Mannheim
Compact Memory

Der Israelit · 1881-08-10 · Heft 32 (10.8.1881) · page 8

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der Israelit
Volume
22 (1881)
Issue
Heft 32 (10.8.1881)
Date
1881-08-10
Page
– (sequence 8)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2446951-2447850-2447880--17881-2473902
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

800 Hier ist der Befehl des Kaisers Publius Aelius Hadrianus!"" Da wurde Lucius Quietus von feinen eigenen Soldaten ergriffen und gefesselt. Papus und Julianus waren gerettet. Kaiser Trajan war in Antiochia an der Wassersucht erkrankt; er nahm Abschied von seinen Heeren, um nach Rom zurückzukehren, als ihn in Selinus, in Eilicien, der Tod ereilte, ohne daß er vorher im Stande gewesen wäre, seinen lang gehegten Plan auszuführen und seinen Lieblingsfeldherrn, Lucius Quietus, zu seinem Nachfolger zu ernennen. Dagegen gelang es seiner Gemahlin Plotina, ihrem Günstlinge, Publius Aelius Hadrianus, den kaiserlichen Purpur zu verschaffen. Als Trajan gestorben war, verheimlichte die Kaiserin den Tod des Herrschers der Welt und ließ die Leiche heimlich aus dem Sterbezimmer entfernen. Statt des todten Kaisers legte sich ein vertrauter Diener der Kaiserin auf das leergewordene Lager. Plotina zog die Vorhänge des Bettes fest zu und rief dann Zeugen in das Sterbezimmer, die eine schwache, ächzende Stimme, wie die ihres sterbenden Herrn, aussagen hörten, daß er seinen getreuen und vielgeliebten Vetter Publius Aelius Hadrianus als seinen Sohn adoptire und zu seinem Nachfolger ernenne. Dann unterschrieb die Kaiserin das von den Zeugen ausgenommenen Aktenstück im Namen des Kaisers, auf Geheiß derselben ächzenden Stimme. Zwei Tage später empfing Hadrian in Antiochia die Nachricht von seiner Adoptation und von dem angeblich bald nachher erfolgten Tode des Kaisers. Sofort huldigten ihm die Legionen, an die er überreiche Geschenke vertheilen ließ. Dann schickte er eine Gesandtschaft an den Senat und bat um die Bestätigung des letzten Willens des verstorbenen Fürsten und der Wünsche der Legionen. Vor Allem aber suchte er seinen gefährlichsten Nebenbuhler, Lucius Quietus, zu beseitigen, was, wie wir gesehen haben, ihm auch vollständig gelang. Quietus wurde gefesselt nach Rom gebracht und von dem gefügigen Senate zum Tode verurtheilt. Er wurde durch das Schwert enthauptet. Von den Juden war durch die Entsetzung und durch den Tod des Quietus eine furchtbare Gefahr abgewendet. Die Weisen Israels setzten zum Andenken an diese wunderbare Rettung einen Festtag ein, den man Trajanstag nannte. Derselbe wurde jedoch spater, als neue Leiden kamen, wieder ausgehoben. Der Anfang der Regierung des neuen Kaisers XX stellte sich für die Juden außerordentlich günsti, Rabbi Josua und Rabbi Akiba standen bei ihm hohen Gnaden, und er suchte bei diesen weis Männern, den größten Gelehrten der Welt, seine /jf] endlosen Wissensdurst zu stillen. \2] Publius Aelius Hadrianus war, wie sein ai geblicher Adoptivvater, ein Spanier von Gebur Seine Familie, die in dem Städtchen Adria od Hadria, welches dem adriatischen Meere den Nam gegeben, heimisch gewesen, war ungefähr drei Ja hunderte vor den erzählten Ereignissen mit d Heeren der Scipionen nach Spanien gewandt! hatte sich in der römischen Eolonie Italic« nieder^ lassen und hatte zu ihren Familiennamen Aelii den Beinamen Hadrianus als Erinnerung an ursprüngliche Heimath hinzugefügt. Der neue Kai war in Rom erzogen worden. Als er im Al von zehn Jahren beide Eltern verlor, wurde Tit . janus, der ein Vetter seines Vaters war, mit \ Vormundschaft des Knaben betraut. Dieser schil ihn nach Athen, wo er fünf Jahre lang von l ilte e vorzüglichsten Lehrern unterrichtet wurde. Er wl mit dem Geiste der Athener erfüllt und machte I ll** ä!Us 91 mter eilten ine c )tT entert neu nb E nicht nur ihre Sprache zu eigen, sondern wetteife^ auch mit ihnen in allen ihren besondern Fertigkeit»!^ im Singen, im Spielen, in der Mathematik, in »lmme Heilkunst, in der Malerei und in der BildhauerkuMmc Sein Gedächtniß grenzte ans Wunderbare, sein war unglaublich. Er fand an Vielerlei GeschiM lra und Interesse, liebte aber hierin die Veränderlich»?!^ Er war scharf und beißend in seinen Ausfällen ffgi rasch bereit, mit schlagenden Gründen, oder f9 Schmäh- und Spottreden zu antworten. Sei» « Geiste glich an Beweglichkeit sein Körper. N«x A den gewohnten Uebungen in der Waffenkunst fcÄ{rctI Gymnastik, war er auch den Ansttengungen Aufregung der Jagd mit Leidenschaftlichkeit erge» ~ Rom war seit dem Tode des unvergleichlichen Juf Cäsar nicht Zeugin solcher allumfassenden GM fähigkeit gewesen, und in der imponirenden SH heit seiner Persönlichkeit und der Anmuth fcl Manieren konnte Hadrian mit Apollo verglivd M werden. Aber all diesen glänzenden Eigensch» U, fehlte der feste Halt eines edlen, guten Charaktl >g( die Eingebungen seiner Laune waren das einzig I^rau stimmende für sein Thun, und im Laufe der wuchsen seine Fehler ins Maßlose. I ^Fortsetzung folgt.»nstalt [erf er sgange ich Ar A V mle, Hierzu zwei Beilagen. titorbe. Bleiche 45. »use c 3öi 1 drei Verantwortliche Nedaction: Dr. Lehmann in Mainz. — Verlag und Expedition des „Israelit" I. Gottsleben's Buchdruckerei (Mainzer Anzeiger).

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.