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Der Israelit · 1881-08-03 · Heft 31 (3.8.1881) · page 9

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Journal
Der Israelit
Volume
22 (1881)
Issue
Heft 31 (3.8.1881)
Date
1881-08-03
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Erste Beilage ju tlr. 31 des Israelit. Zeitungsnachrichten und Correspondenzen. Deutschland. Aus München wird gemeldet: Auf Samstag, den 17. August, ist bei dem Schöffengerichte des k. Amtsgerichts München I Termin zur Verhandlung einer Privatklage wegen Beleidigung anberaumt, welche von mehreren Bürgern von Nen-Stettin, sämmtlich Israeliten, gegen den Nedacteur des „Bayerischen Landboten", August Büchner, angestrengt worden ist. Nenfiettin, 26. Juli. Wie der „N. Stett. Ztg." von hier gemeldet wird, sollen in Dallentin, einem % Meilen von Neustettin gelegenen Dorfe, am 23. d. M. Tumulte stattgefunden haben, wobei dem einzigen am Orte wohnenden Juden, Gronemann mit Namen, der Laden demolirt wurde. Nicolai. Herr Ludwig A. Nosenthal, früher in Brilon, dann in Cassel stehend, nun in Oberschlesien stationirt, ist an Stelle des nach Meiningen scheidenden Dr. M. Dessauer zum Prediger der isr. Gemeinde zu Cöthen berufen worden und wird diesen Posten zum l. Occtober, resp. zu antreten. Oesterr.-Ungar. Monarchie. Wien. Der Wohlthätigkeitssinn und die vornehme Weise des verstorbenen Baron Friedrich v. Schey wurden in diesen Tagen von allen Stimmen laut gepriesen. Man erzählt uns nun von einer seiner größten Wohlthaten, die still und geräuschlos geübt worden ist und hier zur Charakteristik des originellen Wesens des Wohlthäters erzählt werden soll. Der Gründer des Blinden-Jnstitutes auf der Hohen Warte, Herr Dr. L. A. Frankl, hatte alle Borstudien in Wien und auch Reisen in Deutschland, Italien und in der Schweiz gemacht, um ein Werk, das auf der Höhe der modernen Blinden-Pädagogik stehen sollte, ins Leben zu rufen. Cs fehlte nur das Kapital dazu. Cr sann und sann, wem er seinen Plan zuerst mittheilen und wen er für denselben gewinnen sollte. Eines Wintermorgens las er in der Wiener Zeitung, daß der ihm langeher befreundete Friedrich v. Schey in den Freiherrnstand erhoben worden sei. Frankl las dies um 8 Uhr Morgens, um halb 9 Uhr war er bei Schey, um in als'der Erste zu beglückwünschen und zu fragen: „Werden Sie diesen für Ihre Familie wichtigen Moment nicht durch einen Act der Wohlthätigkeit feiern? — „Brauchen Sie," fragte Baron Schey lächelnd, „für Jemanden Geld?" — „Nicht für Einen, für Viele! Für die Unglücklichsten der Menschen ans Erden." — Und nun entwickelte Frankl seine Absicht, ein Blinden-Jnstitut zu gründen, indem von den statistisch nachgewiesenen 29,000 Blinden im österreichischen Kaiserstaate kaum 600 in nur 7 Instituten ein rettendes Asyl finden. — „Wie viel Geld wollen Sie von mir haben?" fragte Baron Schey, der mit wärmster Theilnahme der lebhaften Schilderung des. Elends zugehört hatte. — „Ich wage es nicht, eine Summe auszusprechen," erwiderte Frankl. „Mit einer großen könnte ich unbescheiden erscheinen, mit einer kleinen könnte ich die so unglücklichen Blinden schädigen." — „Fordern Sie ungescheut." — Frankl zögerte dennoch und meinte: „Wenn ich dem Freiherrn v. Rothschild gegenübersäße und er so wie Sie fragte, würde ich muthig antworten, denn sein Vermögen ist in iedem Lexikon auf so und so viele Millionen angegeben, Ihre Bilanz, Herr Baron, habe ich nicht die Ehre, zu kennen." — „Sie steht gut!" versicherte er mit freundlichem Humor. Dabei zog er seine Uhr. „Ich muß dringend um 9 Uhr bei einer Sitzung erscheinen, es fehlen noch 10 Minuten. Also, haben Sie nur Courage. Wie viel Geld wollen Sie von mir haben?" — „Bin ich unbescheiden, wenn ich um 10,000 Gulden bitte?" — „Sie haben sie. Ich danke Ihnen, daß Sie mir Gelegenheit zu einer Wohlthat, und gerade am heutigen Tage, geboten haben. Leben Sie wohl und kommen Sie bald wieder, wenn Sie etwas brauchen." — So wurde Baron Schey nicht allein das erste Mitglied eines Vereins, sein großmüthiges Beispiel bewirkte, daß andere und zahlreiche Wohlthäter folgten. Im Prüfungssaale der Blinden-Anstalt auf der Hohen Warte ist sein Name mit Goldschrist in einer Marmortafel eingegraben, und an seinem Begräbnißtage flatterte eine schwarze Trauerfahne vom Giebel des Blinden-Jnstituts auf der Hohen Warte bei Wien. Budapest im Juli. Der kön. ung. Kultusminister verständigte den Magistrat der kön. Hauptstadt Budapest, daß das königl. Budapefter Strafgericht eine der Bigamie angeklagt gewesene Partei

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