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Der Israelit · 1881-08-31 · Heft 35 (31.8.1881) · page 3

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Journal
Der Israelit
Volume
22 (1881)
Issue
Heft 35 (31.8.1881)
Date
1881-08-31
Page
– (sequence 3)
Language
German
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875 strafrechtlichen Bestimmungen in allen Orten, in welchen Unruhen zu befürchten sind, bewiesen. Da sich nicht verkennen läßt, daß die bedauerlichen Exccffe wenigstens zum Theil auf die in letzter Zeit gehaltenen agitatorischen Vorträge zurückzusühren sind uni) es zu befürchten steht, daß dnrch eine versuchte Wiederholung derartiger Vorträge die Veranlassung zu erneuten Ruhestörungen gegeben wird, so soll auch diesen Vorträgen entgegengetreten werden, namentlich soll dem Versuch einer Ausbeutung und Steigerung der vorhandenen Aufregung, insbesondere durch eine Erörterung der bezeichnten Vorgänge und ihrer Ursachen in öffentlichen Versammlungen durch bekannte Agitatoren unter allen Umständen entgegengetreten werden. Die gesetzliche Handhabe hierzu bietet sich im § 5 des Gesetzes vom 1L. März 1850 in Verbindung mit der Erwägung, daß unter den jetzigen Verhältnissen schon allein in der öffentlichen Erörterung von brennenden Tagesfragen in einem, zur Erregung von Volksleidenschaften geeigneten Sinne durch Agitatoren dieser Richtung eine Aufreizung verschiedener Klaffen der Bevölkerung zu Gewalthätigkeiten gegeneinander im Sinne des § 130 des Strafgesetzbuches zu erblicken ist und daß also hierdurch ein genügender Grund zur sofortigen Auflösung einer jeden Persammlung gegeben fciit würde, in welcher es zu derartigen Erörterungen kommt. Eventuell würde in den Fällen des Ministerialerlasses vom 2. März 1874 die unverzügliche Verhaftung der betreffenden Personen zu bewirken sein. Ebenso dürfte es sich empfehlen, die Veranstalter wlcher Versammlungen und die in ihnen anftretenden Redner gleich bei Ertheilung der Anmeldebesisteinigung ans diese Eventualität aufmerksam zu 'machen. Frankfurt a. M., 10. Aug. Seit einigen Sagen weilt in unserer Stadt der neu ernannte ainerikanische Generalconsul und diplomatische^ Verirrter der Vereinigten Staaten in Kairo, Herr simon Wolf (Israelit) der im Begriffe ist, sich'aus seinen neuen Posten zn begeben. Die Ernennung des Herrn Wolf zu diesem wichtigen Amte wurde von dem Vräsidentcu Garfield noch kurz vor dem Attentate unterzeichnet und ist eine weitere Anerkennung der von Jahr zu Jahr wachsenden Bedeutung des deutschen Elementes in den Vereinigten Staaten. Herr Wolf, der unter dem Präsidium Grant's das Amt eines „Recorder of Deeds“ bekleidete, hat sich von jeher als ein eifriger Förderer aller deutsch-amerikanischen Bestrebungen erwiesen und namentlich zum Emporblühen des geselligen Lebens in der Bundeshauptstadt viel beigetragen. Mit il)m ist der amerikanische Eonsul von Lyon, Herr Benjamin Franklin Veixotto, hierhergekommen, der früher dieselbe Steli lung in Bukarest bekleidet und dort — wie s. Z. schon in diesen Blättern gemeldet wurde — mannigfaltige Gelegenheit hatte, für seine isr. Glaubensge-! nassen mit großer Energie einzutreten. Ans Westphaleii. Im diesseitigen Regierungsbezirk (Arnsberg) besteht seit einiger Zeit ein Bezirksverband zur Unterstützung armer durchreisender Israeliten. Bis jetzt haben sich dem Verbände — soweit uns bekannt — die jnd. Gemeinden Dortmund, Witten, Bochum, Essen und einige kleinere Gemeinden angeschlossen. Wir sind nie eingenommen gewesen, für derartige Vereine, die angeblich dem Hausbettel zu steuern zum Zwecke haben sollen. Es liegen aber noch andere, tiefer steckende Gründe vor, die solchen, wie in Rede stehenden, Vereinen das Leben gegeben; so z. B. haben wir uns schon oft davon zu überzeugen Gelegenheit gehabt, mit welch' scheelen Blicken ein im Laden beschäftigter Kaufmann den Armen betrachtet hat, wenn dieser es wagte, das Ladenlocal zu betreten, wie derselbe von Madame oder der Köchin des Hauses hart angefahren wurde, wenn er sich erdreistete, um ein Mittags- oder Abendmahl anzuhalten — man will von gewissen Seiten eben nicht behelligt oder belästigt werden. Das sind eben nur einige von den oben ängedcuteten Gründen, die die sogenannten Verbandsvereine in's Leben gerufen haben. Dazu kommt noch, daß Diejenigen, welche sich solchen Vereinen angeschloffen, in der Regel weit billiger wegkommen, als dnrch Privatwohlthätigkeit. So habe ich mehrere irr# gesprochen, welche aus der Bezirkskaffe des in Rede stehenden Verbandes — dieselbe befindet sich in Bochum — 3 Mk., sage drei Mark (vielleicht ist diese Summe noch wohl das Marimum) cvljaltcu haben. Wenn man nun erwägt, daß in Dortmund sicher l00. in Bochum vielleicht eben so viele und in Essen wohl noch mehr jüd. Familien wohnen, dann darf man doch wohl so kühn sein, um die Behauptung aufzustellen, daß die eigentliche np-ts durch den Bezirksvcrband geschmälert und der Anne sehr benachtheiligt wird; zehnmal so viel und noch mehr würde er znsammenmachen, wenn er von Haus zu Haus ginge, viel leichter würde es ihm dann auch werden, Mittags- oder Abendtisch zu erhalten, als es ihm jetzt möglich gemacht wird. Wenn überall, wo derartige Vereine bestehen, die Armen mit solch' kleinen Gaben sich absinden lassen müßten, dann wären dieselben zu bedauern, dann kann man solchen Vereinen kein günstiges Prognostikon stellen, dann möchten wir andern Gemeinden rathen, bei der Gründung ähnlicher Vereine die Statuten des erwähnten nicht zum Muster nehmen zn wollen, und dafür zu sorgen, daß die Armen nicht benachtheiligt, sondern besser wegkommen, als wenn sie von Thür zn Thür betteln gehen. Mit Wchmnth

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