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Der Israelit · 1881-08-10 · Heft 32 (10.8.1881) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
22 (1881)
Issue
Heft 32 (10.8.1881)
Date
1881-08-10
Page
– (sequence 9)
Language
German
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**>;« XXII. Jahrgang. Erste Äeilage;u Nr. 32 des Israelit. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. lh Berlin, 21. Juli. Der „Voss. Ztg." wird sjAus Neustettin geschrieben, daß dort gestern Abend \ inter Vorsitz des stellvertretenden Regierungspräsidenten, Reg.-Rath Grafen d'Haussonville aus Köslin, ine gemeinschaftliche Sitzung des Magistrats und xIer Stadtverordneten stattgefunden hat, in welcher \ Maßregeln berathen wurden, die geeignet wären, entere« Ruhestörungen vorzubeugen. Graf d Haussonille ermahnte dabei die Vertreter der Stadt, in den D( hnen offenstehenden engeren und weiteren Kreisen iiit allen Kräften dahin zu wirken, daß wieder Friede tub Eintracht in der Stadt einkehre. Bürgermeister itb L>tadtverordneten-Vorsteher constatiren übereinlimmend, daß von dem Tage, an welchem Dr.. ‘U1 lenrici seine erste Hetzrede in Neustettin gehalten, iy Unfriede zwischen den Bürgern datire, der jetzt ■ ir'trauriflcn Folgen gezeitigt habe. Der Stadtverrdnetenvorsteher ügte hinzu, daß auch die antisentische Presse alltäglich die niedrigsten Leidenschaften cs Pöbels aufgestachelt habe. )N ch' en , Posen. Dem dreiundvierzigsten Bericht über W ie Verwaltung und den Stand der israelitischen baisen-Knaben-Anstalt in Posen (Jahr 1880) entehmen wir: Die Anstalt beherbergte 22 Zöglinge. Aus der Anstalt schieden 5. Von den Zöglingen besuchten 15 die BürgerseWule, 5 die Mittelschule, 2 das Friedrich Wilhelmild Marien-Gymnasium. An Dotationen und Legate gingen 4811 M. ein. Bei dem Rückblick auf den vierundvierzigjährigen eitraum des Bestehens unseres Instituts ist es erculich, folgende Resultate vermerken zu können. Es haben 134 Waisenknaben Aufnahme in die nstalt gefunden: von diesen haben 59 das Handelt ergriffen: 23 find zum Kaufmannsftande übergangen, 11 Zöglinge gingen zu ihren Verwandtett ich Amerika, 20 sind anderweit entlassen, 4 sind storben, 17 gehörten am Jahresfchluß dem Waisenluse an. Vielfache Bewerbungen..um Aufnahme n Zöglingen liegen bereits vor, sd^.aß die vakant drei Stellen bald wieder besetzt fetVt werden. ib gcl Zu ei 3t ha lk« lg!t. Die Einnahnten betrugen 17,740 M., die Ausgaben 11,790 M. Aus Pommern. Dem „Berliner Tageblatt" schreibt man aus H a m m e r ft e i n, einem Städtchen in der Nähe von Neustettin: „Bald nach den Scenen in Neuftettin konnte man hören, daß dieselben hier Nachahmung finden würden. Schon am Mittwoch Abetid rotteten sich 50 junge Burschen zusammen und zogen unter Hep-Hep-Rufen und „Juden raus" vor das Geschäftslokal des Kaufmanns W. Hirsch. Die kriegerische Stimutung wuchs in den folgenden Tagen, so daß auf Einordnung des Landsrathsamts in Schlochau am Sonnabend vier berittene Gensdarmen nach Hammerstein citirt wurden. Am Sonntag Abend endlich begann der Tumult. Die Fenster und Lüden der jüdischen Wohnungen wurden zertrümmert. Die vier Gensdarmett konnten den Ausschreitungen keinen Einhalt gebieten." Die aus Nenstieltin eingegangenen jüngsten Nachrichten lassen zwar die dortige Stimmung als wesentlich beruhigt erscheinen: wie weit jedoch die fanatische Verhetzung geführt hat, beweist der nachstehende Brief, der selbst als Scherz höchst bedauerlich wäre, nach der Art seiner Ausführung aber ernsthaft genommen werden muß. Derselbe ist am 20. Juli zwischen 8—12 Uhr Abends auf dem Postamt I. in Posen an die Adresse des Buchdruckers Adolf Cohn in Neustettin aufgegeben, in lateinischen Lettern von offenbar studirter, ausgeschriebener Hand geschrieben und hat folgenden Wortlaut: „An den Juden Adolf Cohn, Neustettin. Warnung. Wegen gemeiner Vergehen gegen Christen und Hetzereien zur Bestrafung notirt. Verein zur Ausrottung der Juden." Dann folgen drei schwarze Kreuze und darunter ein Siegel, das die Inschrift: „Tod allen Juden" und ein sehr sauber ausgeführtes Kreuz mit Glorienschein zeigt. Der Brief wird, wie ich höre, der königlichen Staatsanwaltschaft zu Köslin als schätzbares Material übergeben werden. Merzig an der Saar. Die hiesige Gemeinde hat durch oen Tod des Herrn Moses Weil sen., der am Montag den 18. vorigen Monats erfolgte, eine schweren Verlust erlitten. Derselbe, im Alter von 75 Jahren stehend, entstammte noch jener Zeit, in welcher gewissenhafte Eltern für ihre Kinder nicht

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