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Der Israelit · 1881-08-24 · Heft 34 (24.8.1881) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
22 (1881)
Issue
Heft 34 (24.8.1881)
Date
1881-08-24
Page
– (sequence 5)
Language
German
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849 das Verfahren auf Concessionsentziehung gegen sie eingeleitet werden wird, wenn sie dieser Weisung nicht folgen, oder gar durch Verabreichung von geistigen Getränken etwaige Ungehörigkeiten noch besonders fördern sollten. Die städtischen Polizeiverwaltungen ersuche ich, mir binnen drei Tagen Mittheilung von den hiernach getroffenen Maßregeln zu machen. Könitz, 8. Aug. Der Straßenunfug gegen unsere jüdischen Mitbürger nimmt von Abend zu Abend an Umfang und tumultarischen Scenen zu. Die von den Behörden proclamirten Warnungen und Verordnungen fanden bisher nur taube Ohren. Die gestern Abend stattgehabten Excesse leitete der christliche Fleischermeister S. schon im Laufe des Nachmittags ein. Derselbe befand sich seit Wochen mit dem jüdischen Händler B., der ihn aus seiner früheren Wohnung ausmiethete, im Hader. S. hatte zu tief in's Glas geblickt, und er hielt nun die Zeit für geeignet, an seinem Widerpart sein Müthchen zu kühlen. In' Begleitung einiger Jungen, denen er für den Hetzruf „Hepp, Hepp'!" pro Kopf 10 Pf. zahlte, begab er sich, das Fleischerbeil in der Hand, nach der in der Nähe liegenden Wohnung des Händlers, um dort, wie er sagte, Alles todtzuschlagen. Glücklicherweise hatte man sein Nahen rechtzeitig bemerkt und Alles unter Verschluß gelegt. S. versuchte die Thür mit dem Beil einzuhauen. 'Als diese den gegen sie geführten Hieben widerstand, zertrümmerte er ein Fenster und begann das Fensterkreuz zu durchhauen. Der bedrohte jüdische Mann rief um Hülfe, worauf S. von dem hinzuströmenden Publikum vertrieben und sodann heute verhaftet wurde. In Folge des erwähnten Auftritts fanden in den Hauptstraßen schon frühe Ansammlungen von Gymnasiasten, Gesellen, Lehrlingen, Knechten und Dienstmädchen statt, die sich in verschiedenen Trupps bewegten und den „Hepp-Hepp"-Ruf ertönen ließen. Um 8 Uhr Abends, als es fast noch ganz hell war, wurden die Gaslampen angezündet. Als nun auch die Polizeibeamten und Gensdarmen erschienen, wurde das Geschrei sehr lebhaft und die verschiedenen Trupps concentrirten sich auf dem Markte. Die Situation wurde schwül. In diesem Augenblicke erschienen verschiedene Gensdarmen zu Pferde, die gegen die einzelnen Trupps ansprengten und diese auseinander trieben. Nachdem 9 Personen verhaftet waren, zerstreute sich die Menge. Heute Abend werden auch Lehrer der städtischen Schulen auf den Straßen patrouilliren, um Schüler, welche trotz des ergangenen Verbots nach 8 Uhr sich noch auf der Straße beenden, nach Hause zu schicken. — In dem benachbarten Pommern beginnt auch in Stolp die böse Saat des Antisemitenthums aufzugehen, denn in der Nacht von Sonnabend zum Sonntag hörte man von einem Haufen betrunkener Handwerksgesellen, welche die Hospitalstraße durchzog, fortwährend, schreien: „Juden raus! Wir wollen keine Juden!" — Auch das Städchen Lauenburg in Hinterpommern hat jetzt eine Art von „Judencrawall" zu verzeichnen. Sonntag Abend versammelten sich auf dem Marktplatze eine große Menschenmenge, fortwährend rufend: „Hepp! Hepp! Juden raus!" rc. Schon im Laufe der Woche konnte man verschiedentlich hören, daß ein Angriff gegen die Juden geplant wurde. „Sonntag geht's los gegen die Juden! Sonntag werden sie mit Musik 'rausgetrieben!" Sogar Drohbriefe sind an einige der angesehensten Juden ergangen, mit der Aufforderung, binnen 24 Stunden die Stadt zu verlassen, sonst würde es ihnen Sonntag Abend schlecht gehen. Zwei der so Bedrohten reisten daraufhin nach Cöslin, nachdem sie die Briefe zuvor der Polizei übergeben hatten, um bei der Regierung entsprechende Sicherheitsmaßregeln zu beantragen. Infolge dessen wurden denn gestern auch die Polizeimannschaften verstärkt, sowie sämmtliche Gensdarmen des Kreises per Expreßboten nach Lauenburg beordert; auch unterblieben der übliche Zapfenstreich und die sonstigen Feierlichkeiten zum Schützenfest. Am Tage war es still — aber es war still und schwül, wie vor einem Gewitter. Abends um 9 Uhr sammelte sich eine große Menschenmenge auf dem Marktplatz an, fortwährend johlend und schreiend: „Hepp! Hepp! Juden raus!" Zu weiteren Excessen kam es aber. Dank der getroffenen Maßregeln, nicht. Die Gensdarmen bleiben vorläufig noch bis Dienstag in Lauenburg. Aus der sächsischen Oberlausitz, 14. Aug. Ein antisemitischer Artikel in dem amtlichen Organe des Zittauer Magistrats, den „Zittauer Nachrichten", hat in der Zittauer Stadtverordnetenversammlung entschiedene Verurteilung gefunden. Auf Anlaß einer Notiz in der „Zittauer Morgenzeitung", in welcher der Kornwucher der Landwirthe an den Pranger gestellt war, hatte, das amtliche Organ eine Erwiderung gebracht, welche sich hauptsächlich gegen die Juden richtete. In der Stadtverordnetenversammlung sprach nun der Führer der Fortschrittspartei in Zittau Kaufmann Buddeberg, seine Indignation darüber aus, daß Leute, welche der Stadtrath berufen hat und besoldet, es wagen dürfen, die Judenfrage in solcher Weise in eine sachliche Differenz hineinzuziehen. Der Vorsitzende der Versammlung gab sein Bedauern darüber in Protokoll, daß das Zittauer Amtsblatt in solcher Weise vorgegangen sei. — Was übrigens die Frage anlangt, welche den äußeren Anlaß zu jenem Judenhetzartikel gegeben hat, so wird sie aus-

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