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Der Israelit · 1881-08-03 · Heft 31 (3.8.1881) · page 18

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Journal
Der Israelit
Volume
22 (1881)
Issue
Heft 31 (3.8.1881)
Date
1881-08-03
Page
– (sequence 18)
Language
German
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786 einfaches Rechtsverhältnis durch eine Verdrehung so dargestellt, als habe sich Kläger des Wuchers schuldig gemacht. Es sei ihm nicht darauf angekommen, sociale Verbrechen aufzudecken, vielmehr läge eine bloße Verleumdung vor. Die Verjährungsfrist sei nicht abgelaufen. Nach Mittheilung dieses ihn sichtlich überraschenden Erkenntnisses verließ Germanicus- Nichter den Kampf- und Richtplatz. Stettin, 21. Juli. Wir erhalten von zuverlässiger Seite folgenden Bericht: 'Neustettin, 20. Juli. Obwohl Dank den von der Behörde getroffenen Vorsichtsmaßregeln und' dem energischen Einschreiten der Gensdarmerie (6 Individuen, die den Anordnungen derselben nicht folgen wollten, wurden sofort verhaftet) gestern Abend neue Ruhestörungen bedeutender Art nicht vorgekommen sind, ist dennoch die Aufregung unter der jüdischen Bevölkerung eine ungeheure. Man fürchtet allgemein erneute Ausbrüche der Exccsse und diese Furcht findet immer neue Nahrung in den unheilvollen Gerüchten, die fortwährend umhergetragen werden und die theils wohl von gewissenlosen Menschen ausgcstrcut, theils von der Furcht selbst geboren, die Leute noch nicht zur Ruhe kommen lassen. Viele haben ihre Familien, welche sie in der Nacht von Sonntag auf Montag und von Montag auf Dienstag in den äußersten Winkeln des Hauses oder selbst in den Gärten vor den Steinwürfen des Pöbels bergen mußten, bereits ans der Stadt geschickt und Mancher denkt daran, selbst den unheilvollen Ort, in welchen! ein gewissenlose Presse immer neue Zündstoffe anhäuft, baldmöglichst zu verlassen. Vor der Hand dürfte freilich die Gefahr als beseitigt anzusehen sein, da die vorgesehenen Sicherheitsmaßregeln, auf die wir weiter unten zurückkommen werden, zur Aufrcchterhaltung der Ruhe genügen dürften. Freilich die Gähruug unter dem Pöbel ist groß und nicht blos unter dem Pöbel Nenstettins. Auch ein Theil der umliegenden Ortschaften ist bereits in den Ansteckungskreis mithineingezogen. So soll das benachbarte Kossäthen-Torf Küdde fast vollständig antisemitisch gesinnt sein und mit den Nenüettiner Antisemiten in Eonnex stehen, nur anr ein Zeichen zum Losschlagen harrend. Aehnliches wird von Lotrin berichtet. Dort soll gestern sogar ein Hanse den Laden des dortigen jüdischen Händlers dcmolirt und geplündert haben, ein Gerücht, das mit vieler Bestimmtheit hier auftrat, für denen Wahrheit wir indeß eine Bürgschaft nicht übernehmen. Man sieht, die neuesten Reden des Dr. Hcnriei und die Schmähartikel der „Norddeutschen Presse" haben ihre Wirkung gethan. An der Spitze seiner heutigen Nummer veröffentlicht dieses saubere antiscmitisch-conscrvative Organ jenen schon rt Ö! ren m ui gemeldeten Aufruf und als zweiter Artikel folgt gleich jener famose, aus den „Grenzboten" entnes mene, angeblich von dem früheren österreichisch Minister Dr. Glaser herrührende Brief, der bestini^ ist, den Haß und die Verachtung gegen die jüdisch Mitbürger zu schüren, und der doch den Stenn plumper Erfindung so deutlich an der Stirne trä und dessen Unechtheit längst erwiesen ist. — Geste Abend ist als Vertreter des Regierungspräsident der Oberregierungsrath Graf d'Haussonville Cöslin hier eingetroffen und hat nach einer gestern mit dem Herrn Landrath von Bonin Bürgermeister Ziugler abgehaltencn Conferenz Mitglieder des Synagogenvorstandes zu sich bim und Magistrat und Stadtverordnete zu einer gemei schaftlichen Sitzung auf 0'/« Uhr zusammentrete lassen. Der Herr Oberregierungsrath führe selb den Vorsitz und eröffnete die Versammlung mit Au drücken des Bedauerns über die vorgekommenen (v ceffe uud mit dem Vorschläge, aus der Zahl gutgesinnten Bürger einen Sicherheits-Ausschuß zu bilden, dessen Aufgabe es sein würde, dahin wirken, daß Zusammenrottungen des Pöbels den Straßen verhindert würden. Außerdem habee eine erhebliche Verstärkung der Gensdarmerie ordnet und dieselbe dem Herrn Landrath, solang er es zum Wohle der Stadt für nöthig erachte, zu Verfügung gestellt. Herr Bürgermeister Zingle stimmt im Ganzen den Ausführungen des Herr Obcrregiernngsraths bei. Herr Stadtverordnete^ Vorsteher Rechtsanwalt Scheunemann dagegen hä die Bildung eines Sicherheitsausschusses für burd aus inopportun und nutzlos, da die gegenwärtig Polizeimacht mit der in Aussicht genommenen Lei stärkung genügen würde, etwaige Ausschreitungen sü jetzt im Keime zu ersticken. Aber auch nur für jm Solange mau cs gestatte oder ein Auge dabei drücke,' daß ein Blatt wie die „Norddeutsche Presst durch ihre Hetzereien täglich neuen Zündstoff anhäm solange man es dulde, daß ein Reiseprediger w Heurici in den Localen hiesiger Stadt ungestört sei: Brandreden halte, so lange liege auch die Gefall eines erneuten und verstärkten Ansbruches des Au rnhrs vor. Der Herr Oberrcgiernngsrath erwidern daß er dem Vorredner auf das politische Gelm nicht folgen tonne, er stelle aber anheim, daß jed in seinem Kreise zur Aufrechtcrhaltnng der Ordum beitrage, insbesondere sein Gesinde und Hauspersone von Ansammlungen auf den Straßen fernhalt Herr Scheunemann stellte darauf den Antrag,! Magistrat möge die über Aufruhr und Landfriedei brach handelnden Paragraphen des Strafgesetzbuch an den Straßenecken anschlagen lassen, mit dem an drücklichen Hinweis darauf, daß die Vorgänge für jüd me er mmen rsamr M Unte w nd) h .ordim lerhal! Ci AUS bc letzten Abende unter diese Paragraphen fallen, uni Wa ndelbt andell jaffen, r Zeit« bens, w es rd err, ur das gestal nnen. Ew s Ble einbefb Zeit Goi s Gle strigen n heut ttders ders, ine. iottesft treben besetz z as sie cdnung' iäß am ingen nd Wo schaffe ir sein« Dei ehen u

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