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Der Israelit · 1881-07-27 · Heft 30 (27.7.1881) · page 7

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Journal
Der Israelit
Volume
22 (1881)
Issue
Heft 30 (27.7.1881)
Date
1881-07-27
Page
– (sequence 7)
Language
German
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751 Vergessen sind die Sabbate, vergessen sind die Feiertage. Dagegen feiert Ihr die Feste der Heiden mit und freuet Euch an den Festtagen der falschen Götter. Ist das nicht schon eine Art Götzendienst, wenn Ihr Eure Häuser schmücket zur Ehre eines griechischen Götzen, wenn Ihr, Eure Söhne und Töchter, theilnehmet an den Festzügen, Euch in allerlei Verkleidung steckt und mit einftimmt in den Jubel, der zu Ehren der Götzen erschallt?" „Meine Brüder, meine Freundet Einst haben unsere Voreltern als Sklaven in diesem Lande gedient — und Gott hat sie herausgeführt mit starker Hand und ausgestrecktem Arm und hat uns zu seinem Volke erhoben. Er hat uns geführt an den Berg Sinai und hat zu uns gesprochen: Ich bin der Ewige, Dein Gott; es sollen Dir nicht sein andere Götter vor meinem Angesichte. Und in Allem, was ich Euch sage, sollt Ihr Euch in Acht nehmen und den Namen fremder Götter sollt Ihr nicht erwähnen, er soll nicht gehört werden von Deinem Munde. — Ihr aber, meine Brüder, ihr könnt nicht drei Worte sprechen ohne die griechischen Götter und Göttinnen anzurufen und bei ihren Namen zu schwören. Euren Kindern gebt Ihr Namen, welche an diese Götter erinnern. Sind nicht Viele in Eurer Mitte, deren Name bedeutet: Geschenk des Gottes der Sonne*), Entsprossen dem Vater der Götter**), und dergleichen mehr? Ich weiß, Ihr denkt nichts Böses dabei, und es ist nur eine Gewohnheit, die Ihr inmitten Eurer Umgebung angenommen habt. Allein diese schlimme Gewöhnung hat Euch dem jüdischen Leben ganz entfremdet. Der einzige, allmächtige Gott, der Schöpfer des Himmels und der Erde, hat uns zu seinem Volke erwählt, auf daß wir uns heiligen und heilig seien. Deßhalb hat er uns Gesetze gegeben, die uns in Bezug auf Speise und Trank sondern von allen übrigen Völkern der Erde. Ihr aber habt diese Gesetze vergessen, Ihr verzehret das Fleisch der unreinen Thiere und seid geworden wie die Heiden rings um Euch her. „Als der Prophet Jonah seine Botschaft in Niniweh verkündete, da hörten auf ihn die Männer von Niniweh und kehrten -urück von ihren bösen Wegen; sie hüllten sich in Sack und Asche, thaten Buße und beteten zu Gott. Und Gott sah ihre Thaten und ihre aufrichtige Reue und verzieh ihnen. Er brachte das böse Geschick, das er über sie verhängt hatte, nicht in Erfüllung und übte. Gnade." „Meine Brüder, meine Freunde, kehret auch Ihr zurück von Euren bösen Wegen, — warum wollt Ihr nerben, Haus Israel?" „Sehet diese Welt gleicht einem Gasthause, in welchem Jeder genießen kann nach Belieben. Ihr dürft aber nicht glauben, daß Euch die Rechnung dafür erlassen werde. Alles wird auf Bürgschaft gegeben, und ein Netz ist ausgebreitet über alle Lebenden. Der Laden ist offen und der Besitzer desselben gibt auf Borg; aber das Schuldbuch ist geöffnet, und eine Hand schreibt ein. Jeder der borgen will, komme und borge; aber die Beamten gehen ständig umher und machen sich bezahlt von den Menschen mit oder ohne deren Wissen." „Meine Brüder, meine Freunde! Euch fließt das Leben schön und freudig dahin, Ihr genießet in froher Heiterkeit, und selbst der Arme erhält von seinen wohlhabenden Brüdern so viel, daß er nicht zu sorgen hat um das tägliche Brod. Aber ist das der Zweck und das Ziel des Lebens? Seht, meine Freunde, Gott hat den Menschen in seinem Ebenbilde erschaffen, er hat ihm Geist von seinem Geiste eingehaucht und hat ihm die himmlische Gabe der Vernunft verliehen. Und dieser so hochbegnadete Mensch sollte sich damit begnügen, zu leben wie das Thier lebt, ülos um zu genießen und sein Geschlecht fortzupflanzen? Hat es ihm Gott umsonst kund gethan, daß er ihn in seinem Ebenbilde erschaffen? Er hat ihm dadurch die Lehre gegeben, daß er aufwärts streben soll, um zu üben, was wahr und recht ist." „Uns Israeliten hat Gott emporgehoben aus allen Völkern der Erde und hat uns seine Kinder genannt, wie es heißt: Kinder seid Ihr dem Ewigen, Eurem Gotte. Und damit wir uns als seine Kinder bewähren können, hat er uns die Thora gegeben, das köstliche Kleinod, durch das die Welt ist erschaffen worden. Denn wie der Baumeister, ehe er ein Gebäude aufführt, einen Bauplan entwirft, in welchem die Gestaltung des Gebäudes vorausbestinrmt wird, die Form, die es annehmen soll, die Hallen, die Stockwerke, die Keller, die Gemächer, die Gänge, — alles wird vorausbestimmt und gezeichnet und wenn der Bau begonnen wird, so blickt der Baumeister in seinen Plan und läßt danach die Fundamente gründen, die Keller Herrichten, die Stockwerke aufbauen, die Hallen eintheilen, die Gänge und die Gemächer einrichten, geradeso hat Gott vor der Erschaffung der Welt als seinen Weltenbauplan die Thora hergestellt; sie ist die Welt des Geistes, deren Zwecken und Zielen entsprechend das Weltall ist erschaffen worden. Und dieses köstliche Kleinod hat Er uns gegeben und uns kund gethan, daß 'es ein köstlich Kleinod ist, durch das die Welt ist erschaffen worden, wie es heißt: Denn eine gute Lehre habe ich Euch gegeben, verlasset meine Thora nicht." „Und Ihr, meine Brüder, habt diese Thora vergessen! Ihr forschet nicht in ihr, erziehet Eure Kin- *) Appollodor. **) ZeugonoZ.

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