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Der Israelit · 1881-08-24 · Heft 34 (24.8.1881) · page 2

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Journal
Der Israelit
Volume
22 (1881)
Issue
Heft 34 (24.8.1881)
Date
1881-08-24
Page
– (sequence 2)
Language
German
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älter als das Christenthum. Als jene Vorschriften erlassen wurden, hat es weder Christen noch Mohamedaner gegeben. Die Juden waren das einzige Volk, welches den einzigen Gott erkannten, und die ganze übrige Welt war von Götzendienern bevölkert. Damals galt es, die Juden vor der Verführung zum Götzendienste zu schützen. Die Weisen Israels erließen daher die Verordnung, daß man mit den Götzendienern nicht allein an ihren Götzenfesten, sondern auch drei Tage vorher und drei Tage nachher nicht in geschäftlichen Verkehr treten solle. Später, als der Eifer der Heiden für den Götzendienst nachließ, wurde dieses Verbot für die Juden außerhalb des heiligen Landes auf den Verkehr an den heidnischen Festtagen selbst beschränkt. Nach der Ausbreitung des Christenthums wurde von den maßgebenden Gesetzeslchrern jenes Verbot dahin interpretirt, daß es auf die Christen keine Anwendung habe, da die Christen nicht als Götzendiener zu betrachten seien. (Siehe Tractat Abodah Sarah zu Anfang, Raschi, Toßaphot, Rabbenu JizchakPhatzi, Rabbenu Nissim, Rabbenu Ascher dazu; ferner Tur Joreh Deal) C. 148, Schulchan Aruch Joreh Deah C. 148, 8 12). Unsere geehrten Leser sehen, daß das gerade Gegentheil von dem wahr ist, was jene antisemitische Zeitung behauptet hat. Und so verhält es sich mit allen Angriffen gegen den Talmud; sie alle zerfließen in nichts, wenn man sie im Lichte der Wahrheit betrachtet. Der im Eingänge unsrer Abhandlung genannte Dr. Hemann bezeichnet den Talmud als ein Sammelsurium, dem alle systematische Ordnung abgeht. — Wir haben schon oben bemerkt, daß Herr Dr. H. in Bezug auf den Talmud sich einige Jugendreminiscenzen bewahrt zu haben scheint; keinensalls ist er aber tief in denselben eingedrungen. Cr müßte sonst wissen, daß der Talmud streng systematisch geordnet ist, und daß, wo die logische Folgenreihe dunkel erscheint, die bevorzugtesten Geister es sich zur Aufgabe gemacht haben, dieselbe ins rechte Licht zu stellen. (Vergleiche Toßephot, Tractat Sabbat zu Anfang und an vielen anderen Orten; Maimonides, in seiner Erklärung zur Mischnah). Hören wir, wie dieser antisemitischer Beurtheiler über die Folgen spricht, welcher das Studium des Talmuds für die Juden gehabt hat (dv^b irm«, mögen unsre Gegner Schiedsrichter sein!): „Die erste Folge ist die, daß, wie bei keinem andern Volke, das ganze männliche Geschlecht bis auf verschwindende Bruchtheile eine gewisse geistige Schulbildung besaß. Jahrhunderte hindurch übertraf jeder Judenknabe an Schulbildung viele Tausende von Bürgern und Adligen. Durch das Talmudlernen wurde ferner das Gedächtniß ungeheuer entwickelt. Das viele Jahre dauernde Studium machte den Charakter ausdauernd zäh. Im Talmud haben die Rabbinen ein ganz erstaunliches Maß von wahrer Geistesschärfe entwickelt. Das schärfte den jüdischen Verstand, weckte seinen Forschungstrieb, daher scheinen so manche geistige Charakterzüge der Juden zu stammen: Die Versatilität ihres Geistes, ihre Findigkeit, ihr spitziger Witz, ihre überlegene Klugheit, ihre Gabe, scheinbar Entlegenes mit einander zu verbinden, ihre Geschicklichkeit, sich in schwierigen Problemen zurechtzufinden. In jedem Falle muß dies anerkannt werden, daß kein Volk der Erde, mit Ausnahme vielleicht der Chinesen, seit Jahrtausenden seinen männlichen Angehörigen eine so consequente Schulung gegeben hat, wodurch sie eine gewisse geistige Ueberlegenheit über andere Völker erlangten, wie die Juden. Der Talmud war bis auf den heutigen Tag der geistige Halt, der die Juden vor dem Untergange schützte, er ist der Geiftesfond, der sie bewahrte, in geistige Stumpfheit und Stagnation, in Rohheit und Barbarei zu verfallen, wie andere Völker ohne politische Existenz; der sie zugleich auch befähigte, jede Cultur zu jeder Zeit auf- und anzunehmen und mir jedem Culturvolk, mit dem sie in Berührung kamen, in Concurrenz zu treten. Der Talmud befähigte sie. in geistiger Beziehung, die merkwürdige internationale Rollo unter den Völkern zu spielen, welcher sie von Anfang bis heute treu blieben. Kein Wunder ist es daher, daß sie sich in früheren Jahrhunderten, mit aller Energie, für ihren Talmud wehrten; kein Wunder aber auch, daß Alle, die einen tieferen Einblick in. jüdische Art und Natur hatten, und eine Verschmelzung der Juden und Christen erstrebten, auf Beseitigung des Talmuds drangen, nur daß sie vergaßen, wie eine gewaltsame Vertilgung des Talmuds ihn den Juden nur um so theurer zu machen geeignet war, und daß sie häufig ihre Angriffe auf falsche Anklagen wider den Geist und die Moralität des Talmuds gründeten. „Endlich darf auch noch das nicht vergessen werden. Indem der Talmud, ähnlich wie der Koran, alles menschliche Wissen streng unter den Gesichtspunkt seines religiösen Werthes stellt und darnach benutzt, gab er nicht blos dem ganzen Geistesleben der Juden einen streng religiösen Anstrich, sondern bewahrte auch dem jüdischen Volke all die sittlichen Kräfte, die einem Volke von reinerer Religiosität eigen sind. Und wenn auch die in materiellem Elend verkommensten Juden sich vielfach noch durch strenge Sittlichkeit und häusliche Tugenden auszeichnen, so verdanken sie das der religiös-sittlichen Kraft, welche der Talmud ihnen einpflanzte. Demnach können wir, bei vorurtheilsloser Betrachtung, nur staunen über die unschätzbaren Segnungen und Vortheile, welche X ( C 2 3 b ei e! bi Öl se Ic ft: ff G m fd w so Zä fri br V, siö sel Ml ab die W die ZU da: hör gui Gr im St we:

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