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Der Israelit · 1881-08-24 · Heft 34 (24.8.1881) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
22 (1881)
Issue
Heft 34 (24.8.1881)
Date
1881-08-24
Page
– (sequence 7)
Language
German
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851 Kurze Zeit, nachdem Rabbon Gamliel das Glück gehabt hatte, das Hochzeitsfest seines Sohnes zu feiern, erkrankte er. Damals war es Sitte in Israel, in Bezug auf die Leichenkleider großen Luxus zu entfalten. Man gab große Summen aus, um die Todten in recht prächtigen Gewändern zu bestatten. Einer wollte dabei dem Andern es zuvorthun, so daß die Bestattung der Todten den Ueberlebenden zu einer großen Last wurde und Manche sich dieser heiligen Pflicht zu entziehen suchten. Da befahl Rabbon Gamliel, daß man ihn, wenn er sterben sollte, nur in einfachen Gewändern von weißer Leinwand begrabe, und so ist es Sitte geblieben in Israel bis auf den heutigen Tag. Der Reichste und Vornehmste wie der geringste Bettler, sie werden alle nur in einfachen Gewändern von weißer Leinwand bestattet. Die Trauerkunde von dem Hinscheiden Rabbon Ganlliels betrübte Alle, zu denen sie gelangte, auf das Tiefste. Als der Schofar ertönte, den Tod des Fürsten anzeigend, flog die Kunde davon hinaus in die weite Welt, und Alles strömte herbei, um dem Vater seines Volkes die letzte Ehre zu erweisen. Aquila sorgte dafür, daß das Leichenbegängniß Rabbon Gamliels, trotzdem der Fürst seinem Willen gemäß in einfachen Gewändern begraben wurde, zu einem sehr imposanten sich gestaltete. Es war Sitte in Israel, daß bei der Leichenfeier eines Königs oder eines Fürsten kostbare Gewänder und andere Dinge verbrannt wurden. Wir finden diese Sitte schon in der heiligen Schrift erwähnt. (Jeremias C. 34, V. 5.) Agnila ließ sich die Leichenfeier Rabbon Gamliels siebentausend Gulden kosten*). Und auch Rabbi Elieser erkrankte. Auf die Kunde davon eilten Rabbi Tarphon, Rabbi Josua, Rabbi Eleasar ben Asariah und Rabbi Akiba zu ihm, um sich nach ihm umzusehen. Rabbi Elieser litt große Schmerzen, und als er die Rabbinen erblickte, sprach er: Gott zürnt gar sehr über uns.; — Da fingen sie an zu weinen; aber das Gesicht i des Rabbi Akiba verklärte ein frohes Lächeln. Er- - staunt fragten sie ihn: Warum lachst Du? Und t er fragte sie: Warum weint Ihr? — Und sie spra- - chen: Wir sehen, wie der Mann, welcher die ganze i Gotteslehre in sich ausgenommen, so schrecklich leiden , muß, und wir sollten nicht weinen? — Und Rabbi l Akiba sprach: Gerade deßwegen freue ich mich. Viele t Jahre hindurch war unser großer Lehrer stets vom , Glücke begünstigt; Alles, was er unternahm, gelang i ihm und sein Wohlstand wuchs von Tag zu Tag. Da dachte ich: Vielleicht hat mein großer Lehrer den Lohn für sein frommes Thun und Wirken schon in dieser Welt empfangen. Jetzt aber, da ich sehe, daß auch er die Schmerzen leiden muß, jetzt weiß ich, daß er hier auf Erden abbüßt, was er vielleicht hier gefehlt hat und daß er droben eingehen wird zu einem Leben ewiger Seligkeit, und deßhalb fteue ich mich. Da Hub Rabbi Tarphon an und sprach: „Heil Dir, Rabbi Elieser, Du hast wohlthätiger gewirkt für Israel, als der befruchtende Regen; denn der Regen gewährt nur die Mittel zum irdischen Dasein; Du aber hast gelehrt, wie man das ewige Leben erlangen kann. Als der heilige Tempel zerstört wurde, da drohte eine Dürre über Israel zu kommen, die jeden Keim erstickt, jedes Wachsthum verhindert hätte. Du aber ließest die Quelle der heiligen Gotteslehre strömen, und wie der Regen vom Himmel herniederfließt, Leben und Fruchtbarkeit spendend, so hast Du Israel neubelebt und ihm die Wege gezeigt, auf denen es Leben erlange in dieser wie in der künftigen Welt." Und Rabbi Josua sprach: „Heil Dir, Rabbi Elieser, Dein Wirken und Thun war für Israel wohlthätiger, als das des Sonnenballs. Als der heilige Tempel zerstört wurde, da schien Israels Horizont umnachtet zu sein. Du aber tratest hervor gleich der leuchtenden Sonne, Dein Volk erquickend und erwärmend durch die Strahlen der heiligen Gotteslehre. Vor dem Lichte, das Du ausstrahltest, schwand die Finsterniß und entwich die Nacht der Verzweiflung. Die Sonne zeitigt nur irdische Früchte und bringt dasjenige zur Reife, was die Mittel zum irdischen Leben gewährt. Du aber hast die Wege beleuchtet, die wir hier auf Erden zu wandeln haben und die hinaufführen in des Himmels köstliche Gefilde." Und Rabbi Eleasar ben Asaria sprach: „Heil Dir, Rabbi Elieser, Du hast für Jeden in Israel wohlthätiger gewirkt als Vater und Mutter. Als der heilige Tempel zerstört wurde, da war unser Volk verwaist, wie es der Prophet Jirmijahu ausgesprochen: Wir sind geworden wie die Waisenkinder, die da des Vaters entbehren müssen. — Da tratest Du auf, ein Vater Deines Volkes. Mit väterlicher Liebe, mit der Sorgfalt, welche die zärtliche Mutter für ihre Kinder entfaltet, hast Du die großen Schätze der Gotteslehre für Deine Kinder, für Dein Volk gerettet, bewahrt, gepflegt, und mit vollen Händen ausgerheilt. Den Eltern verdankt der Mensch nur das irdische Leben, Dir aber verdanken wir, daß wir in dieser Welt so leben können, wie es nothwendig ist, um das ewige Leben zu erreichen." Und Rabbi Akiba sprach: „Schätzenswerth sind die Schmerzen." Da rief Rabbi Elieser seiner Umgebung zu: „Stützet mich, daß ich mich aufrichte und die Worte ') Aborha Larah f. 11a.

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