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Der Israelit · 1881-08-24 · Heft 34 (24.8.1881) · page 19

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Journal
Der Israelit
Volume
22 (1881)
Issue
Heft 34 (24.8.1881)
Date
1881-08-24
Page
– (sequence 19)
Language
German
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dem Kaiser. Commodus (180) eine jüdische Gemeinde erwähnt, Y vermuthet ja Wehden nicht mit Unrecht, daß Juden bereits Julius- Cäsar nach Gallien begleiteten. 2) Dieselben . Gründe, die Prof. Marx in seiner trefflichen „Geschichte des Erzstiftes Trier" dafür anführt, daß es bereits im zweiten Jahrhundert Christen zu Trier gegeben habe, lassen sich in noch erhöhtem Mäße für das Vorhandensein von Juden geltend machen, denn wie dies mit Recht in genanntem Werke geschieht, das Vorhandensein einzelner Christen in Trier um das zweite Jahrhundert' aus der Thatsache geschlossen wird, „daß seit den Tagen des Kaisers Augustus, Trier eine militärische Colonie, daß diese Stadt der Knotenpunkt für die Verbindung Galliens mit Rom gewesen, und die Folge davon einhäusiger Verkehr zwischen diesen beiden Städten stattgefunden hat/ (S. 33.) so-lassen, da das Vorhandensein einer jüdischen Gemeinde zu Cöln um diese Zeit geschichtlich verbürgt ist, diese Momentefür die Ansiedlung von Juden sich mit noch größerem Rechte verwerthen. Wenn daher in demselben Werke (S. 504) die Juden „ein Volk ohne eigentliches Vaterland" genannt sind, so muß eine solche Insinuation als jeder Begründung entbehrend, bezeichnet werden. Sind die Juden vaterlandslos, weil ihre Ansiedelung' erst nach der üblichen Zeitrechnung sich vollzog, so sind es die : Christen nicht minder. Daß die Juden in geringerer - Zahl als die Bekenner der Tochterreligiön des Ju- ' denthums vorhanden sind, ist ein Umstand, der jenen? weder den Besitz eines Vaterlandes rauben, noch ihn ' dieser vindiciren kann. ' Mit dem Untergange des römischen Reiches ging 1 auch beim Beginn der Völkerwanderung dieHerrlichkeit des alten Trier zu Ende. Durch seine Hohe * Bedeutsamkeit zog es die Aufmerksamkeit der Bar- ' baren in hohem Grade auf sich und hatte am em-. ' pfindlichsten unter ihren Streichen zu leiden. Fünf-, ' mal wurde Trier von den durchziehenden Völker-" l: Massen geplündert, verbrannt und.verwüstet, von den ' Franken im Jahre 363 und später in den Jahren . 399, 411, 418 und 440.3) Aus diesen Zerstörungen leitet schon Prof. Marx in seiner Geschichte des Erz- ' üiftes Trier das. Verschwinden aller einheimischen [\ schriftlichen Dokumente für die älteste Geschichte des 1 Trier'schen Landes her. '' Vergegenwärtigt ‘ Man sich die Bedrückungen, 1 Verfolgungen und Austreibungen der angesiedelten l\ Juden, die gerade mit der Ausbreitung des Christen- 1 chums ihren blutigen Anfang nahmen, so kann man 1) Weyden: „Geschichte der Juden in Cöln und am Rhein von der Römerzeit bis auf die Gegenwart." (S. 3?.) 2) S. 8: 10 und 16.! 3) Hontheim Prodomus B. 258. sich über das Fehlen aller die - Juden betreffenden . Nachrichten kaum wundern. Erst um das Jahr 1066 finden wir zum ersten Male Juden in Trier erwähnt und zwar in den Trier'schen Annalen des Jesuiten Brower, wie überhaupt fast sämmtliche geschichtliche Angaben der folgenden Arbeit christlichen Schriftstellern entnommen sind, da die jüdischen Quellen eine nur überaus spärliche Ausbeute liefern. l) Aus diesem Umstande ergibt sich, daß sich die folgende Darstellung nur auf die äußere Geschichte der Juden in Trier beschränken muß, und es ihr nur hie und da möglich sein wird einen Blick in das innere Gemeinde- und Familienleben zu werfenFDoch dürften auch diese wenigen Streiflichter hinreichen, um uns niit steigender Hochachtung von der Art und Weise zu erfüllen, mit der unsere Altvorderen es verstanden, unter der schwersten Ungunst trauriger Zeiten sich ihr Judenthum zu bewahren, um es ihren Nachkommen unverkümmert zu vererben. Die Geschichte der Juden zu Trier ist wie dieder Juden in sämmtlichen deutschen Städten, eine lange Kette trauriger Geschehnisse, deren einzelne Ringe in Verkümmerung und Verfolgung der unglücklichen Zerstreuten bilden. Kein fühlender Mensch kann diese.Ausgeburten eines blinden religiösen Fanatismus, oder niedriger Habgier sich vergegenwärtigen, ohne die Schmach zu empfindendie sie für die Zeit bedeuten, in welcher sie zu Tage traten. Eine Darstellung der Geschichte der Juden hat daher nicht nur ein specifisch jüdisches Interesse, sondern ihre Bedeutung reicht weit über den jüdischen Kreis hinaus zumal in einer Zeit, die im Begriffe steht zu erwägen und abzuwägen wie viel von dem Rechte, dem Einen, untheilbaren, für Keinen oder für Alle heiligen Rechte, für den Juden zur Geltung kommen solle. .Eine Zeit, in welcher es nicht an Äimmen fehltdie?,das Heil der Staaten damit zu gründen vermeinen, irgend welche Genossen des Staates aus dem Einen'für alle anderen gültigen Rechte äuszuschließen, mag wohl geeignet sein die Aufmerksamkeit auf jene Zeiten zu lenken, in denen sich diese Darstellung bewegt. Da' ist kein gebildeter Nichtjude, dem nicht das Blut stockte beim Gedächtniß der Gräuel, die sich seine Väter an den Juden ihrer Zeit erlaubt, oder der gar Theil haben möchte an der Wiederkehr solcher Gräuel. 1) Außer einer Notiz im Mainzer Memmorbnch und einer anderen im y'am m’U welche die Ermordung eines auf der Rückreise von London begriffenen R. Simeon aus Trier erwähnte, sind mir keine, jüdischen Quellen zu entnehmende Nachrichten aus jener Zeit bekannt. — Das Memmorbnch der hiesigen Synagogengemeinde, von demnach weiter unten die Rede sein wird, ist erst etwas über 200 Jahre alt.

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