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Der Israelit · 1881-08-10 · Heft 32 (10.8.1881) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
22 (1881)
Issue
Heft 32 (10.8.1881)
Date
1881-08-10
Page
– (sequence 4)
Language
German
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796 und Herz verschließen, — sie Alle ahnen es freilich nicht, daß sie gegen den Träger der einzigen Wahrheit, gegen den Verkünder des einzigen, wahren Heils, gegen den Herold des einzigen Weltenfriedens ankämpfen und der Botschaft des Segens und des Friedens sich verschließen. Wir aber kennen unsre Stellung in der Geschichte, wir verstehen an der Hand unsrer Propheten die Gänge der Geschichte, wir wissen, daß über allen Jammer und Kummer der Gegenwart hinaus der Weg zur heitern, glücklichen Zukunft führt, der Zukunft, welche in unfern Büchern längst vorgczeichnet ist. Wir wissen es und bauen auf das, was Gott uns verkünden ließ, daß „wie Regen und Schnee vom Himmel fallen und zu ihm nur dann wieder aufsteigen, nachdem sie die Erde getränkt, empfänglich gemacht und zum Treiben gebracht haben, so daß der Sämann Saat und der Speisebedürftige Nahrung gefunden — also auch mein Wort ist, das meinem Munde entfließet, — es kehrt nicht leer zu Mir zurück — es vollbringt Meinen Willen, es führt zürn Gedeihen und Heile, wozu Ich es gesendet." (Jefajah 55, 10, 11.) Zeitungsnachrichten und Correspondeuzen. Deutschland. Berlin, 2. August. Das „Tagblatt" schreibt: In Nr. 347 unserer Zeitung haben wir eine Zuschrift autz Bebra veröffentlicht, welche Klage darüber führte, daß in dem Hotel des dortigen Bahnhofs-Restaurateurs antisemitische Propaganda getrieben wurde. Aus den verschiedenen Briefen, die wir darauf in dieser Angelegenheit erhalten haben, erwähnen wir den folgenden: „Ich war vor einiger Zeit genöthigt, die Nacht über in Bebra zu bleiben. Als ich des Abends im Hotel im Gespräch mit einem Bekannten begriffen war, trat ein Herr, der an einem anderen Tische mit noch einigen Herren saß, an uns heran und erzählte, er hatte heute anspannen lassen und eine ganze Ladung antisemitischer Zeitungen, die er namhaft machte, ausgefahreu, um solche zu vertheilen, resp. zu verstreuen. Auf meine Frage, ob er Colporteur sei, antwortete er, „ich bin Antisemit und hasse die Juden, und suche die Bevölkerung aufzuwiegeln." Nachdem er in ein anderes Zimmer getreten war, erzählte mir mein Bekannter, es wäre der Bahnhofs-Restaurateur Schlüter, dem auch dies Hotel gehöre. Ich stellte mich ihm nun unverzüglich als Jude vor und sagte ihm, es wäre unter diesen Umständen ihm gewiß nicht lieb, einen Juden zu beherbergen, packte flugs meine Sachen und ging in ein anderes Hotel, nachdem ich noch einen weiteren Disput mit dem Antisemiten, der nunmehr den Rückzug blies, hatte. In dem anderen Hotel hörre ich nun, daß mehrere Reisende bereits bei Nacht nnd Nebel das Hotel hätten verlassen müssen. Auf meine sofortige Eingabe bei der Königlichen Eisenbahn-Direktion erhielt ich beiliegenden Bescheid": „Auf das an die königliche Eisenbahn-Direktion hier gerichtete und hierher abgegebene Schreiben vom 19. v. M., betreffend Beschwerde gegen den Bahnhofs-Restaurateur Schlüter zu Bebra, benachrichtigen wir Sie hierdurch ergebenst, daß wir das taktlose Benehmen desselben gegen Sie im höchsten Grade mißbilligen. Da jedoch der ganze Vorfall sich in dem Privathotel des Restaurateurs Schlüter zugetragen hat, so sind wir nicht in der Lage gegen denselben weiter vorzugehen, als daß wir ihm unser Mißfallen ausgesprochen und angerathen haben, in Zukunft seinen Gästen gegenüber sich taktvoller zu benehmen. Schließlich bemerken wir noch, daß in der Bahnhofs-Restauration Bebra antisemitische Blätter nicht aufliegen. Einige Tage später folgte diesem Schreiben die Nachricht, daß die königliche Eisenbahn-Direktion dem betreffenden Restaurateur inzwischen gekündigt habe. Es lagen bereits verschiedene Klagen gegen denselben vor, die letzte Beschwerde hier habe aber das Maß voll gemacht. Neustadt O.-S., 29. Juli. Der „Breslauer Zeitung" wird von hier geschrieben: Am 28. d. M.! verschied in Neustadt O.-Schl. ein weit über Schlesiens Grenzen hinaus bekannter Großindustrieller, der Kgl. Geheime Commissionsrath und Ritter des Rothen Adlerordens S. Frankel, Besitzer und Begründer der großen Leinen- und Tischzeugfabrik unter seiner Firma in Neustadt O.-S. Am 22. November 1801 geboren, hat der Verblichene, der von Hause aus gänzlich mittellos gewesen, es ver-I standen, durch eigene Kraft sich zu einer hochgeach-! teten Lebensstellung emporzuschwingen und Taufen! den seiner Mitmenschen Arbeit' und Lebensunterhalt! zu verschaffen. Ein „self-made man“ im vollen! Sinne des Wortes, erkannte er mit scharfem Bliä! in der damals nur schwach betriebenen Weberei einen! aufbesserungsfähigen Industriezweig, der leicht dem! heimathlichen Bezirk eine Quelle des Wohlstandes! werden könne. So ließ er denn, es mögen einige! und vierzig Jahre her sein, in gemietheten Räume« die ersten Webstühle auf seine Rechnung aufstelleni nicht ahnend, daß sich heute bei seinem unerwartete« und vielbeklagten Hinscheiden, aus jenen bescheidenem Anfängen ein Weltruf besitzendes Etablissement! heraus entwickelt haben werde. Im Interesse feine»

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