Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 22 (1881)
- Issue
- Heft 33 (17.8.1881)
- Date
- 1881-08-17
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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824 Du, der Du meinem Blute der Nächste bist, hättest doch bei einem so gewichtigen Schritte mich zuvor um Rath fragen sollen!" „„Ich habe Dich befragt, mein Oheim, und Du selbst hast mir den Rath gegeben."" „Wie, ich? Ich habe doch sonst ein gutes Gedächtnis aber dieser Angelegenheit erinnere ich mich nicht." „„Du hast, mein Oheim, mir den Rath gegeben, solche Waare aufzusuchen, die durch die Ungunst der Zeiten vernachlässigt und von aller Welt unbeachtet ist, die aber im Laufe der Zeiten im Werthe wieder steigen muß. Siehe, mein Oheim, ich habe alle Religionen und das Wesen aller Nationen geprüft, und habe kein Volk gefunden, das in den Äugen der Welt so niedrig und verächtlich ist wie Israel. Und doch wird es dereinst im Werthe wieder steigen, wie es der Prophet Jesaias im Ramm des einzigen und allmächtigen Gottes verheißen hat: Also hat gesprochen der Ewige, der Erlöser Israels, sein Heiliger, zu den niedergedrückten Seelen, zu dem verachteten Volke, zu dem Knechte der herrschenden Nationen, es wird eine Zeit kommen, in welchem Könige es sehen und vor ihm aufstehen, Fürsten sich vor ihnen bücken werden; dieses vollsührt des Ewigen Treue, Israels Heiliger, der Dich auserkoren."" Der Kaiser hatte einen Freigelassenen, Namens Alexander, der bei ihn: in hoher Gunst stand und bei dieser Unterredung zugegen war. „Großmächtiger Cäsar," sprach er, „solche kühne Worte, Dir gegenüber ausgesprochen, verdienen den Tod. Wie, Du, der Beherrscher der Welt, sollst Dich vor den Juden bücken!" Da entbrannte der Zorn des Kaisers gegen den Freigelassenen; er schlug ihm ins Gesicht, daß er zurücktaumelle. Dann sprach er zornig: „„Du willst mich reizen, den Sohn meiner Schwester tobten zu lassen! Nicht hat er etwas Unrechtes gesagt. Auch ein einfacher Legionär kann durch die Gunst der Götter hoch erhoben werden. Deshalb brauche ich mich nicht vor ihm zu bücken, solange er nichts als ein einfacher Legionär ist. Noch sind die Juden ein niedriges und verachtetes Volk. Das schließt jedoch nicht aus, daß sie hoch emporsteigen können auf der Staffel des Glücks."" Der Freigelassene konnte den Schimpf, den ihn: der Kaiser augethan, nicht verwinden. Er verließ das Gemach und gab sich den Tod. Untcrdeß sprach der Kaiser zu Aguila: „Gib mir die Gründe an, warum Du zum Judenthume übergetreten bist." „„Ich wollte,"" antwortete Aguila, „„dieLelm ftudiren, die der allmächtige Gott ihnen offenbart ha und die kostbarer ist als alle Schätze de Welt? „Du hättest diese Lehre erforschen können, olmj zu ihrem Glauben überzutreten und ohne die Bq schneidung an Dir zu vollziehen." „ „Nicht doch, mein Oheim, das ist nicht möglichl Es heißt in der heiligen Schrift: Er hat verkündet seine Worte an Jakob und seine Rechte an Israel — Nur wer dem Volke Jakobs sich anschließt, wci mit Israel sich vereint, kann Gottes Wort uni namentlich die mündliche Lehre in vollkommener Weist in sich aufnehmen. Dem Außenstehenden ist das uis möglich. Nur wer lernt, um zu lehren, zu beobac ten und zu thun, wird in den tiefen Sinn der heilige! Lehre einzudringen vermögen. Andern bleibt sie vei schlossen. Wirst Du, mein Kaiser, einen Krieger bs lohnen, der nicht die Waffen im Kampfe für Dis geschwungen? Die Beschneidung ist die einzige Pfortj durch die der Eintritt möglich ist in den Palast dc Gotteslehre."" „Und was bietet diese Lehre so Großes?" „„Du, großmächtiger Cäsar, bist nicht allein dc Beherrscher der Welt, Du bist auch in alle Wissej schäften tief eingedrungen. Du gebietest nicht allci den Völkern und Ländern, sondern beherrschest au^ mit Deinem mächtigen Geiste das große, unendli« Gebiet der Wissenschaften. Dir ist nicht fremd, tri der Geist der griechischen Weisen sich abgemüht, d! Wahrheit zu finden. . Pythagoras, die Eleate Heraklit, Sokrates haben die Wahrheit gesucht, Pla und Aristoteles haben große Gebäude des Wiffei! errichtet — sie alle haben die Wahrheit nicht gefuj den. Aber das kleine, jüdische Kind, welches anfänc die Thora zu lesen, ihm wird die Wahrheit offenbcl Es erfährt, daß ein einziger, allmächtiger Gott i| welcher die Himmel geschaffen, die Sonne, den Mo:! und die Sterne, welcher die Erde gemacht und all'ihl Bewohner, der eine Grenze gesetzt dem Meere, dc es seine Ufer nicht überschreite, daß Er ist der Lei ker und Regierer des Weltalls, ohne dessen heilig Willen nichts geschehen kann, weder im Himmel na auf Erden."" „Du machst mich neugierig, Aguila. Führe n] einen der Weisen Israels zu, damit ich diese wuM bare Lehre näher kennen lerne und mich in Bezug ei Mancherlei unterrichten lasse, was mein Gemüth Jahren beschäftigt." (Fortsetzung folgt/ Hierzu drei Beilagen. Ze ist lich In' art bal bift digi wo! so! den das Ma kein Ba! dell frül MN! emr 109 wel nack Böl wel> die und hal! thui nich den eine and Gn sur bild Jut von aus Verantwortliche Redaction: Dr. Lehmann in Mainz. — Verlag und Expedition deS „Israelit* große Bleiche 45. I. Got tSleben'S Buchdruckerei (Mainzer Anzeiger).