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Der Israelit · 1881-08-03 · Heft 31 (3.8.1881) · page 6

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Journal
Der Israelit
Volume
22 (1881)
Issue
Heft 31 (3.8.1881)
Date
1881-08-03
Page
– (sequence 6)
Language
German
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774 Dann dürfen wir hoffen, daß na'n Seine züchtigende Hand wieder von uns abwende. Auerbach a. d. Hess. Bergstr. Gestatten Sie mir, geehrter Hr. Redacteur, daß ich, wenn auch ziemlich spät, einer hl. Pflicht Nachkomme, einer längst verstorbenen, edlen Frau in diesen vielgelesenen Blättern ein kleines Ehrendenkmal zu setzen. Frau Lehrer Koschland, eine ntcw in wahrster Bedeutung, hat nach langen Leiden ihre Laufbahn vollendet und in unserer Gemeinde leider eine neue Lücke hervorgebracht. In kurzem Zeiträume haben uns auf Gottes Nus fromme, edle Menschen verlassen. In kaum Jahresfrist sind Frau Baruch Bendheim, Hr. Baruch Bendheim, Frau Zadock B. und Frau Meyer Bendheim von uns geschieden, lauter edle, gute, gottesfürchtige Menschen und schon wieder hat der Tod eine th'eure Mitschwester uns entrissen. Groß ist unsere Trauer und unser Schmerz. Frau Koschland, noch in den besten Jahren stehend und stets in nsn’ lebend, war ihrem seligen Gatten, Lehrer Koschland, der noch zur alten guten Schule gehörte, und ein schöner 'to p war, eine treue hingebende Gattin, die keine größere Freude kannte, als ihm in seinem Wirken helfend §ur Seite zu stehen. Wo ein -ion hP'dj zu üben war, Frau K. eilte herbei, rieth und half; und wie sie selbst streng fromm und gut, so erzog sie ihre zahlreiche Familie im Vertrauen aus Gott zur Uebung Seiner hl. Gebote. Mannigfache Schicksalsschläg'e, die sie trafen, ertrug sie in Geduld und mit hingebender gläubiger Fassung. Wir stehen weinend an ihrem Grabe und rufen an: Halt ein, o Gott, mit Deiner Strafe und sende uns Trost und Erbarmen. Wir schließen dies? Zeilen mit dem Wunsche, daß Koschlands Kinder diesseits und jenseits des Oceans eingedenk ihrer Eltern treu und fest an deren Erziehungsgrundsätzen halten und stets nach Gottes Wort wandeln mögen. Das wird der schönste Nachruf für die Eltern bleiben. Nenstettin. Der "Weser-Zeitung" wird über hiesige Zustände geschrieben: Neustettin war durch lange Jahre der Mittelpunkt des Baues mehrerer Eisenbahnlinien; dadurch kam neues, unruhiges, vielbewegtes Leben in die weltentlegene Stadt; nach Vollendung jener Bauten blieb ein arbeitsloses,, mannigfach bedrängtes Proletariat zurück. In diesem gewühlten Boden ist die Saat der Henrici und Genossen nur allzu schnell und allzu üppig in die Halme geschossen; es ist nicht ohne tiefere Beziehung, daß der antisemitische Häuptling in Neustettin seinem Stande nach ein „Bauunternehmer" ist. Daß die Ursachen de^Judenkrawalle in Neuftettin in ganz ausnahmsweisen Zuständen wurzeln, geht auch schon daraus hervor, daß im übrigen Hinterpommern von einem Judenhaß und einer Judenhetze ganz und gar nicht gesprochen werden kann. Die dort ziemlich zahlreich vertretenen Juden leben schlecht und recht mit ihren christlichen Mitbürgern; sie hängen noch durchweg an ihrem alten Glauben und ihren alten Gebräuchen; ihre wirthschaftliche Beschäftigung ist weit überwiegend ein reeller und solider Handel. Holland. Amsterdam, 1. August. Am nächsten raw vrm werden es zweihundert Jahre seit Einweihung der großen Synagoge der hiesigen Sephardimgemeinde. Es war dies bekanntlich das erste große Bethaus, welches die aus Spanien eingewanderten Juden auf holländischem Boden errichtet haben, und dasselbe bildet noch jetzt das schönste Denkmal für die Toleranz, welche vor 200 Jahren von Holland an unfern Glaubensbrüdern bewiesen worden ist. Feuilleton. U k i b a. XXXI. Rabbi Akiba rüstete sich zur Heimfahrt; er begab sich in den Hasen von Alexandria, um einen Platz auf einem Schiffe zu miethen. Alexandria war die erste und vornehmste Handelsstadt der alten Welt. Von hier aus wurden große, mit Korn beladene Schiffe von Zeit zu Zeit nach Rom gesandt, um die Hauptstadt des Reichs mit Lebensmitteln zu versorgen. Diese Schiffe waren von mehr als gewöhnlicher Größe und wurden von Kriegsschiffen escortirt. Die Getreideflotten bildeten jedoch nicht das vornehmste Handelsunternehmen der Alexandiner zur ^ee. Die Erzeugnisse Indiens wurden von den Mündungen des Indus und der Küste von Malabar nach Aegypten gebracht und von dort aus nach der ganzen Welt versandt. Elfenbein, Schildpatt, die damals noch seltenen und kostbaren Baumwollenwaaren und Seidenzeuge, Perlen und Diamanten, Gummi und Spezereien wurden von Alexandrien aus nach allen Häfen des Mittelmeeres verbracht. Plinius erzählt uns, daß der jährliche Umsatz in diesen Dingen auf hundert Millionen Sesterzien, etwa 1,600,000 Mark nach unserm Gelde, eine für die damalige Zeit ganz ungeheure Summe, geschätzt wurde. Eines der Haupterzeugnisse Aegyptens war das „Papyrus," genannte Schilf, welches fast nur an den Usern des Nil wuchs; aus diesem wurde das wohlfeilste und passendste Schreibmaterial be-

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