Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 22 (1881)
- Issue
- Heft 34 (24.8.1881)
- Date
- 1881-08-24
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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848 sind unter 25 Wollenwaarenfabrikanten 5 bis 6 Juden. Erst im vorigen Jahre ist dem Schreiber dieser Zeilen auf der Leipziger Wollenwaaren-Ausstellung von einem christlichen Großkaufmanne gesagt worden, die jüdischen Fabrikanten in Cottbus lieferten die schönsten und solidesten Maaren. Die Leistungen unserer Berliner und Frankmrter Konfektionsindustrie sind bekannt. Ein ansehnlicher! Theil gerade dieser Industrie befindet sich in den - Händen der Juden. Ueber die Leistungen derselben ' haben wir in Paris, dem Sitze der Mode, erst letzj ten Winter die günstigsten Urtheile gehört. Es ist eine Thatsache, daß diese Firmen jährlich für viele Hunderttausende ihre Fabrikate gerade nach Paris absetzen. Aehnliche Beweise könnten wir noch aus; dem Kreise unserer eigenen Wahrnehmungen zu 1 Dutzenden anführen. Sie alle beweisen, daß diese gegen die Juden als Kaufleute, als Fabrikanten erwiesenen Anklagen nichts sind, als Verläumdungen und Aufhetzungen der antisemitischen Presse. Die Urheber solcher Schmähungen wissen gar nicht, wel- ' chen Schaden sie durch ihre unwahren Ausstreuungen unserer gesaminten deutschen Industrie zufügen! können. Indem sie die Meinung verbreiten, daß,; (was gar nicht in so starkem Maße der Fall ist) Handel und Industrie bei uns meist in den Händen der Juden und dadurch unreell geworden seien, schä-! digen sie den deutschen Namen im Auslande. Wir > zweifeln gar nicht, daß die ausländische Konkurrenz sich der ihr hierdurch gebotenen Handhabe bedienen! wird, uin beit unliebsamen deutschen Rivalen zu ver- 1 drängen. Es wäre überhaupt hohe Zeit, daß dieser j fortwährenden Herabsetzung des deutschen Arbeits- - Marktes vor den Augen des Auslandes endlich einj mal Einhalt gethan würde. Ist denn der deutsche j Handel, die deutsche Industrie überhaupt so herab-; gekommen, wie es in den hiesigen ultramontanen Hetzblättern geschildert wird? Wir sollen angeblich j gegen Frankreich im Absatz nach dem Auslande so i sehr zurückstehen. Frankreich soll sich eine hervor-! ragende Stellung errungen haben dadurch, daß es! so wenig Juden in seiner Mitte zählt. In Wahr-! heit aber ist unsere Waarenausfuhr großer, als diej jeuige Frankreichs. Während Frankreichs auswäri tiaer Handel im Jahre 1878 nur 5884 Millionen j Mark umsetzte, betrug der Antheil Deutschlands im S gleichen Jahre 6638 Millionen Mark. Wir sind j der umgekehrten Meinung wie die „Germania". Wenn I Deutschlands Handel und Industrie trotz mancher ungünstigen Verhältnisse gerade in den letzten 25 Jahren einen so großen Aufschwung nahmen, so hat hierzu die Mitwirkung der kaum gleichgestellten Juden, deren Tüchtigkeit und Strebsamkeit auch von! ihren Gegnern nicht geleugnet wird, nach unserer z Meinung nicht wenig beigetragen. Gerade so wie ] in Deutschland ist es in Amerika, dessen wirthschaftlicher Aufschwung zu einem guten Theile den durch Beschränkungen und Verfolgungen aller Art aus Deutschland hinausgemaßregelten Juden zu verdanken ist. Ein Bild ganz anderer Art bietet Spanien, das sich im fünfzehnten jund sechszehnten Jahrhundert seiner Juden vollständig entledigt hat. Seitdem ist in diesem einst so gewerblichen Lande Handel und Verkehr forttvährend zurückgegangen. Heute ist Spanien aus der Zahl der Industriestaaten ansgeschieden. Spanische Zustände mögen das Ideal der „Germania" sein. Das deutsche Volk in seiner großen Mehrheit sehnt sich nicht nach der dunklen Zeit der Inquisition zurück." Aus Brandenburg, 14. Aug. Die.„Frkft. Ztg." schreibt: Der in unserer Berliner LI-Eorrespondenz erwähnte Erlaß des Landraths v. Meyer- Arnswalde hat folgenden Wortlaut: Arnswalde, 12. August 1881. Dem Vernehmen nach sollen in den Städten des Kreises einzelne Personen bestrebt sein, Excesfe gegen die jüdische Bevölkerung hervorzurufen, wie sie z. B. in Neustettin und Schievelbein vorgekommen sind. Ich werde mit allen mir zu Gebote stehenden Mitteln solchen Rohheiten entgegentreten und fordere die städtischen Polizei-Verwaltungen auf, das Gleiche zu thun. Sie werden zunächst, um es zu Excessen möglichst gar nicht kommen zu lassen, die bewaffneten Schützengilden zur Mitwirkung bei Aufrechterhaltung der Ordnung in Anspruch zu nehmen haben. Es wird also ' mit den Herren Commandeuren derselben sofort alles Erforderliche für eine etwaige plötzliche Alarmirung festzustellen sein. Ebenso sind die Kriegervereine aufzufordern, aus ihren Mitgliedern ein bewaffnetes Schützencorps zu organifiren. Sie werden zweifelsohne den Polizei- Verwaltungen bereitwillig dabei entgegenkommen, einmal schon im Interesse der guten Ordnung überhaupt, dann aber auch mit Rücksicht auf das Gesetz vom 11. März 1850 tGesetz-Sammlung Seite 199), welches bekanntlich die Gemeinden zum Ersatz des Schadens verpflichtet, der bei Aufläufen verursacht wird. Sollte es dann wider Erwarten doch zu Excessen kommen, so muß nach ß 123—130 des Strafrechtes auf das Nachdrücklichste dagegen eingeschritten werden. Eine besondere Aufmerksamkeit ist auf die Schankstätten zu richten. Die Schankwirthe werden anzuweisen sein, daß sie beim Entstehen von Aufläufen sofort ihre Lokale zu schließen haben. Es ist ihnen dabei bekannt zu machen, daß unnachsichtlich cow wui schii zeln trte! strei Leh troi Ver stnd bari