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Der Israelit · 1881-08-03 · Heft 31 (3.8.1881) · page 11

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Journal
Der Israelit
Volume
22 (1881)
Issue
Heft 31 (3.8.1881)
Date
1881-08-03
Page
– (sequence 11)
Language
German
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779 hinter dem warmen Ofen, allein was soll ich thun? Der Mann muß hinaus, sagt Schiller "" „Und die Frau kann zu Hause bleib:::." fügte Perl seufzend hinzu. „Wer war eigentlich dieser Schiller?" „„Er war ein Arzt, ein DocLor der Medicin."" „So? Ich habe gemeint, er sei ein Schriftensteller gewesen." „„Er hatte als Arzt studirt, bat aber diesen Berus nicht ausgeübt, sondern ist als Dichter und Schriftsteller der Stolz und der Ruhm des deutschen Volkes geworden."" „Wirklich, war er so ein geschickter Mann? Ich habe einmal „die Braut von Smyrna". oder wie es heißt,- von ihm gelesen; die hat mir gar nicht gefallen. Zwei Brüder wollen ihre Schwester heirarben und bringen sich einander um. Pfui, wie garstig!" „„Hast Du das Lied von der Glocke nicht gelesen?"" „Gelesen habe ich cs nicht; aber ich habe es einmal declamiren hören. Ja, das ist schön. Namentlich, wie das ganze menschliche Leben betrachtet wird von der Geburt an bis zum Tod. Las draus werren wird, was; Kauer, Ein Frummer oder ein Leinpeliauer, Ein graußer .uozin oder em großer Pracher, Ein Toctor oder ein Uhrmacher." „„Aber, liebes Kind, Du verwechselst ja die Parodie mit dem Originale, das ist ja das „Lied von der Kugel", was Du citirst. Freilich, der Gedankengang ist derselbe. Dem Baron Otto von Otternberg ist es auch nicht an der Wiege gesungen worden, daß es ihm einmal so schlecht gehen soll. Ich reise nach Otternberg. Uebermorgen ist der Verkaufstermin. Wenn nicht mehr herauskömmt, als die Schulden, so ist der Baron ein Bettler."" „Was wird dann aus ihm werden?" „„Er wird sich wahrscheinlich eine Kugel durch den Kopf jagen."" „Liebster, bester Salomon, kannst Du ihm nicht helfen?" „„Ich wüßte nicht,- wieso. Doch will ich jedenj falls einmal Hinreisen; vielleicht bietet sich irgendwie j ein Ausweg. Nicht wahr, liebe Perl, jetzt hast Du > gegen meine Reise nichts einzuwenden?"" ' ,, „Du bist der beste Mensch aus Gottes Erdboden!! Reise mit Gott und sieh' zu, daß Du dem armen 1 Baron helfen kannst." Des Miethskutschers Henke großer viersitziger Reisewagen fuhr vor; der Koffer wurde aufgeladen, . Salomon hing seinen großen gelben, aus unzähligen : übereinanderliegenden Kragen bestehenden Reiscmantel um, setzte die schwere Pelzmütze aus und stieg ein. Perl reichte ihm den pelzgefütterten Fußsack in den Wagen und fügte noch eine mit kochendem Wasser gefüllte Wärmflasche hinzu. Dann ging es fort, in Wind und Wetter hinaus. Der Tag der Versteigerung war angebrochen. Es waren nur wenige Käufer erschienen. Unter diesen war der Gras von der Wense der einzige, welcher die ernstliche Absicht hatte, die Güter anzukaufen, falls er sie für einen Spottpreis erlangen konnte. „Was will der Jude hier?" fragte der Graf. „Er ist nicht berechtigt, die Güter zu kaufen." „„Gnädiger Herr,"" sagte Amtmann Gogreve, „„Herr Rothenberger will den Ankauf nicht für sich besorgen; er ist beauftragt."" „Bon wem?" fragte der Gras. „„Der gnädige Herr Gras verzeihen,"" antwortete der Amtmann, „ „Herr Rothenberger hat sich auf dem Amte zur Genüge legitimirt."" Der Gras machte ein verdrießliches Gesicht; das Erscheinen Rothenberger's machte ihm einen Strich durch die Rechnung. Die Versteigerung begann. „Die Otternberg'schen Güter," begann Amtmann Gogreve seinen Vortrag, „haben einen Taxationswerth von sünfmalhnnderttaüsend Thalern; sie dürften aber in Wirklichkeit einen bedeutend größeren Werth haben. Es ist Alles vorzüglich im Stande: das Herrenhaus, die Beamtenwohnung, die Wirthschaftsgebäude, der Viehstand, die Brennerei, die Aecker und die Wälder. Das Verzeichnis von all' diesen Besitzlhümern ist in ihren Händen. Ich fordere die Herren auf, ein Gebot zu thun!" „„Ich gebe sünfzigtausend Thaler,"" sagte der Baron Bär von Stellichte. „Gnädiger Herr," ries der Amtmann, „das ist ja nur ein Zehntel des Taxationswerthes!" „„Es ist hier eine öffentliche Versteigerung,"" antwortete der Baron, „„und ich kann bieten, was ich will."" „Sechzigtausend!" rief der Freiherr von Hinüber. Eine lange Pause folgte. „Bietet Niemand mehr?" fragte der Amtmann. „Einundsechzigtausend!" sagte der Baron Bär von Hoya bedächtig. „Zweiundsechzigtaufend!" ries Klaus von der Decken auf Wieptenbusch. Wieder folgte eine lange Pause. „Sollen," fragte der Amtmann, „diese großen und schönen Güter zu solch' geringem Preise wegkommen?"

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