Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1881-08-10 · Heft 32 (10.8.1881) · page 19

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
22 (1881)
Issue
Heft 32 (10.8.1881)
Date
1881-08-10
Page
– (sequence 19)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2446951-2447850-2447880--17892-2473913
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

811 D\r:nis (Midr. Esth. I) wird ebenfalls wie das ige durch Tarquinius erklärt und soll sogar eine art existiren, die B. als die richtigere eht, doch mit Unrecht; hier ist ebenfalls anTrajan lenken, wofür uns die angef. Stelle selbst den hweis liefert. Dieselbe Stelle findet sich Midr. a, Abs. u. jer. Succah 55 b. (hier Dui’jna) enthält die Aufforderung der Kaiserin an den fcr mit den Worten 'oi D”-o-on m eodd nnNzr ny, t die Barbaren zu unterwerfen, möge er die Juden Unterwerfung bringen; eine unzweifelhafte Anisßlung auf die Kriegszüge Trajan's gegen die cher.;ri ilungsnachrichlen und Correspondenzeu. i?z Deutschland. München, 25. Juli. In der zur Vorfeier Geburts- und Namensfestes des Königs heute lgehabten feierlichen öffentlichen Sitzung der k. »ejidemie der Wissenschaften hielt deren Vorstand, chsrath und Stiftsprobst Prof. Dr. v. Döllinger, einleitenden Worten einen Vortrag über- „die ere Geschichte des jüdischen Volkes." Der Red- )! betonte, wie die „A. Allg. Ztg. berichtet, zunächst, in der semitischen Frage unserer Zeit die Parn sich schroff gegenüberstehen, so daß jetzt wie der Ruf: „Hie Welf, hie Waiblingen", durch i, ttschlands Gauen der Ruf m schallen scheine: e Semiten und Semitenfreunoe, hie Antisemiten", nicht geringe Verwunderung müsse es da erm, daß gerade in der Hauptstadt des Deutschen ches der Streit so heftig entbrannt ist. Süddeutschd sei in die Bewegung weit weniger hineingezogen den als Norddeutschland, aber die hier sich regen- Triebfedern seien in unserer Nähe doch nicht Kraft und in unseren Tagen dürfe sich die h ssenschaft nicht wie früher sich selber genügsam dem Markte des Lebens entfernt halten, sondern müsse sich an der Lösung der unserer Zeit geten Aufgaben betheiligen und mit aller Kraft Lösung der Fragen der Zeit zu fördern suchen, iiiner wolle deßhalb den Versuch machen, m zeigen, I die Dinge so geworden sind und wie der Knodessen Lösung heute Niemand anzugeben ver-;e, sich dem aus der Zeit hervorgehenden warben Spiegel vormals begangener Mißgriffe entnstellt. Die Schicksale des jüdischen Volkes vielleicht das erschütterndste Drama der Welt- Dichte, und daß sie es sind, daran trage hauptjch ein zum Theil auch jetzt noch in weiten nen vorhandenes Gebrechen'die Schuld: der n a W Mangel des Gerechtigkeitssinnes, der Gedanke: Wir allein sind im Besitz der allein Rettung bringenden Wahrheit und darum muß uns auch Alles gewährt werden und erlaubt sein, was zur Verbreitung und Geltendmachung dieser Wahrheit nothwendig oder dienlich ist. Die christliche Religion habe die wahre Gerechtigkeit zusammengefaßt in den Begriffen der Nächstenliebe nach dem Maße der Selbstliebe; aber in unabsehbarem Umfang ist dies Machtgebot von Tausenden und aber Tausenden nicht verstanden und übertreten worden. Wie es in der Gegenwart damit steht, das zu sagen, sei nicht des Redners Aufgabe; das aber sei leicht zu erkennen, daß eine Nation um so viel höher steht als Trägerin der Eultur, je größer in ihr die Zahl der vom wahren Gerechtigkeitsgefühl durchdrungenen Personen ist. Die Lebensfrage der nächsten vor uns liegenden Zeit sei die: Wie das Ehristenthum sich zu den Juden stellen wird. Die älteste Kirche bleibt darin dem Wort und Beispiel ihres Meisters und der Lehre der Apostel getreu; sie glaubt und lehrt hauptsächlich zwei Dinge: 1) der Tod des Stifters der christlichen Kirche ist keineswegs eine auf der ganzen Nation fort und fort lastende Schande. Das jüdische Volk ist keineswegs von Gott verstoßen, wenn auch seine Zerstreuung, wenn der Untergang seines Staatswesens, seines Tempels und seiner Hauptstadt als Strafe anzusehen ist. Israel bleibt das auserwählte Volk, da Gott seine Verheißung nicht zurücknimmt. Der Redner führt nun an der Hand der Geschichte in erschütternder Weise ans, wie später die christliche Kirche gegen die Juden nicht mehr von Liebe, sondern von Fanatismus erfüllt war, wie sogar die Bedrängung und die Vernichtung der Juden als eit: Verdienst um die christliche Kirche galt, wie die Juden förmlich gezwungen waren, nur den Geldgeschäften und dem Schacher sich zuzuwenden. Die Juden habe der Christ erst so gemacht, wie Shakespeare von seinem Kaufmann von Venedig sagt. Das zeige uns die Geschichte. Seit der Reformation habe sich allerdings das Loos der Juden fortgesetzt immer günstiger gestaltet. Das jüdische Volk hat sich trotz aller aus den Ambos geführten Hammerschläge nicht gemindert, sondern ist stetig gewachsen. Es ist ihnen die bürgerliche Gleichstellung geworden, sie sitzen in Parlamenten und Stadtvertretunaen, Israeliten sind fast zu allen Universitäten als Professoren zugelaffen und die Zahl der zu ihnen sich drängenden Juden wächst mit jedem Tage; die „Alliance Jsraelite Universelle" scheint fortdauernd an Einfluß zu gewinnen. Die alten Tugenden der Mäßigkeit und Enthaltsamkeit, wohlgeordnetes Familienleben, Pietät der Kinder gegen die Eltern, welche soviel dazu gethan haben, in den schweren Zeiten des Mittelalters das jüdische Volk vor dem

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.