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Der Israelit · 1881-08-31 · Heft 35 (31.8.1881) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
22 (1881)
Issue
Heft 35 (31.8.1881)
Date
1881-08-31
Page
– (sequence 4)
Language
German
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876 gedenken wir der Zeiten, wo man es sich zur Ehre schätzte, einem armen Mann, einer armen Frau oder einer ganzen Familie — nach althergebrachter jüd. Sitte — nicht nur eine runo, sondern auch mH muoi in'rw dd'd ,.ivH geben zu können. Doch, wie in allen Dingen, so hat auch hierin die verderbliche Reform- und Neuerungssucht so manche, die Privatnpis beeinträchtigende Umgestaltungen geschaffen. Weiteres s. G. w. in einigen andern Artikeln.*) M. Rosen Wald, Iserlohn. Ntogasen, 22. Aug. Unsere sonst so friedliche Stadt war, wie der „Pos. Ztg." geschrieben wird, in den jüngsten Tagen in großer Aufregung. Nachdem schon seit langer Zeit durch die seitens eines Lehrers kzur Verkeilung gekommene antisemitische „Patriotische Zeitung" ein wenn auch nur kleiner Theil unserer Einwohnerschaft in eine aufgeregte Stimmung gegen die Juden versetzt worden war, erschien Freitag früh an einer Straßenecke ein großes Plakat, welches wie folgt lautet; „Aufruf!! zur Judenhetze auf Sonntag, den 21. Aug. 1881, Abends 9 Uhr, und 2. September 1881, Abends 9 Uhr. Signal: Feuer in der Judengasse, Hepp, Hcpp!" — Selbstverständlich erregte dieses Plakat hier einige Aufregung, doch ging unsere Polizeiverwaltung der Sache sofort energisch zu Leibe. Am Sonnabend schon ermähnte dieselbe durch Plakate an allen Straßenecken die Bevölkerung zur Ruhe und machte auf die sogenannten Aufruhrparagraphen, unter Wiedergabe derselben, aufmerksam. Auf Antrag unseres Bürgermeisters beorderte der Landraht v. Nathusius in Obornik mehrere Gendarmen aus dem Kreise hierher und traf gestern Abend selbst hier ein, um, wenn nöthig, persönlich einschreiten zu können. Diesen Vorsichtsmaßregeln ist es zu danken, daß gestern Abend, trotzdem eine große Menschenmenge sich auf den Straßen bewegte, die größte Ruhe herrschte. Dieses entschiedene Vorgehen seitens der Polizeiverwaltung wird auch einen großen moralischen Eindruck Hervorbringen, indem so Mancher von der verkehrten Ansicht, zu welcher er von den Hetzern verleitet worden ist, als wenn die Regierung das Vorgehen gegen die Juden billige, vollständig kurirt sein dürste. Jastrow, 26. Aug. Nachdem die großen Unruhen, die auch in unserer Stadt ausgebrochen waren, so ziemlich beigelegt sind, erzeugte ein unheimlich klingendes Gerücht, welcher letzten Dienstag die Anm. der Red.: Wir sind mit Obigem nicht einverstan-! den. Ordentlichen Armen ist es lieber, wenn sie nicht von Thüre j zu Thüre gehen müssen. Uebrigens ist Letzteres auch polizeilich! verboten. Schon deshalb ist die Errichtung derartiger Vereine > eine Nothw endigkeit. > Stadt Wie ein Lauffeuer durcheilte, eine neue schlimme Aufregung Das Dienstmädchen des hiesigen Hotelbesitzers I. wurde Montag gegen Mittag mit einer Bestellung fortgeschickt, war aber nicht zurückgekehrt, und blieb auch über Nacht verschwunden. Dienstag kam das Mädchen in großer Aufregung zu seinem Dienstherrn und erzählte, der jüdische Kaufmann L. habe sie Montag mit in seine Wohnung gelockt, sie die Nacht über in einer Kammer eingesperrt gehalten und ihr mit einem großen Messer gedroht, er wolle ihr den Hals abschneiden. Dann habe sie schwören müssen, daß sie nichts erzählen würde, und sei jetzt erst entlassen morden. Auf Anordnung der Polizei führte nun ein Gendarm das Mädchen durch sämmtliche Wohnräume des Herrn L. und die Dirne war so frech, irgend einen Bretterverschlag als ihr Gefängniß zu bezeichnen. Am Mittwoch (es war hier Jahrmarkt) kam eine Bäuerin aus dem eine Meile von Jastrow entfernten Dorfe Flederborn zu dem hiesigen ev. Cantor Herrn Z. und fragte denselben, ob seine Tochter gestern gut nach Hause gekommen sei. Herr Z. verstand die Frage nicht, bald aber brachte er dieses mit dem in der Stadt verbreiteten Gerüchte in.Verbindung. Das Dienstmädchen und die Frau wurden polizeilich vernommen und letztere brachte Folgendes zur Aussage: Dieses Mädchen sei Montag nach Flederborn gekommen, habe dort angegeben, sie sei die Tochter des- Cantor Z. aus Jastrow, man möchte sie über Nacht behalten, was auch geschah. - Da ärztlicherseits vorläufig festgestellt ist, daß das Mädchen bei Verstand ist, so ist die Untersuchung bereits eingeleitet und es wird sich nun ergeben, aus welchem Antriebe die Angeklagte also handelte. Uebrigens ist die Aufregung unter dem niederen Volke noch immer sehr groß. Mittwoch Abend wurde der lärmenden Menge von der Polizei zwar öffendlich verkündet, daß das Mädchen in Flederborn war. Das scheint aber den Lärmmachern nicht in den Kram zu passen. Allabendlich werden von Einzelnen Fensterscheiben in jüdischen Wohnungen eingeworfen, gestern sogar am hellen Tage. Zwei Schuhmacherburschen wurden ertappt und haben auch gestandeu, daß sie am vergangenen Abend mehrere Scheiben in der Synagoge zertrümmert hätten. (B. T.) Slolp, 19. August. Der „Danz. Ztg." wird geschrieben: Mit großer Hartnäckigkeit hält sich hier das Gerücht aufrecht, daß es, wenn nur erst die Husaren zum Manöver ausgerückt sind, auch hier gegen die Juden „losgehen" wird. „Den 1. Septbr. rücken die Husaren, den 2. die Juden aus"; diese Redensart wird hier überall kolportirt. „Henrici- Karten", d. h. Eisenbahnbillets „für die Henrici- Bahn nach Palästina hin aber nicht zurück", hat

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