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Der Israelit · 1881-08-17 · Heft 33 (17.8.1881) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
22 (1881)
Issue
Heft 33 (17.8.1881)
Date
1881-08-17
Page
– (sequence 11)
Language
German
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827 in diesen Blättern ein Nachruf gewidmet werde. Herr Maier Ettlinger t>"r, dessen fromme Eltern aus Karlsruhe stammten, wurde uns plötzlich entrissen, er erreichte das Alter von 63 Jahren. Obschon Kaufmann, widmete er sich von frühester Jugend an, der Besorgung aller religiösen Angelegenheiten in der hiesigen Gemeinde. Bei größter Kälte und Regenwetter, stand er jeden Morgen früh auf, um die Leute zum Synagogenbesuch zu wecken; wenn er auswärts im Geschäfte thätig war, beeilte er sich, um Abends schnell, manchmal von Schweiß triefend, abermals zur regelmäßigen Zeit zum Gottesdienst zu rufen, so daß es ihm zu verdanken war, daß wir hier täglich zweimal den regelmäßigen Gottesdienst abhalten konnten. Deßgleichen war seine Thärigkeit, wenn Kranke oder Todte in der Gemeinde waren, da ruhte sein Geschäft bis Alles pünktlich besorgt war. In der Synagoge versah er häufig mit der Chasanstelle das Laienen mit solcher Andacht, daß man sagen mußte, es stimme bei ihm Mund und Herz überein; er hatte ein seltenes Gedächtniß, nicht allein, daß zu allen Zeiten beim Gottesdienste kein Brauch in Vergessenheit kam, durch seine Erinnerung, wußte er, ohne einzusehen, alle Jahrzeitstage der hiesigen Leute und der Umgegend, und erinnterte die Leute noch zur Zeit daran. Die Armen speiste er, und hatte er das so mühevolle Amt der Armencasse, für welche er monatlich auch die Gelder einsammelte. Dabei war er sehr einfach und beliebt in allen Kreisen hiesiger Stadt, wie der „Eppinger Volksbote" auch hervorhob, daß er durch seine Wahrheitsliebe, Aufrichtigkeit und Menschenfreundlichkeit gegen Jedermann sich auszeichnete. Er hinterläßt eine trauernde Wittwe und 2 erwachsene Söhne, von denen der eine hier, der andere in Frankfurt a. M. ihr eigenes Geschäft betreiben. Mögen dieselben in die Fußstapfen ihres seligen Vaters n"y treten. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Wien. Jüngst hat sich im hiesigen Verhandlungssaal des Landgerichtes eine rührende Scene abgespielt, deren Heldin eine jüdische Frau, Namens Elisabeth Körner, war. Im Juni v. I. hat sich bei dieser Frau ein armes Ehristenmädchen einguartirt, welches sich vom Nähen ernährte. Das Mädchen, Katharina Tschermak, blieb ihrer Quartiersfrau, welche selbst unbemittelt ist, für Kost und Quartier nach und nach 38 fl. schuldig. Am 3. Okt. verschwand die Tschermak, welche auf Anzeige der Frau Körner ausfindig gemacht und verhaftet wurde. Nun stand sie der Veruntreuung angeklagt vor Gericht. Sie vertheidigte sich dahin, daß sie sehr leidend und in größter Noth' war. Als Frau Körner dies hörte, bat sie mit Thränen in den Augen die Richter, die Tschermak freizulassen und sagte tief gerührt: „Ich hätte sicher nicht die Anzeige erstattet, wenn ich von der Noth des armen Mädchens gewußt hätte." Die Tschermak wurde richtig freigesprochen und dann von der Körner mit den Worten empfangen: „Ich nehme Sie gleich wieder mit in meine Wohnung." Dieser Zug von Herzensgüte hat auf die Richter sowohl, als auch auf den Staatsanwalt einen tief rührenden Eindruck hervorgerufen. Feuilleton. Mus den papieren einer Schamesch- Aamilie. Von Naphtali Simon, in. Eine gute That erzeugt die andere und das gute Beispiel ermuntert zur Nachahmung. Heil der Zeit, welche erfahrene und weise Führer hat, deren Wirken verstanden wird! Heil der Zeit, die willig horchtauf die Stimme ihrer Leiter! Es wird dann nicht nur die edle Absicht der Oberhäupter erreicht in dem, was diese im Besonderen Vorschlägen und anordnen, sondern es beginnt ihr Geist lebendig zu werden in dem ganzen Umkreise ihres Machtgebiets und erzeugt neue Thaten, welche des Beispiels der weisen Führer würdig sind. Also war es, dem Herrn sei Dank, auch in unsrer heiligen Gemeinde. Es wurde erkannt, daß es gut sei, wenn Diejenigen, denen viel gegeben, nicht nur im Einzelnen, ein Jeder wozu ihm das Herz treibt, den Armen zu helfen streben, sondern daß die Vereinigung zu Gott wohlgefälligen Zwecken Besseres zu leisten vermöge. Und in der That ist auch Beides nothwendig; die Privatwohlthätigkeit in Verbindung mit der Vereinswohlthätigkeit erzielt das wirklich Gute; die Eine stützt die Andere, die Eine ergänzt die Andere. Es entstand in diesen Jahren eine Anzahl von Vereinen, deren Segen in die Gegenwart und bis in die ferne Zukunft hineinreicht. Ich will nur Einiges davon erwähnen. Einige edle Männer und Frauen gewahrten, daß viele Kinder der Talmud-Thora-Schule in ihrem Elternhause nicht genügende Nahrung empfangen konnten und auch in der Gewandung zu ärmlich und kläglich erschienen. Darum traten sie zusammen und forderten auch Andere aus, und gründeten den Bckleidungs- und Speisung-Verein für arme Schulkinder. Und der Herr rührte auch das Herz mancher

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