Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 22 (1881)
- Issue
- Heft 31 (3.8.1881)
- Date
- 1881-08-03
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
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780 Dreiundsechzigtausend!" sagte der Graf von der Wense mit Nachdruck. Alles schwieg; keiner schien dem Grafen den Kauf streitig machen zu wollen. „Dreiundsechzigtausend Thaler zum Ersten, dreiundsechzigtausend Thaler zum Andern, und dreiundsechzigtausend Thaler zum-Dritten!" Die anwesendenHerren eilten auf denGrafen zu und beglückwünschten ihn. Salomon Rothenberger aber sprach: „Herr Amtmann, ich mache von dem mir zustehenden Rechte des Nachgebots Gebrauch; ich zahle zehn Procent, also 6300 Thaler mehr, als der Zuschlag beträgt." Der Graf erblaßte. „Jude," rief er, „Ihr dürft die Güter nicht kaufen!" „„Ich bin beauftragt, gnädiger Herr Graf."" „Von wem? Ich will wissen, von wem!" „„Ich habe dem Herrn Amtmann meine Vollmachten übergeben."" „Gnädiger Herr Graf," sagte der Amtmann, „Euer Gnaden steht als Käufer das Recht zu, das Nachgebot zu überbieten." „„Muß der Kaufpreis baar erlegt werden?"" fragte der Graf. „Bis auf den letzten Pfennig," antwortete der Amtmann. „Der Kaufpreis und die Gerichtskosten." „„Da muß ich auf den Ankauf verzichten,"" sagte der Graf betrübt. Rothenberger öffnete seinen Koffer, den er in die Amtsstube hatte bringen lassen, nahm siebenzigtausend Thaler in Gold heraus und legte das Geld auf den Tisch. Unterdcß wartete Baron Otto in C. in furchtbarer Spannung auf Cachricht. Da wurde ihm ein großer, mit rothem Amtssiegel gesiegelter Brief überbracht. Er riß ihn auf, las ihn und warf ihn mit verzweiflungsvollem Aufschrei auf den Tisch. Der Brief war von Amtmann Gogreve und enthielt die Nachricht, daß die erzielte Kaufsumme für die Otternberg'schen Güter sammt Inventar und Silberzeug, sowie die Hinterlassenschaft an baarem Gelde nicht ganz die Summe der angemeldeten Schulden erreiche, daß Baron Otto daher noch 1529 Thaler 20 Groschen zu bezahlen habe. Der Baron überließ sich nicht lange den Ausbrüchen seiner Verzweiflung; er trat an seinen Schrank, nahm ein Kistchen mit Pistolen heraus und lud eine derselben. In dieser Beschäftigung wurde er durch den Eintritt Salomon Rothenbergers gestört. „Salomon," rief ihm Otto entgegen, „hätte ich auf Euch gehört, ich brauchte jetzt nicht als Selbstmörder zu sterben!" „„HerrBaron,"" antwortete Salomon, „„lassen Sie die Pistole ruhig liegen und fügen Sie den Vergehungen Ihres Leichtsinns nicht noch das Verbrechen des Selbstmords hinzu. Der Selbstmörder ist der größte Feigling; er hat nicht den Muth, die Folgen seiner eigenen Thaten zu tragen. Der Selbstmord ist das größte Verbrechen, da es nicht durch Reue und Buße gesühnt werden kann."" „Aber was soll ich anfangen?" „„Wenden Sie sich an Ihre ehemaligen Zechgenossen, die große Summen von Ihnen gewonnen haben. Vielleicht gibt Ihnen der Eine oder der Andere eine Verwalterstelle auf seinen Gütern."" „Meine ehemaligen Freunde kennen mich nickt mehr. Sie lassen sich verleugnen, wenn ich sie aussuchen will. Es bleibt mir nichts übrig als die erlösende Kugel." „„Und Fräulein von Buchenhof?"" „Mag sich Gott ihrer erbarmen." „„Wissen Sie bereits, wer der Käufer der Otternberg'schen Güter ist?"" „Gogreve hat es mir nicht mitgetheilt." „„Fräulein Blanca von Buchenhof hat sie um den Preis von siebenzigtausend Thaler erstanden."" „Seid Ihr wahnsinnig geworden, Salomon?" „„Es ist so, Herr Baron, wie ich Ihnen sage. Ich habe dem Fräulein das Geld geborgt und die ganze Summe als Hypothek einträgen lassen; ich habe daran nur die eine Bedingung geknüpft, daß das Fräulein Sie zu ihrem Gatten wähle, und sie hat eingewilligt."" Da erhob sich der Baron und warf sich dem vor ihm stehenden Juden zu Füßen. „Edler, hochherziger Mann," rief er, Salomon's Knie umfassend, „mein Lebensretter! Wie werde ich Dir jemals danken köunen!" „„Stehen Sie auf, Herr Baron! Es ist wahr, Sie verdanken mir viel. Dankbar können Sie sich erweisen, wenn Sie ein ordentlicher, fleißiger, sparsamer Mann werden, wenn Sie Ihre Güter sorgfältig bewirthschaften und mir pünktlich die Zinfeir von dem großen Kapitale zahlen, das ich nur mit schwerer Mühe aufgebracht habe."" Der Baron erhob sich und war sich laut weinend an die Brust seines Wohlthäters. „Salomon," rief er, „Du bist mir ein zweiter Vater, Du hast mir auf's Neue das Leben geschenkt!! Wodurch habe ich diese Liebe, diese große Wohlthati verdient?" I „„Wir Juden,"" sagte Salomon, „„sind ml dankbares Völkchen. Die ÄZohlthaten, die Ihr seliger! Vater einst mir und den Meinigen erwiesen — idl habe Sie dem Sohne jetzt heimgezahlt."" I Baron Otto von Otternberg siel nicht wieder ül seine alten Fehler zurück. Er heirathete seine Cousin! und wurde der Stammvater eines Geschlechts, welche» noch heute blüht und dessen Sprossen von wohlwol! lender Gesinnung gegen die Juden erfüllt sind. I