäftsträger in St. Petersburg, daß, soweit der britischen Regierung bekannt sei, Herr Lewisohn sich keinerlei Verletzung irgend eines Gesetzes oder einer polizeilichen Vorschrift schuldig gemacht zu haben scheine, welche seine Ausweisung rechtfertigen würde, Mr. Wyndham ward demgemäß instruirt, „die Ausmerksamkeit der russischen Negierung auf diese Angelegenheit zu lenken und sich von derselben eine Erklärung über eine augenscheinliche Verletzung der Ihrer Majestät gewährleisteten Vertragsrechte zu erbitten." Er wurde gleichzeitig angewiesen, sich mit den Vertretern Oesterreichs, Frankreichs und Amerikas über den Gegenstand in Verbindung zu setzen, da dieselben mit ähnlichen Fällen in Rußland zu thnn hätten. Damit endet der Schriftwechsel. Feuilleton. K K i K a. XXXV. Seit dem Beginne unsrer Erzählung war mehr als ein halbes Jahrhundert verflossen. Rahcl, die Gemahlin Rabbi Akiba's, war alt und schwach ge-! worden, während ihr Gatte, trotz seines hohen Alters, noch in frischer Jugendkraft blühte. Rahel fühlte, daß der Zeitpunkt ihrer Auflösung herangekommen und nahm Abschied von dem geliebten Gatten, ihm für all die Liebe dankend, die er ihr erwiesen. Sanft entschlummerte sie, beweint; und betrauert von ihrem Manne und ihren Kindern! und von ganz Israel. Rabbi Akiba sprach an ihrem! Grabe und wandte auf sie die Worte der heiligen Schrift an: , „Macht und Herrlichkeit war ihr Gewand, und sie schaute lächelnd dem letzten Tage entgegen; „Ihren Mund öffnete sie mit Weisheit, und eine Lehre der Liebe war auf ihrer Zunge; „Fürsorglich waltete sie für ihr Haus, und Brod der Trägheit aß sie nicht. „Run stehen auf ihre Söhne und preisen sie glücklich, ihr Gatte, und rühmet sie: „Viele Tochter haben Großes vollbracht, Du aber hast sie alle übertroffen. „Lüge ist die Anmuth und eitel die Schönheit, ein gottesfürchtiges Weib, das mag sich rühmen. „Gebet ihr von der Frucht ihrer Hände, und es mögen sie rühmen ihre Thaten! —" Noch war die Wunde, die der Tod der geliebten Gattin ihm geschlagen, nicht vernarbt, als neues Leid über Rabbi Akiba hereinbrach. Rabbi Schimeon, sein zweiter Sohn, der einer der größten Lehrer in Israel geworden war, erkrankte. Langsam verzehrte das Gift der Krankheit den Körper; aber der Geist blieb unberührt und unerschüttert. Rabbi Schimeon ben Rabbi Akiba hörte nicht aus zu lernen und zu lehren bis zu seinem letzten Athemzuge*). Als er gestorben war, kam ganz Israel, um Rabbi Akiba zu trösten. „Meine Freunde," sprach Rabbi Akiba zu ihnen, „Ihr seid von allen Enden des heiligen Landes und der angrenzenden Provinzen herbeigeströmt, um mir Trost zu spenden in meinem schweren Leid; der Ackersmann hat seinen Acker, der Handwerker seine Werkstätte, der Gelehrte sein Lchrhaus verlassen, um dem theueren Verstorbenen und mir Ehre zu erweisen. Wer bin ich, daß ich so viel Ehre verdiene? Wie viele Akiba ben Joseph gibt cs aus der Gasse! Aber die große Ehre gilt nicht mir, sondern der Lehre unseres Gottes, die zu vertreten und zu erklären ich so glücklich bin. So kehret denn zum Frieden in Eure Heimath zurück!" Es ist kaum zu beschreiben, wie sehr Rabbi Akiba geachtet, geehrt und geliebt wurde. Einst wurden einige seiner Schüler von Räubern angefallen, geraubt und geplündert. Als aber die Räuber er- ) rif”t r:v>nf Jj 5.