Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 22 (1881)
- Issue
- Heft 32 (10.8.1881)
- Date
- 1881-08-10
- Page
- – (sequence 20)
- Language
- German
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m p 812 Untergänge zu bewahren, sind auch jetzt noch nicht von dem jüdischen Volke gewichen. Diesen Lichtseiten stehen allerdings auch düstere Schattenseiten gegenüber. Das Schlimmste, was hauptsächliche Ursache des Volkshasses gegen sie bildet, ist unstreitig die Uebervortheilung der Landbevölkerung; die Verantwortlichkeit auf Alle überzuwälzen, das wäre doch Unrecht. Dasselbe gilt von dem Gründerunwesen bezüglich dessen Christen und Juden sich in die Schuld theilen. Nicht minder theilen sich beide in die Sünden der Tagespresse. Gegenwärtig finden wir gerade in Deutschland die Träger des geistigen Lebens im Schoße des Judenthums. Die deutschen Rabbiner sind jetzt in dem Besitze jener religiösen Literatur, von der ihre Glaubensgenossen in anderen Ländern sich nähren. Der deutsche Jude denkt in allen Dingen des sozialen und politischen Lebens deutsch. Sollen nun aber die Menschen berufen sein, die Sünden und Vorurtheile der Vorfahren, ihre Schande fort und fort an den Nachkommen zu rächend Es hat dies die Länder Europas schon sattsam mit Schmach bedeckt und wehe uns und unseren Enkeln, wenn jenes Rachegesetz in Deutschland, Frankreich und England jemals wieder zur Anwendung kommen sollte. Eines sollte doch unsere Generdtion nicht vergessen: Haß und Verachtung ist ein Gefühl, das traurig und unbegreiflich ist für den, dem sie gelten. Beherzigen wir, was schon Sophokles in seiner Antigone sagt: „Nicht mit zu hassen, mit zu lieben bin ich da." Colberg, 24. Juli. Wenn wir eine edle Handlung ausüben sehen oder ein heiliges Werk erblicken, so fühlen wir uns sittlich gehoben und gestärkt. Von einem solchen Gefühle werden wohl die Herzen Aller erfüllt, die das jüdische Kurhospital (nwe-rn no) int Seebade Colberg besuchen und das segensreiche Wirken und Schaffen dieser Humanitäts- Anstalt wahrnehmen. Eine größere Anzahl leidender Personen aus nah und fern, die doppelt unglücklich sind, nicht nur ihr theuerstes Gut, ihre Gesundheit, nicht zu besitzen, sondern auch arm und hilflos dazustehen, finden in dieser Kur- und Krankenverpfleguttgsanstalt jeden Sommer liebevolle Aufnahme und erhalten in wahrhaft menschenfreundlicher Weise Alles, was man überhaupt in einem Badeorte nöthig hat: Logis, Kost und Bäder. An so manchem Siechen und Kranken hat sich schon der schöne Segensspruch, der über dem Eingänge der Anstalt zu lesen ist, "1*0:1 new ij-o ")iws3 nrw erfüllt. So Mancher, der diese Wohlthätigkeitsanstalt krank und siech betrat, hat sie gesund, gestärkt und gekräftigt verlassen. Wie vielen Familien hat sie den Ernährer und die Mutter, wie vielen Eltern ihr kränkelndes Kind mit neugewoi men neuer Lebenskraft zurückgegeben! — 8laubk Daß ein solches wohlthätiges, im Geiste wahr« «es Hc Menschenliebe wirkendes Institut sich schon währen och gk der kurzen Zeit seines Bestehens zahlreiche Freund frieder und Gönner in Israel zu erwerben wußte, brauch Mensch kaum gesagt zu werden. Aber das verdient wol Mensch in einer Zeit, wie die unserige, nachdrucksvoll he ll eine vorgehoben zu werden, daß die segensreiche Thäti« ST keit und gedeihliche Entwickelung des jüdischen Kui lissen Hospitals nicht nur an andern Badeorten zur Griff atoriu düng ähnlicher Anstalten den Anstoß gegeben, son uch ju dern auch hier in Colberg die christliche Bevö eit dt kerung angeregt hat, ein gleichartiges Institut z ollem schaffen. Und Juden waren es auch, die durch sehiewuß namhafte Spenden die Errichtung dieser Schwefle! jres s anstatt, den Bau des christlichen Kurhospitals fös derten, ja den Grund zu demselben legten. Heute, Vormittags, fand die jährliche Stiftung feier des jüdischen Kurhospitals statt. Nachdem de Cantor einige Gesänge mit lauter, wohlklingend Stimme recitirt hatte, bestieg der Rabbiner, Her Dr. Goldschmidt, die Kanzel und hielt die Festred Anknüpfend an die Worte Jeremias 1, 4—8 setz der begeisterte Redner an der Hand der Geschich auseinander, daß auch Israel gleich dem Prophcte schon vom Mutterschooßc an berufen war, eim wahnbethörten Welt die höchste Wahrheit, die G ll! e -Sperre setze der Liebe und Barmherzigkeit durch Wort m Z§at, durch Lehre und Beispiel zu künden und de Namen Gottes auf Erden zu verbreiten. Aber au« Israel habe in der Vergangenheit und Gegenwar wie der gottbegeisterte Prophet Jeremias, nur schn den Undank erfahren. — Redner wies sodann i beredten Worten auf die segensreiche Wirksamke der Anstatt hin, deren Stiftungsfest begangen wnrdßruster« und gedachte voll herzlicher Theilnahme des neu e öffneten christlichen Kurhospitals am hiesigen Ort das an demselben Tage die Weihe vor Gott u Menschen erhalten sollte. Den Schluß der meiste chst jetz it Schn!NN. G rsenbe i Haft angelegten und ausgeführten Rede bildeten S &0n ei, genswünsche für das Kaiserhaus und für die hoh«? me» Staatswürdenträger, für die Wohlthäter und d Kranken der Anstalt. Es waren Worte, die vo ^nasia Herzen kamen und zu Herzen gingen. >rg für Am Nachmittage desselben Tages ging!> rbereitei Einweihungsfeier des christlichen Knrhospitales i Offerte» würdiger Weise vor sich. Der Bürgermeister d« rosse, Stadt, Herr Kümmert, hob in echt humaner G sinnung in seinem Berichte hervor, daß die fegen <-• ü -'t-'-L ...v s.:. —nr.-i....; JaP Koch reiche Thätigkeit und die gedeihliche Entwickeln!! des jüdischen Knrhospitales die Anregung und d t, JU' z! jüdische Mildthätigkeit zum großen Theile die Mitt tmUiare zur Gründung dieser Anstatt verliehen habe. — S Offerte sind es die Werke der Liebe und Barmherzigkeit, die Ex