Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 22 (1881)
- Issue
- Heft 34 (24.8.1881)
- Date
- 1881-08-24
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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847 das mosaische Gesetz über das jüdische Volk ausgoß*). Wenn so unsre Gegner urtheilen, wie müssen erst wir von der Wahrheit überzeugt sein wn o •j’D1 yn:w daß die Lehre unseres Gottes der Quell unseres Lebens und die Grundbedingung unserer Existenz ist. (Fortsetzung folgt.) Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Mergentheim. Aus einer Geschäftsreise in Württemberg führte mich der Weg durch das schöne Tauberstädtchen Mergentheim. Es gefiel mtr hier besonders gut, weil ich auf meinen Geschäftsgängen einige echte biedere Jehudim traf, die offen und ehrlich stets für nco» min einstehen und selbst die bedeutensten Opfer nicht scheuen, wenn es gilt, für das orthodoxe Judenthum, für die Erhaltung unseres Heiligsten in die Arena zu treten. Solches labt Auge und Herz, wie eine Oase im Sandmeer. Die jüdisch-orthodoxen Verhältnisse in Württemberg rechtfertigen leider dieses Gleichniß. Die Reihen der strengen Jehudim sind leider dort arg gelichtet und findet sich so wenig Anregung und Aneiferung. Der Grund ist immer wieder in dem Mangel an genügender Kenntniß der jüdisch-religiösen Gesetzesvorschriften zu suchen. Und die Rabbiner? Sie sind württembergische Rabbiner. — Zur Eharakterisirung solcher Verhältnisse wurde mir folgender Fall erzählt. Vor kurzer Zeit wurde hier ein mittelloser fremder Jude von der Behörde in Gewahrsam gebracht, weil in seinem Reisepässe einige willkührliche Veränderungen gefunden wurden. Run ist dieses sicherlich ein strafbares Vergehen und es trifft denselben mit Recht gebührende Bestrafung. Die Gemeinde sorgte anfangs für rituelle Kost, beschloß aber dann, dieses nicht mehr zu thun aus Gründen, die unter keiner Bedingung Berechtigung haben. Wenn der Betreffende um Koscherkost anhält, so hat die Gemeinde die moralische Verpflichtung, ihm diese zu verabreichen, denn wegen des socialen Vergehens darf der Mann doch nicht nsna essen. Wie ich gehört, werden einige Private für die rituelle Beköstigung des Mannes Sorge tragen. Lohne es ihnen Gott. Heute ist wahrlich ein festes Zusammenhalten im Gesammtjudenthum, ohne Grenzen zwischen Staatenverbände zu ziehen, die dringendste Nothwendigkeit. *) Wir haben wörtlich citirt und nur einige unberechtigte Lcitenhiebe gegen Juden lind Judenthum weggelässen. Außerdem hat mich bei meinem hiesigen Aufenthalte Folgendes unangenehm berührt. Beim Synagogenbesuch bemerkte ich zu meinem Leidwesen, daß beim Schluffe des Gebetes etwa bei U'ty kaum oder gar kein?oo in der Synagoge bleibt. Es ist dieses vor Allem vom religiösen Standpunkte aus unrecht, aber auch Anstands- und Umgangsformen verbieten ein derartiges Benehmen. Man glaubt, daß diese Anregung genügen wird, diesem Uebelstand, der mehr auf Unachtsamkeit als auf bewußtem Fehl beruht, abzuhelfen. Berlin, 15. Aug. Die „Germania" hat jüngst zwei Artikel, angeblich aus der Feder eines „liberalen protestantischen Kaufmanns" gebracht, die den Titel: „Fabrikant, Händler und Jude" führten und beweisen sollten, an dem geringen Ansehen der deutschen Jndustrieerzeugnisse im Auslande seien nur — die Juden schuld. Die Juden hätten in Deutschland das ganze Geschäft in der Hand. Während in Frankreich ausschließlich französische Prinzipien, in England ausschließlich englische Prinzipien das Geschäftsleben beherrschen, gibt es nach der Meinung des Verfassers in Deutschland keine deutschen Geschäftsprinzipien. Der jüdische Zwischenhändler drücke auf den Fabrikanten und zwinge ihn, schlechte Maaren zu Spottpreisen zu liefern. Wenn der Jude selbst Fabrikant werde, so fabrizire er Schund, der dem deutschen Namen zur Unehre gereiche. Die jüdische Industrie könne nichts Selbstständiges leisten, sondern nur das Ausland nachäffen, u. s. w. In der „Demokratischen Correspondenz" wird der unter die Propheten der „Germania" gerathene liberale protestantische Saulus wie folgt, abgefertigt: „Seitdem die Juden im deutschen Reiche den übrigen Einwohnern gleichgestellt sind, verschwinden die nachtheiligen Folgen ihrer früheren Sonderstellung mehr und mehr. Je früher die Gleichstellung in einem deutschen Staate erfolgte, desto weniger zeigt sich noch ein Unterschied in den industriellen und kaufmännischen Leistungen der Juden und Christen. Ein Land, welches den übrigen in dieser Beziehung mit gutem Beispiele voranging, war Württemberg. Wer zum Beispiel die Stuttgarter Ausstellung besucht, der wird in allen Zweigen aus hervorragende Leistungen jüdischer Industriellen stoßen, die weder in Bezug auf Solidität, noch auf Geschmack hinter denjenigen irgend eines nichtjüdiichen Fabrikanten Zurückbleiben. In Nürnberg-Fürth ist ein bedeuten- * der Theil der Kurzwaaren-Jndustrie in den Händen der Juden. Wir haben niemals von irgend einer Seite gehört, daß dieselben in ihren Erzeugnissen gegen ihre christlichen Konkurrenten Zurückbleiben. In Cottbus, dessen Industrie sich im letzten Jahrzehnt einen hervorragenden Namen erworben hat,