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Der Israelit · 1881-08-03 · Heft 31 (3.8.1881) · page 4

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Journal
Der Israelit
Volume
22 (1881)
Issue
Heft 31 (3.8.1881)
Date
1881-08-03
Page
– (sequence 4)
Language
German
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772 gesichts der Völker, vollziehe an dir was ich nimmer vollzogen und fernerhin nicht vollziehen werde — um deiner Greuelthatm halber: Väter werden in deiner Mitte Söhne verzehren und Söhne werden ihre Väter verzehren; also übe ich an dir Strafgerichte; und Ich zersprenge deinen Ueberrest in alle Winde. — — Ein Drittheil von dir wird durch Seuche sterben und durch Hunger in deiner Mitte umkommen; ein Dritttheil wird durch das Schwert fallen in deinem Umkreise und ein Dritttheil Zerstreue ich in alle Winde und zücke das Schwert hinter ihnen." (Eap. 5. 1-12.) Israel sollte irr Mitten der Völkerfamilien ein eigenes Staatslebcn darstellen, in welchem Gott allein als König und die Thora als das Staatsgrundgesetz anerkannt und Zur alleinigen Geltung gelangen. uy?n. Es sollte „gesondert" wohnen und nicht nach dem Glanze und Lorbeer anderer Nationen und Staaten ringen. Die Allmacht, welche es aus dem ägyptischen Kerker zum Volksdasein gerufen, die allein sollte in ihm walten; ihr allein sollte seine Huldigung gelten und nur von ihr getragen sollte es sich fühlen, auf daß die Menschheit in staunender Bewunderung auf diesen Gottesstaat hinschaue und von der Vergötterung der Menschengröße und der Menschenweisheit hinweg zur gleichen Gotteshuldigung geleitet werde. Die von Gott eingesetzte sociale Ordnung D'üsttfo sollte von der Gesammtmenschheit adoptirt werden, Gottes Sittengesetz rvpn sollte das Leben der Menschen in die Schranken der Sittlichkeit weisen, die D'BEffo und mpn, welche in dem jüdischen Staats¬ und Einzelleben zur lebendigen Verwirklichung gelangten. Nur um ein solches Beispiel zu gewähren, hatte Israel Selbstständigkeit und Land empfangen und es war ihr verkündet worden, daß nur für diesen Zweck ihm Selbstständigkeit und Land verbleiben würden. Andere Nationen und Staaten mögen sich ihre Gesetze und Verfassungen zu construiren versuchen und je mehr sich diese den Grundsätzen des Rechts und der Moral nähern, je mehr haben sie Aussicht den Bestand ihrer Nationalität zu sichern. Israel aber hat keine Wahl. Sein Gesetz und seine Verfassung sind ihm vorgeschrieben: Es hat nicht nach den entsprechenden Ordnungen zu suchen; es hat das Gottesgesetz zu vollführen im öffentlichen, wie im privaten Leben; in Staat, in Gemeinde, in Haus, in der Familie und in jeglichem Augenblicke des Daseins jedes Individuums gilt lediglich und ausschließlich das Gesetz Gottes, seines Herrn und Königs. Ist es ihm gehorsam, weiht es ihm jede Kraft und jede Regung, so gelangt es zum Heile und zur Blüthe — bricht es ihm die Treue, so ist Untergang sein Loos. Darum rächt sich an ihm jeder Abfall, darum „ist sein Fehl größer als der Frevel der Völker;" — darum auch seine Strafe größer, als das Schicksal, welches andere Nationen trifft. Wie Gott sich in Israels Gedeihen offenbaren wollte, also offenbart sich Seine richtende, strafende Allmacht in Israels Untergang, also, daß kein Zweifel darüber obwalten kann, daß Israel ob seiner Sünde, ob seines Abfalls von Gott seine staatliche Selbstständlichkeit eingebüßt. Fünf Sechstheile Israels waren bereits der assyrischen Macht zur Beute gefallen und hatten so vollständig ihren Untergang gefunden, daß bis auf den heutigen Tag eine Spur von ihnen nicht hat entdeckt werden können. Und auch das letzte Sechstel sollte in das Exil wandern. Wohl stand noch der Tempel in Zion, wohl vollzog sich in seinen Räumen der heilige Dienst. Aber das Leben außerhalb des Tempels stand in: Widerspruche mit dem symbolischen Gottesdienste des Tempels. Anstatt durch die immerwährende Predigt desselben ermahnt und begeistert zu werden, Gott jeden Blutstropfen, jede Regung des Herzens, . jede Kraft des Leibes, jeden Gedanken des Geistes, jeden Theil der Habe Zu weihen und von Ihm allein das Glück und Gedeihen und den Schutz zu erwarten, wandte sich das Leben im Staate und im Hause von Gott ab, vollzog sich im Gegensätze zu Gottes Willen und erhoffte das Heil von der Menschen Macht und Weisheit. Und darum gingen Staat und Tempel in Trümmern. Von dem einzigen Boden, auf welchem Israels Glück blüht, losgelöst — gleich dem Haare, welches seine Kraft verliert, wenn es vom Haupte entfernt wird — fiel ein Dritttheil dem Hungertode und der Seuche zur Beute, ein Dritttheil fand seinen Tod durch das Schwert des Eroberers und ein Dritttheil ward in alle Winde zersprengt! Also vollzog sich das längst angedrohte Verhängniß, also der Untergang des jüdischen Staats. nEn-ü, nenn nnvn Und so ist Israel, dieses letzte Dritttheil des letzten Sechstheils, der Schande und der Schmach, dem Hohne und dem Spotte der Nationen ausgesetzt — bis auf den heutigen Tag. Wohl erhellten hin und wieder einige Lichtstrahlen das trübe Geschick der, in alle Winde Zersprengten," wie zur Zeit des Perserkönigs, da für eine kurze Weile eine kurze Wintersonne Juda leuchtete, wie zur Zeit der Araberherrschaft in Spanien, wie zur Zeit des erwachenden Rechtsge-

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