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Der Israelit · 1881-08-03 · Heft 31 (3.8.1881) · page 5

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Journal
Der Israelit
Volume
22 (1881)
Issue
Heft 31 (3.8.1881)
Date
1881-08-03
Page
– (sequence 5)
Language
German
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773 fühls europäischer Staaten in unfern Tagen. — Aber die mit der Wiedererbauung des Tempels anhebende Periode fand ihren schrecklichen Abschluß in in den furchtbaren römischen Greueln, die spanische Blüthe endete in den Auto'sdafö und der Austreibung und an dem heitern Himmel unsrer Tage erscheinen die Judenhetzen in Deutschland und die Mißhandlungen in Rußland — Warum? Weil noch immer nicht die Wahrheit in Israel ganz und voll zur Anerkennung gekommen ist, daß für uns nur in dem Gehorsam gegen Gottes Gesetz die Bedingung unseres Heils zu suchen ist, daß wir nichts anderes sein dürfen, als 'n npjo, als das Gott ausschließlich und ganz ungehörige Volk, Träger Seines Gesetzes, Verkünder Seiner Lehre, in unverbrüchlicher Treue, in unerschütterlichem Gehorsam. O, daß in diesen Tagen, in welchen uns die wiederholten Katastrophen unserer Geschichte vor die Seele treten, ein Geist der Erkenntniß alle Glieder „des Ueberrestes Israels" durchdringen und sie die Ursache und den Zweck des beispiellosen jüdischen Geschickes begreifen, daß sie auch — in unsren engsten Kreisen — die Hand Gottes in den Erscheinungen der Gegenwart erblickten!! Dann würde die Zeit, welche desselben Propheten Mund zu verkünden beauftragt war, herannahen, in welcher „Ich euch nehme aus den Nationen und euch sammele aus allen Ländern um euch heimzubringen zu eurem eigenen Boden. Ich sprenge über euch dann reines Wasser, daß ihr rein werdet; Ich reinige euch dann von allen euren Verunreinigungen und Greuelthaten; Ich gebe euch dann ein neues Herz und lege einen neuen Geist in euer Inneres; — das Herz von Stein entferne Ich aus eurem Leibe und gebe euch ein empfindendes Herz von Fleisch. Meinen Geist gebe Ich in euer Inneres — Ich vollziehe solches, so ihr in Meinen Satzungen wandelt und Meine Vorschriften beachtet, sie auszuführen." (Jecheskeel 36, 24—27.) Dann würden die Klage verstummen und die Trauer sich in Freude wandeln, dann würde unser und unserer Ahnen Abfall gesühnt sein und das Gottesreich auf Erden erstehen. —- Zeitungsnachrichten und Corresponbenzen. Deutschland. Fürth, 27. Juli. Als ob der Allgerechte mit den deutlichsten Zeichen die verirrte Menschheit wieder auf den rechten Pfad hinzeigen wollte, als ob in Ermangelung des prophetischen Mahnwortes nur die Strafe das verderbte Geschlecht wieder bessern sollte, so gestaltet sich in unserer Zeit die Geschichte unseres Volkes. Der bekannte Ausspruch unserer Weisen nnn ddoj pna, daß der Fromme für die Vergehen seiner Zeit zu leiden habe, scheint uns so recht vor die Seele geführt zu werden. Wie viele herbe Verluste hat in den letzten Jahren das Judenthum zu tragen gehabt, und noch immer ist des Allgütigen Hand über uns ausgestreckt. Auch unsere Gemeinde muß sich leider zu denen zählen, die von den Schlägen hart betroffen worden. Innerhalb eines Jahres haben wir den Verlust von drei D’Dun n»Dt>n zu beklagen. Ueber zwei derselben ist seiner Zeit in diesen gesch. Blättern berichtet worden; aber auch der dritte verdient es nicht weniger, daß ihm ein Denkmal gesetzt werde. Am onj’s nsens p'Vo ist Rabbi Seligmann Dinkelspühler, der am hiesigen Platze zuletzt übrig gebliebene Schüler des -umaon V-nno, heimgegangen in die ewigen Gefilde. Mit dem Verblichenen ist somit der letzte Rest der Hiesigerl einst so bedeutenden ro'p' zu Grabe gegangen. Was besonders den Schmerz über unfern jüngsten Verlust so groß macht, ist, daß derselbe leider nicht ersetzt wird. Wenn auch einzelne von dem Verlebten geübte Tugenden wieder von Einzelnen geübt werden, so sehen wir uns doch vergeblich nach einem Manne um, der ihn uns ganz ersetzen könnte. Mit welcher Innigkeit, mit welcher Aufopferung und mit welcher Uneigennützigkeit der trotz seiner erreichten 80 Lebensjahre leider zu früh Dahingeschiedene den drei Säulen der Welt, der onDn nip’cai moy min sich hingegeben, ist dahier zu bekannt, als daß darüber noch besonderer Erwähnung geschehen müßte; denn über fünfzig Jahre hat derselbe der Oeffentlichkeit angehört und hat für das allgemeine Wohl gestrebt und gewirkt. Bis in die letzten Jahre hinein hat er als Sud, als n^sn pjo und ypin fungirt und keine Opfer gescheut, um diesen übernommenen Aufgaben gerecht zu werden. Als nachzuahmendes Beispiel mag es aber hervorgehoben werden, was es heißt: für den Bestand der Welt zu sorgen. Trotz der Sorge für eine zahlreiche Familie und bei anstrengender geschäftlicher Thätigkeit ist doch kein Tag vergangen, an dem er nicht früh oder spät dem nun U2b obgelegen. und als Mio hat er keine Kosten gescheut, sogar große Reisen unternommen, ohne den Verlust an Zeit oder andere Opfer zu bedenken. Möge unser Geschlecht, das trotz der guten Vorbilder sich vielfach von dem echt jüdischen "Leben im Großen und Kleinen losgesagt, bei den herben Verlusten und den traurigen Erfahrungen der ueuestcn Zeit sich aufraffen und wieder zurückkehren zu der Aufrichtigkeit und Hingabe, wie jene Männer und besonders Vi nypn’sftypm 'n sie gezeigt.

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