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Der Israelit · 1881-08-17 · Heft 33 (17.8.1881) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
22 (1881)
Issue
Heft 33 (17.8.1881)
Date
1881-08-17
Page
– (sequence 7)
Language
German
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823 schon früh mit der Hoffnung, von Trajan adoptirt und zu dessen Nachfolger bestimmt zu werden. In diesem Falle stand der kaiserliche Purpur dem Aquila, welcher der nächste Verwandte Hadrians war, in Aussicht. Es war also nicht zu verwundern, daß der Präfect von Syrien bereit war, einen großen Theil seiner Reichthümer dem geliebten Neffen zukommen zu lassen. „Habe Dank, mein Oheim," antwortete Aquila, „für Dein yroßmüthiges Anerbieten. Aber nicht der Besitz reizt mich; mir bereitet vielmehr das Ringen nach Erwerb die wahrhafte Freude, Du, der klügste aller Menschen, kannst mir wohl einen guten Rath geben, in welcher Weise es mir möglich sein wird, erfolgreich einen schwungvollen Handel zu betreiben." „„Meinen Rath,"" antwortete Hadrian geschmeichelt, „„will ich Dir nicht vorenthalten. Wenn Dir eineWaare aufstößt, welche zwar an sich werthvoll, aber durch die Ungunst der Zeit vernachlässigt und von aller Welt unbeachtet ist, so kaufe sie. Du wirst sie billig haben können und brauchst nur den Zeitpunkt abzuwarten, in welcher sie im Preise wieder steigen wird. So wirst Du glänzende Geschäfte machen."" „Dein Rath ist vorzüglich," antwortete Aquila, „und ganz dem Manne angemessen, der in allen Wissenschaften und Künsten zu den Ersten seiner Zeit zählt, der in der Malerei einem Polyktet und in der Bildhauerkunst einem Euphronor gleichkommt, der in der Mathematik ein zweiter Euklid und in der Medicin ein anderer Hippokrates ist, den in der Philosophie Aristoteles und in der Rhetorik Demosthenes zu ihren besten Schülern zählen würden." Hadrian lächelte; das große Lob, das ihm sein Neffe zollte, erschien ihm durchaus nicht unverdient. Aquila begab sich nun, wie wir bereits oben erwähnt haben, nach Jabneh, wo er zuerst von Rabbi Elieser abgewiesen, von Rabbi Iosua aber ermuntert und herangezogen wurde. Auch Rabbon Gamliel und Rabbi Akiba wurden ihm freundliche und liebevolle Lehrer. Aquila trat zum Judenthum über und vollzog an sich selbst die Beschneidung. Nunmehr studirte er Tag und Nacht und übersetzte die heilige Schrift in das Griechische. Auch Rabbi Elieser zog, als er den Ernst des jungen Proselyten sah, denselben an sich heran und theilte ihm von seinem reichen Wissen mit. Als Aqnila die griechische Uebersetzung der heiligen Schrift vollendet hatte, las erste seinen Lehrern, Rabbi Elieser und Rabbi Iosua, vor, und diese lobten sie ganz außerordentlich. Sie wendeten auf ihn den Vibelvers an: Du bist der schönste unter den Menschenkindern, Anmuth ist ausgegossen auf Deine Lippen, Dich hat Gott auf ewig gesegnet (Psalm 45. V. 3). Von dieser Bibelübersetzung des Aqulla sind uns nur noch wenige Bruchstücke erhalten; diese befinden sich in der von Monfoucon herausgegebenen Hexapla des Origines. Auch Rabbi Asarrah de Rosst theilt uns m seinem Werke „Meor Enajim, Jmre Binah," C. 45, Einiges daraus! mit. — Wir ersehen aus diesen Bruchstücken, daß sich Aquila befleißigt hatte, die heilige Schrift wortwörtlich zu übersetzen und jedes hebräische Wort durch ein entsprechendes griechisches wiederzugeben. Dieses Verfahren ist zwar sehr genau, verdunkelt aber vielfach den Sinn und thut dem Geiste der Sprache, in welcher die Uebersetzung geschrieben, oftmals Gewalt an. Deßhalb entschloß sich Aquila, noch eine andere Uebersetzung anzufertigen, und zwar in der Sprache, welche damals von den Juden allgemein gesprochen wurde. Jetzt befleißigte er sich, mehr den Sinn als den Wortlaut wiederzugeben und die traditionelle Anslegung seiner Lehrer Rabbi Elieser und Rabbi Iosua dabei zu berücksichtigen. Das ist die unter dem Namen Targum Onkelos so berühmt und für uns Juden so bedeutend gewordene Uebersetzung. Sie ist uns vollständig erhalten und wird von jedem ge« setzestreuen Juden neben dem Helligen Urtexte allwöchentlich derart gelesen, daß die Lectüre des Pentateuch in jedem Jahre vollendet wird. In Folge dieser anstrengenden Studien und Arbeiten hatte sich das frische Aussehen Aquila's verloren, sein Gesicht war blaß geworden und seine Wangen waren eingefallen. Als er die Nachricht erhielt, daß sein Oheim Kaiser geworden, eilte er nach Antiochia, um ihm seine Huldigung und seine Glückwünsche darzubringen. „Aquila," rief ihm Hadrianus entgegen, „wie siehst Du so schlecht aus! Dein Antlitz ist erblaßt. Deine Wangen sind eingefallen, Deine Gestalt ist gebeugt. Du hast gewiß schlechte Geschäfte gemacht!" „„Im Gegentheile, theurer Oheim,"" entgegnete Aquila, „„ich habe sehr glänzende Geschäfte gemacht."" „Und was für Waaren hast Du eingekauft?" „„Die kostbarsten, die exiftiren, die mit allen Schätzen der Welt nicht bezahlt werden können."" „Und'welchen Preis hast Du dafür gegeben?" „„Nur ein Stückchen Vorhaut."" . „Du sprichst in Räthseln." „„Ich bin Jude geworden und habe die Beschneidung an mir vollzogen."" „Unglückseliger, wie hast Du das wagen können!

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