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Der Israelit · 1881-07-20 · Heft 29 (20.7.1881) · page 19

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Journal
Der Israelit
Volume
22 (1881)
Issue
Heft 29 (20.7.1881)
Date
1881-07-20
Page
– (sequence 19)
Language
German
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739 Munde: Die Heiligkeit des Hauses neben der Synagoge (der Schameschwohnung) ist so groß wie die Heiligkeit der Synagoge. Und wahrlich mit Recht; — denn wenn im Gotteshause die Gedanken sich Zn Gott richten und die Gefühle und Gesinnungen geläutert werden sollen,;fo waren in der Schameschwobnung nicht allein die Gedanken, sondern auch alles Thun und Treiben fortwährend im Dienste Gottes, und nicht das Herz allein war geläutert von allen Schlacken, sondern alle Handlinlgcn waren siebenfach geläutert und rein wie die Leuchte des Heiligthnms in der Gottesstadt. Wir waren fünf Geschwister, drei Töchter und Zwei Söhne. Meine Schwestern sind, wie ihr wißt, an große und berühmte Gelehrte verheirathet, welche in Ehren auf dem throne der Horaah weilen. Denn der Ruf meiner Eltern war weit verbreitet, und glücklich schätzten sich die Männer, die aus ihren Händen die Gefährtin für das Leben erlangen könnten. Mein Bruder, älter an Jahren als ich, und mich weit an Geist und Wissen überragend; ward schon früh im Anstande als Rabbiner einer ansehnlichen Gemeinde angestellt. Ich aber übernahm, als mein Later, ein Jahr nach dem Ableben meiner Mutter, im Jahre 55 >8 Zum ewigen Leben Angegangen war, die Bestallung meines verklärten I Lat'ers. j Wenn auch die kindliche Liebe und Ehrfurcht, j welche ihr, theure Kinder, mir Zollt, euch meine! Eigenschaften in einem weit helleren Lichte erscheinen lassen, als sie verdienen — so glaubt mir doch, daß ich weit entfernt war und bin, die Lücke auszufüllen, welche meines Vaters Heimgang hinterlassen, und daß es mir nicht gelungen ist, Ersatz für sein Hinfcheiden zu bieten, obgleich ich — wie ihr wisset — mit ganzem Herzen und aller Kraft meiner Seele dem Studium der Thora obliege und meine Thüre niemals deit Knaben und Jünglingen verschlossen habe, welche das Wenige, welches ich weiß, bei mir zu lernen wünschten. In die Zeit meiner ersten Dienstjahre fallen die Kriege, welche der Preußenkönig mit der österreichischen .Kaiserin führte. Wenn die Könige mit einander hadern, so trauern die Völker. Krieg bringt Tod und Elend in's Land; und mehr sind die Leiden der friedlichen, in ihrem Hause bei ihren Feldern Weilenden, als die Drangsale der Kämpfenden. Denn Diese sind zumeist nur dem eigenen Tode ansgesetzt, während Jene mit Hunger und Roth, welche sie und die Ihrigen hcimsuchen, belastet werden. Die Saatfelder waren von der Rosse Hufe zertreten; Häuser und Scheuern sammt ihrem Inhalte von des Feuers Gluth verbrannt; die Bewohner der Dörfer und Städte mußten ihr Hab und Gut dem Kriegsvolke überlassen. Die Wuth des Krieges entfesselte alle Leidenschaften der Söldner; Roth und Armuth der Landleute und Bürger erzeugter Raub und Diebstahl. Handel und Gewerbe gaben keinen Gewinn. Die Menschen wurden hartherzig; ein Jeder dachte nur an sich und die Seinigcn und das Elend, das ihn umgab. Also war es überall im Lande, also auch in dieser Stadt. Der fleißige Handwerksmann war verarmt; der Arbeiter fand keinen Verdienst; die großen Geschäfte lagen darnieder. Wer ehedem reich gewesen, hatte jetzt nur das Rothwendigste, wer früher des Lebens Rothdurft durch eigene Arbeit für das Haus erschwingen konnte, mußte an den Thüreu betteln Dazu kamen noch die Schaaren von Bettelleuten, welche von Dorf zu Dorf und von Stadt zu Stadt durch das Land zogen. Da erließen die Häupter und Aeltcften unserer Stadt das Verbot, daß Niemand in das Haus seines Nachbars gehen dürfe, um ihn um eine Gabe anzuflehcn. Dagegen sollte sich jeder bedürftige Familienvater auf dem S>tadthause melden, allwo ihrn, so er gänzlich verarmt sei, eine kleine Unterstützung zu Theil werden solle. Die Wachen in den Thoren sollten aber verdoppelt werden, um jedem Armen den Eintritt in die Ltadt zu verwehren und die Bettelschaar abzuhalten. Wer diesem Verbote zuwider dennoch in der Stadt beim Vetteln ergriffen werden würde, der sollte von dem Büttel gebunden durch die Straßen geführt und ans dem Marktplatz an einer auf erhöhtem Stande errichteten Läute gekettet werden. Eine Tafel der Schande sei ihm aus die Brust zu heften, und hernach werde er mit fünfundzwanzig Ruthenstreichen bestraft. So der Bettler aber ein Fremder wäre, so erhalte er fünfzig Streiche und werde vor die Thore der Stadt gebracht. (Fortsetzung folgt.) -Al Ifi" Z E I Cr E IST Für den folgenden Theil ist die Redaktion nicht verantwortlich. ftAine Person gesetzten Alters, die mit kleineu Kindern umzugehen vermag, wird Izum sofortigen Eintritt gesucht. Offerten 8ub Nr. 2535 besorgt die Ex- |peb. d. Bl. fCin tüchtiges, streng religiöses. jüdisches! {Tan j. Mann, Jsr., 24 Jahre alt, bisher Mädchen als Stütze der Hausfrau zum! V-' im Gesch. s. Bruders thätig gew., sucht sofortigen Eintritt gesucht. > unter sehr besck. Anspr. Stelle im Geschäfte Pfungstadt bei Darmstadt. > oder als Schreiber. Gute Res. Näheres 2536) Lazarus Jeidel. 1 bei Lehrer I. Feith, Borken, Weftph. <2539

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