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Der Israelit · 1881-08-03 · Heft 31 (3.8.1881) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
22 (1881)
Issue
Heft 31 (3.8.1881)
Date
1881-08-03
Page
– (sequence 7)
Language
German
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775 reitet, nnd unser Papier verdankt ihm seinen Namen. Lange mußte Rabbi Akiba suchen, bis er ein Schiff fand, welches seinen Lauf nach dem Hafen von Jaffa richtete. Die meisten Schiffe waren nach Rom bestimmt; dorthin brachten sie Korn, Wein, Oel, Wolle, Spezereien, Edelmetalle und andere Kostbarkeiten. Endlich fand er ein mit Papyrus beladenes Schiff, das seinen Lauf nach Kleinasien dirigirte, und miethete auf demselben einen Platz. Als das Schiff den Hafen verließ, stand Rabbi Akiba auf dem Verdecke und schaute voll Wehmuth auf die schöne und reiche Stadt, die er soeben verlassen hatte. „Ach," sprach er vor sich hin, „es gibt in unfern Zeiten Niemanden, der in rechter Weise zu ermahnen versteht*). Der Prophet Jonah wurde nach Niniweh zu Heiden geschickt, und es gelang ihm, sie zu Buße und Besserung zu erwecken. Meine Ermahnung aber ist bei meinen Brüdern in Alexandria fruchtlos verhallt!" Das Wetter war sehr schön und günstig. Der Wind blies die Segel auf, die Ruderer arbeiteten unablässig, und so flog das Schiff schnell dahin. In den guten Jahreszeiten und bei guten Winden war die Schifffahrt der Alten mit ihren Rudern und Segeln rascher, als die unsrige es bis zu den Erfindungen der neuesten Zeit war. Ein Schiff pflegte aus einer guten Fahrt in vierundzwanzig Stunden einhundertzweiundsechszig Kilometer zurückzulegen. Schon war die asiatische Küste in Sicht, und Rabbi Akiba's Herz schlug höher bei dem Gedanken, daß er nun bald, nach langer, langer Abwesenheit, die theure Heimath, die geliebte Gattin, die nicht minder geliebten Kinder, Gefährten und Schüler Wiedersehen sollte. Delphine zogen dem Schiffe nach, um die Abfälle zu erhaschen, merkwürdig gestaltete, große Fische zogen daher, allerlei Seeungeheuer kamen in Sicht. Da sprach Rabbi Akiba: Wie viele sind Deine Werke, o Herr, sie alle hast mit Weisheit Du gemacht, voll ist die Erde von Deinen Gütern. Diese großen Geschöpfe, die im Meere leben, würden, wenn sie auf das trockene Land kämen, sofort sterben; und die großen Geschöpfe, die auf dem Trockenen leben, würden in den Fluthen des Meeres sogleich umkommen. Wie viele sind Deine Werke, o Herr, alle hast mit Weisheit Du sie gemacht**). Rabbi Akiba schaute zum Himmelsgewölbe empor. Da erblickte er in fernem Westen eine Wolke, so groß wie die Hand eines Mannes. Eilig suchte er den Schiffspatron auf und sprach zu ihm: „Siehe dort, jene kleine Wolke! Ein böses Wetter ist im Anzuge; eile, daß wir den nächsten Hafen erreichen " Der Patron lachte der Mahnung. „„DeineBesorgnisse sind unbegründet, Judaer,"" sprach er, „ „dies Wölkchen wird uns nichts schaden. Wohl könnte ich den Cours des Schiffes verändern und in einem nahe gelegenen Hasen landen; allein das würde die Reise unnöthig verlängern. In spätestens zwölf Stunden sind wir geborgen im Hafen von Jaffa."" „Thue, wie Du willst," sprach Rabbi Akiba, „aber Deine Sorglosigkeit wird Dir ein nasses Grab bereiten." Nicht lange währte es, und der ganze Himmel umzog sich mit düstern Wolken. Ein furchtbarer Sturm erhob sich, und das Schiff wurde von den sich thürmenden Wellen wie ein Kinderspielzeug umhergeschleudert. Die Segel wurden zeriffen, die Maste geknickt, und die Ruderer gaben ihre unnütz gewordene Arbeit auf. „O Gott," sprach Rabbi Akiba, „soll ich hier sterben, soll ich in den Wellen des Meeres den Tod finden, eine willkommene Beute den gefräßigen Delphinen? Ereilt mich Dein Strafgericht, weil ich in Alexandria meine Pflicht nicht genügend gethan, weil ich davongegangen bin, ohne es wiederholt versucht zu haben, die irrenden Brüder dort zur Besserung zu führen? Dein heiliger Wille, o Gott, geschehe! Alles, was der Allbarmherzige thut, es ist zum Guten." Das Schiffsvolk hatte unterdessen die Ladung ins Meer geworfen, um das Schiff zu erleichtern. Der Sturm trieb es vor sich her und entfernte es weit von dem angestrebten Ziel. Nach einigen Stunden kam eine fremde, unbekannte Küste in Sicht. Die Ruderer ergriffen wieder die Ruder und holten kräftig aus, um das Land zu erreichen. Plötzlich gab es einen furchtbaren Krach; das Schiff war auf ein Korallenriff gerathen und in der Mitte von einander geborsten. Die Wellen verschlangen das Schiffsvolk und die Passagiere. In der Heimath wurde die Rückkehr Rabbi Akiba's vergeblich erwartet. Er hatte von Alexandria aus seiner Gattin geschrieben und ihr seine baldige Heimkehr angemeloet. Schon Augustus hatte durch das ganze römische Reich einen Postdienst eingerichtet, durch welchen officielle Depeschen von Station zu Station vermittels Eilboten befördert wurden. Unter den spätern Kaisern dursten auch Privatleute ihre Briefe den kaiserlichen Boten zur Besorgung übergeben. Der Brief war richtig in die Hände Rahels gelangt, aber die heißersehnte Ankunft des geliebten Gatten erfolgte nicht. Da kam die Trauer- *) Erachin F. 16. **) Chirlin f. 127 a.

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