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Der Israelit · 1881-08-17 · Heft 33 (17.8.1881) · page 10

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Journal
Der Israelit
Volume
22 (1881)
Issue
Heft 33 (17.8.1881)
Date
1881-08-17
Page
– (sequence 10)
Language
German
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826 den bei den Wahlen die Stimmen der Juden zum größten Theil zu Gunsten der regierungsfeindlichen Parteien abgegeben, ja noch mehr, bei den Agitationen haben sich die Juden in nicht geringem Grade hervorgethan und sicherlich nicht in regierungsfreundlichem Sinne. Man wird mir darauf erwiedern, daß nicht alle Anträge der Staats-Regierung zu billigen seien und daß der Jude das gleiche Recht wie jeder Andere habe, seine individuelle Ansicht zu bethätigen, zu vertreten und möglichst zur Geltung zu bringen. Dennoch wäre es sehr wünschenswerth gewesen, wenn gerade hierin eine weise Mäßigung stattgefunden hätte. Die deutsche Staatsmänner, insbesondere Fürst Bismarck, lassen sich namentlich durch politische Rücksichten in ihren Maßnahmen leiten und suchen die Lehren der Geschichte zu beherzigen. Das große Kaiserreich deutscher Nation, das von der Tiber bis zur Eider reichte, ist schwach und machtlos geworden, sein Boden wurde zur Arena, aus der die Kämpfe der verschiedenen Nationen ausgekämpft wurden. Außer den äußeren Feinden waren es die Kämpfe mit der Kirche, die Sondergelüste der Einzelstaaten, die immer steigenden Anforderungen der Wahlcapitulationen, die dem Reiche ein Recht nach dem andern entrissen, welche diesen Schwächezustand herbeiführten. Auch jetzt hat das Reich mit der Kirche und den Einzelstäaten zu kämpfen und statt der Wahlcapitulationen sind es die aus den allgemeinen Wahlen hervorgegangenen Abgeordneten, welche die Kraft des Reiches, das noch sehr der Stärkung bedarf, zu schwächen suchen. Und auf der Seite Jener, welche täglich der Centralgewalt Schlachten liefern, stehen die Juden und kämpfen gemeinschaftlich mit ihnen, Schulter an Schulter. Allerdings darf auch nicht außer Acht gelassen werden, daß die Staats- Regierung nicht selten die Zügel zu straff anzieht, sowie daß der Reichskanzler nicht wählerisch in seinen Ausdrücken, Freund wie Feind verletzt. Die jüdischen Herren Abgeordneten erwidern diese Angriffe Schlag auf Schlag in meisterhafte^ Sprache und mit großem Jdeenreichthum, aber ohae Rücksicht auf die großen Verdienste und die hohe Stellung des Reichskanzlers und auf seine nervöse Reizbarkeit, ja ohne genügende Würdigung der angedeuteten historischen Momente. Das ist es, was Haß und Feindschaft hervorgerufen, Neu bleiben und den Mantel nicht nach dem Winde hängen, daraus kann Ihnen Niemand einen Vorwurf machen. — Daß es unter den konservativen keine jüd. Abgeordneten gibt, hat wohl darin seinen Grund, weil die Mehrzahl der conservativen Wähler sich nicht dazu verstehen wird, einem conservativen Juden —■ es gibt deren genug — ein Mandat zu iibertragen. Die Juden sind in keinem Theile Deutschlands zahlreich genug, um die Wahl eines Abgeordneten durchzusetzen, und die meist antisemitisch angehauchten Conservativen wählen keinen Juden. welche sich nicht auf die Personen beschränkt, sondern auch auf die Glaubensgenossen, die in ihrer Mehrzahl deren Gesinnungsgenossen und Wähler sind, erstreckt; das ist es auch, was die antisemitischen Bewegung angefacht und befördert hat. Wir stehen nun wieder vor den Wahlen, es ist vorauszusehen, daß unsere Glaubensgenossen in die Wahlbewegung eintreten werden mit dem Gefühle einer ihnen widerfahrenen Unbill, die sie zu bekämpfen und zurückzuweisen haben. Das ist es aber, wovor wir warnen möchten. Wir sind Deutsche, wir sind im Vollbesitze unserer bürgerlichen und staatsbürgerlichen Rechte, keine Bewegung irgend welcher Art vermag sie uns zu nehmen, wir haben daher bei den Wahlen lediglich in Betracht zu Ziehen, was dem Vaterlande frommt, was seine Einheit und Wohlfahrt erhöht, kein Gefühl der Erbitterung, keine Besorgniß für unsere eigene Zukunft darf uns leiten und beeinflussen, unser Wohl ist unzertrennlich mit dem der Gesammtheit verbunden. Lasset uns daher nur das Gesammtvaterland vor Augen haben und dadurch zeigen, daß wir Deutsche sind durch Geburt wie durch Gesinnung. Aus WeftpreuHen. Der Kreis Schlochau (Regierungsbezirk Marienwerder), aus dem schon wiederholt von antiseniitischen Tumulten gemeldet wurde, scheint in Hellen: Aufruhr zu fein. Tagtäglich werden aus jener Gegend Krawalle gemeldet, die wie die Vorboten des Bürgerkrieges aussehen. Heute berichtet man wiederum aus dem Städtchen Baldenburg, daß dort am 1. August, Abends 9 Uhr, der Pöbel in aller Form zum Tumult zusammengcblasen wurde. Mit Hurrarufen wurden in allen Wohnungen jüdischer Einwohner die Fenster eingeworfen, dann ging es zum Tempel, den man anzuzünden drohte. Man begnügte sich aber vorläufig, 42 Scheiben an demselben zu zertrümmern. Der Tumult dauerte bis 1 Uhr Nachts, und die Exccdenten drohten, später zu plündern. Eine Frau Lefevre wurde durch einen Steinwurf am Kopfe verwundet, während die jüdischen Einwohner sich in den entlegensten Winkeln der Häuser verbargen. Keine Verhaftung wurde vorgenommen. Die Polizei wird durch einen 80jährigen Polizisten verwaltet. Am 3. August ließ man in Folge dessen Bürgerwache aufziehen. Bemerkenswerth ist es, daß bei den Excessen besonders die Weiber sich Hervorthun, wie dergleichen stets bei revolutionären Bewegungen bemerkt wurde. Eppingen. Freitag den 25. Tamus wurde dahier ein Mann beerdigt, der durch edle und seltene Eigenschaften ausgezeichnet, es verdient, daß ihm

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