Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 22 (1881)
- Issue
- Heft 33 (17.8.1881)
- Date
- 1881-08-17
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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821 Kunden lang Untersuchung angestellt, ohne daß wohl .le Handhabe sein wird, den Urhebern des Skandals jt auf die Spur zu kommen. Alle umliegenden Städte, Baldenburg, Rummelsburg, Ratzebuhr, Schlochau, Friedland, Jastrow u. s. w. sind von der antisemitischen Bewegung angesteckt. Von Pommern greift sie jetzt immer mehr nach Westpreußen hinein. Aus Hinterpommern, 5. Aug. Die „Preuß. Lehrerzeitung schreibt: „In dem Winkel Pommerns, cider jetzt stark in Judenkrawallen macht und dadurch ,!- auf eigene Weise berüchtigt wird, sind die Schulverhältnisse häufig recht traurig. Schlimm genug ist es schon, wenn hier so mancher Lehrer noch 120 te bis 150 Schüler, oder wenn in einer dreiklassigen li. Schule der erste Lehrer 80 bis 90, der zweite '90 bis 100 und der dritte gar 100 bis 120 Kinder zu unterrichten hat; viel schlimmer aber ist die sogenannte Sommer- oder Hüteschule, wie sie hier in iß Blüthe steht. Die Schule in K., an der nur ein Lehrer angestellt ist, zählt gegen 180 Kinder, von eil denen etwa 80 zur Oberstufe gehören. Diese sollen ui nur täglich 2 Stunden von 6 bis 8 Uhr Morgens die Schule besuchen. In Wirklichkeit aber kommen st von diesen nur 12 bis 20 regelmäßig, viele dagegen wöchentlich nur ein-, höchstens dreimal zur Schule, Tijja ein ganz erheblicher Procentsatz ist permanent r: „schulflüchtig^ . . . Was aber aus solchen Kindern si ivird, wenn sie erwachsen, das zeigen die jüngsten Ervgnisse in dieser Ecke." Aus Pollnow (Hinterpommern), 9. August, »bringt die „Danz. Ztg." folgenden Bericht: Schon Klange befürchtet man hier bei der herrschenden Erregung der Gemüther und den fortwährenden Hetzereien der Antisemiten Excesse gegen unsere jüdischen Mitbürger. Die Polizeiverwaltung ließ am Freitag bekannt machen, daß das Gesinde, die Lehrlinge und die Gesellen nach nenn Uhr Abends nicht mehr aus dem Hause gelassen werden sollten. Allabendlich aber entwickelte sich statt der erhofften Ruhe ein seltsam bewegtes Leben aus den Straßen, das unheimlich gegen die sonstige Eintönigkeit, welche in unserer Stadt herrscht, abstach. Sonntag Abend fanden hier und da sogar schon Zusammenrottungen statt, die Schlimmes befürchten ließen und Veranlassung zu einigen Verhaftungen gaben. Gestern Abend versammelte sich eine große Volksmenge vorder Wohnung eines jüdischen Mitbürgers. Thüren und Fenster wurden in dem Hause zertrümmert, die Maaren aus dem Laden geschleppt und aus die Straße geworfen. Nachdem diese Heldenthaten verübt waren, zog der Volkshausen durch mehrere Straßen, richtete indeß weiter keinen bedeutenden Schaden an, nur bei einem Juden wurden noch die Fenster eingeworfen. Die durch Gendarmerie verstärkte Polizei war der Menge geegnüber machtlos. Jafkrotv (Westpreußen), 6. August. Gestern Abend fanden erneute Tumulte statt. In der Synagoge, dem Hause des jüdischen Kultusbeamten und einer Reihe von Privathäusern wurden Fensterscheiben demolirt. Während des Tumultes traf der Landrath Freiherr von Kethelhodt aus Dt.-Krone hier ein und trug durch sein energisches persönliches Eingreifen wesentlich zur schnellen Vertheilung des aufgeregten und lärmend durch die Straße ziehenden Pöbels' bei. Schon vorher hatte die Polizei und auch der Bürgermeister selbst, jedoch zunächst ohne sichtbaren Erfolg, energisch gegen die Excedenten angekämpft. Einige Verhaftungen sind vorgestern und gestern vorgenommen. Mehrere fremde Gendarmen sind heute eingetroffen. Die Synagoge war gestern Abend und ist heute geschlossen. Heilbronn. Freitag, den 29. v. Di., Abends 6 Uhr 54 Minuten ist das geistliche Mitglied der württembergischen Oberkirchenbehörde, der Stadt- und Landrabbiner, Herr Dr. Wassermann aus Stuttgart, von hier per Bahn abgefahren und kam 9 Uhr 28 Min. Abends in Stuttgart an, dieses öffentliche ntm von einem Manne, der die erste Rabbinerstelle im Lande inne hatte, erregte hier viel. Aergerniß. Rußland. Aus Kiew wird der „P. C." unterm 3. Aug. geschrieben: Die Juden-Versolgungen im Gouvernement Pultava werden noch immer fortgesetzt. So haben in letzterer Zeit am 24. Juli in Borispolje, einem 30 Werst von Kiew entfernten Städtchen, am 31. Juli in Czernigow und am 2. August in Niezin, einer von Juden stark bewohnten Stadt im Gouvernement Czernikow, mehr oder minder erhebliche Unordnungen und Ansschreitungen gegen die Inden stattgefunden, bei denen trotz des Einschreitens der bewaffneten Macht nicht nur das Vermögen vieler Inden gänzlich zerstört wurde, sondern auch viele Menschenleben zu beklagen waren. Den größten Umfang haben jedenfalls die Excesse in Borispolje erreicht. Bei den tumultuarischen Scenen, die sich dort abspielten, wurde der dortige Gendarmerie- Officier angegriffen und verwundet und mußte die dorthin aus Bitten der Juden gesendete Kosakenabtheilung von ihren Waffen energisch Gebrauch machen. Die Zahl der Verwundeten soll sich auf 36 belaufen haben. Außerdem ist in 25 umliegenden Dörfern zur selben Zeit das sämmtliche Vermögen der dort wohneriden Juden zerstört worden. Die Excesse in Borispolie ereigneten sich wenige Tage, nachdem fast sämmtliche jüdische Häuser ein Raub der Flammen geworden waren, und nahmen folgenden