Der Israelit
- Journal
- Der Israelit
- Volume
- 22 (1881)
- Issue
- Heft 30 (27.7.1881)
- Date
- 1881-07-27
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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748 als heute, auch nicht in den Sinn kam, mich mit eigenen Thaten zu rühmen, da ich nicht mehr als meine Pflicht und Schuldigkeit gegen König und Vaterland gethan habe, wie dies noch von Tausenden meiner Kameraden geschehen, jetzt nicht mehr auf jene Zeiten zurückkommen, wenn mich nicht mit Gewalt die jetzigen Tagesereignisse dazu zwingen würden. Unreife Buben, die noch keinem bewaffneten Feinde ins Gesicht gesehen haben und die von Pulvergeruch etwa so viel wissen, wie ich von der chinesischen Sprache verstehe, wollen bei ihren traurigen Hetzereien gegen uns Juden behaupten, wir hätten im Kriege unsere Schuldigkeit nicht gethan. Da stellt sich so ein Henrici in Berlin hin und will die Welt glauben machen, die Juden suchen im Kriege sich die Schreiberstellen aus, die bekanntlich nicht so gefährlich sind, als die Stellen vor dem Feinde. Ich kann auch schreiben, Herr Henrici, und war in meiner Garnison Hofgeismar lange Zeit Schreiber auf dem Büreau meiner Escadron. Sobald wir jedoch ins Feld zogen, da war mir keine Schreiberstelle mehr recht und habe ich von Anfang bis zu Ende des Krieges den Säbel nicht aus der Faust bekommen, habe mich auch nicht gedrückt und alle meine Kameraden mosaischen Glaubens, die ich kenne, haben ihre Schuldigkeit gethan, so gut wie unsere Kameraden christlichen Glaubens. Aus meiner nächsten Heimath, dem Kreise Schlüchtern sind drei Soldaten jüdischen Glaubens, die ich persönlich kannte, auf dem Schlachtfelde gefallen. Rechnen Sie einmal, Herr Henrici, — Sie sind ja noch nicht lange von den Schulbänken weg — dm Procentsatz der Bewohner jüdischen Glaubens aus dem Kreise Schlüchtern im Verhältniß zu den christlichen Bewohnern und Sie werden finden, daß die jüdischen Soldaten meiner Heimath sich ebensowenig wie die christlichen Soldaten „gedrückt" haben können. Wenn man seine Schuldigkeit im Dienste des Vaterlandes gethan und zur Erinnerung daran, noch 5 Jahre nach beendetem Feldzuge in Folge der überstandenen Strapatzen an beiden Beine lahm wird, so muß man das sich wohl gefallen lassen, da es im Kriege nicht anders hergeht. Ich habe auch kein Wort der Beschwerde dafür, wenn mir trotz meiner Verkrüppelung keine Jnvalidenbeneficen zu Theil werden, da gesetzlich alle derartigen Ansprüche innerhalb 4 Jahren nach dem Friedensschlüsse angemeldet werden müssen, während mein Leiden erst später eintrat und tröste ich mich mit dem Gedanken, daß ich noch viele Leidensgefährten aus allen Ständen und Confessionen habe, denen ich also gesetzlich gleichgestellt bin. — Es thut jedoch sehr wehe, wenn man beim Bewußtsein treu erfüllter Pflicht dennoch jetzt solche alberne Behauptungen von Judenfeinden hören und lesen muß. Wenn es jedoch wahr ist, und ich bezweifle es nicht, daß Sie, Herr Henrici, Ihre Brandreden und Hetzereien nur für Geld produciren, wie einer Ihrer eigenen Anhänger aus Cassel ausgeplaudert hat, dann habe ich allerdings einigermaßen ein Verständniß für Ihre Auslassungen und auch die Hoffnung, daß Ihr Eifer mit dem Versiegen der Geldquellen, welche aus Krämerneid und sonstigen niederen Motiven noch fließen mögen, sich widerlegen wird und Sie sich wieder mit nützlicheren Beschäftigungen als dies jetzt der Fall ist, befassen werden. Doch zur Sache. Vor einiger Zeit wurde mir gelegentlich einer .i'iv von hiesigen o»na ^ya ein -ap gezeigt, in welches vor ungefähr 26 Jahren ein unbekannter Glaubensgenosse begraben wurde, welcher in der Strafanstalt Klosterbach internirt war und auch daselbst gestorben ist. Die Stelle des betreffenden -iap ist kaum mehr zu erkennen, da keine naso dasselbe bezeichnet. Aus Befürchtung wegen nna no.i nnd um sonstigen vorzubeugen, veranstaltete ich auf dem vubv rva alsbald eine Collecte zur Anschaffung einer entsprechenden naao. Bei dem Wohlthätigkeitssinn der hiesigen Gemeindemitglieder war es ein Leichtes, den erforderlichen Betrag zu sammeln. Hierauf erkundigte ich mich bei dem derzeitigen Jnsvector der Strafanstalt nach etwaigen Verzeichnissen in den Büchern der Anstalt über die Person des Verstorbenen. Der Beamte theilte mir bereitwilligst mit, daß der Verstorbene in den Büchern der Anstalt unter dem Namen Leopold Weiß eingetragen sei Weiter ist dabei bemerkt: Israelit heimatlos, angeblich von München, gestorben am 16. Mai 1855. Dies sind die amtlichen Notizen, die zu erlangen waren. Von hiesigen älteren Leuten, die sich jenes Todesfalls noch erinnern, wurde mir noch Folgendes mitgetheilt. Der räthselhafte Unbekannte habe s. Z. jede Auskunft über seinen wahren Namen und Heimathsort verweigert, überhaupt nie ein Wort in der Anstalt gesprochen. Es ist mir weiter vielfach übereinstimmend mitgetheilt worden, daß der Unbekannte sehr streng als nirr gelebt habe, namentlich jeden Genuß von nniox niVa«<o sorgfältig vermieden habe und habe ich auch dementsprechend die no’itn der naso angefertigt. Nach einem unverbürgten Gerüchte soll der Unbekannte aus Oesterreich gebürtig sein. In Altbayern habe derselbe eine silberne Taschenuhr als solche verkauft. Als sich später herausftellte, daß das Silber an der Uhr nicht echt war, wäre er dafür mit 8 Jahren Arbeitshaus bestraft worden. Was an dieser Erzählung wahr oder unwahr ist, kann ich nicht verbürgen. Ein alter, hiesiger Mann, der s. Z. bei der mno des Unbekannten beschäftigt war, beschreibt denselben als einen Mann von starker Statur im Alter von ungefähr 25 Jahren mit einem vollen Gesichte, dem