Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 22 (1881)
- Issue
- Heft 33 (17.8.1881)
- Date
- 1881-08-17
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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828 Reichen, so daß sie in ihrem Testamente Summen! für diese wahrhaft wohlthätige Angelegenheit bej stimmten. Die armen Kinder werden dadurch ge-! kleidet und täglich B^ittags in der Schule gespeist - bis auf den heutigen Tag.; Viele fromme Frauen, welche wie ihre Aelter-! mütter der höchste Schmuck Israels gewesen, erj barmten sich auch der armen Mädchen und begründeten eine Mädchen - Armen - Schule, in welcher die armen Mädchen das für sie Nothwendige lernen: Lesen, Schreiben, Rechnen, sowie die Kenntnis; der heiligen Sprache in dem Gebetbuchc, und Stricken und Nähen. Es bildete sich -auch ein Waiscn-Verein, welcher arme Waisen bei wackeren, gottcosüchtigen Familien unterbringt, damit sie in Frömmigkeit zum Guten erzogen werden. Ferner kam ein Vorschußverein zu Stande, welcher den mittellosen Handel- und Gewerbetreibenden die nöthigen Kapitalien vorstreckt, die sie in kleinen lvöchentlichen Abzahlungen zu tilgen haben. Hierdurch sind viele Familien, welche jetzt begütert sind, aus dem Elende emporgezogen worden. Ich kann hier nicht namentlich aufführen alle die frommen wohlthätigen Vereine und Stiftungen, welche von der Wohlthätigkeit und Gottesfurcht in unsrer Gemeinde Zeugnis; ablegen: die Stiftungen zur Erhaltung des ^almudstudiums, die Vereine für Herstellung von Suppenanstalten, Peßachbedarf, Bekleidung, Feuerung, Wohnnngsiniethe, Brautausstattung uub vergleichen mehr. Alle diese edlen Werke sind die Fürsprecher für uns' bei Gott, daß er die Gemeinde segne, in deren Mitte so Fromme und Barmherzige gelebt; — es starb fast kein Einziger unter den Begüterten, welcher nicht in seinem letzten Willen irgend ein gutes Werk noch durch ein Vermächtnis; stiftete. Der Herr sei gepriesen, daß auch in meiner Zeit es nicht an Männern gefehlt hat, welche für Gott und Israel gewirkt und gestrebt haben, an Männern, welche muthig vor die Mächtigen der Erde hintreten, um für das Wohl ihrer Brüder das Wort zu führen; Gott sei Dank, das; auch in meinen Tagen Israel nicht verwaist und hilflos geblieben! Denn noch immer ruhte die Hand unsrer nichtjüdischen Brüder schwer auf uns, und das Vorurtheil der Menschen war stets gewaltiger in ihrem Herzen, als das Gefühl für Recht und Wahrheit. Der bittre Kelch der Verachtung und des Hohnes mußte noch immer geleert werden, und Israel hatte fortwährend zu zittern vor neuen Gefahren. So hatte der Fürst eine neue Abgabe für die Judcnschaft seiner Länder beschlossen, trotzdem diese schon ohnehin mit sehr großen und nur mit Mühe zu tragenden Lasten überbürdet waren. Aber der Fürst brauchte Geld, weil die Kriege, die er zu führen hatte, seine Kasse geleert hatten, deshalb sollten die armen Juden bezahlen. Als dieser Befehl auch hierher gelangte, da gingen einige der Angesehensten unter uns zu den Herren der Stadt, und sie wußten es durch die Macht ihrer Rede und die Weisheit ihres Verstandes dahin zu bringen, daß die Stadtherren selber den Fürsten baten, von seinem Entschlüsse abzugehen und der Juden zu schonen. Und in der That — der Fürst gab ihrer Vorstellung Gehör und der Befehl wurde zurückgenommen. In dem Nachbarlande aber, wo ein nicht so milder Fürst regierte und auch das Volk roher und wilder war, kam leider ein großes Verhängnis; über die heiligen Gemeinden. Sie wurden überfallen, ihrer Habe beraubt, gemißhandelt und getödtet. Viele Hunderte mußten fliehen und retteten nichts, als das nackte Leben. In Schaaren kamen die Aermsten in unser Land, das damals von Mißernten heimgesucht war; und auch unsre Gemeinde wurde von ihnen so'stark in Anspruch genommen, daß die Vorsteher einsahen, wie dadurch den heimischen Armen möglicher Weise etwas entzogen werden könnte' Deshalb beschlossen sie, daß man dem Zudrange der fremden Armen wehren solle. In den Statuten der Gemeinde war aber bestimmt worden, daß jede neue Verordnung von dein Oberrabbiner genehmigt werden muß, bevor sie bekannt gernacht werden kann. So famen denn auch die Vorsteher in dieser Sache zu dem Oberrabbiner, um ihm dieselbe vorztragep und seine Genehmigung zu erhalten. . st Dieser aber richtete, nachdem sie ihm die SaM vorgestellt und vorgelegt hatten, an sie die Wortes warum kommt ihr deshalb zu mir; ihr braucht mich> nicht hierin; nur für neue Verordnungen ist meine," Zustimmung erforderlich. Erstaunt blickten die Vorsteher auf und erwiderten: Ist denn dieses keine neue Verordnung, zu welcher uns nur die Sorge um die einheimischen Armen und die Pflicht der Selbsterhaltung treibt? Er aber antwortete kurz: Ihr irrt, dieses ist nicht neu; es gehörte schon zu den Statuten von Sodom und Amora. Beschämt gingen die Vorsteher von dannen und erbarmten sich' der armen Fremden , auf daß nicht die Gemeinde des Herrn werde wie Sodom und Amora. Gott aber segnete die Gemeinde und gab ihren Angehörigen Gedeihen in Handel und Wandel, so daß sic spenden konnten mit vollen Händen und nicht arm wurden durch die Almosen, welche sie den Armen gewährten. (Fortsetzung folgt.)